Zugunglück bei Freihung
Ein lauter Knall, Flammen, Schreie

Bild: Steinbacher
Vermischtes
Freihung
06.11.2015
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Beim Zusammenprall eines Zuges mit einem Lkw bei Freihung gibt es zwei Tote. Die genaue Ursache des Unglücks soll ein Gutachten klären.

Freihung. (dpa) Der Ausflug in ein Nürnberger Kino endet für eine zehnköpfige Jugendgruppe aus der Oberpfalz mit einem Schock: Auf dem Rückweg prallt am späten Donnerstagabend der Regionalzug, in dem die zehn Jugendlichen und zwei Betreuer sitzen, an einem Bahnübergang mit einem Lastwagen zusammen. Es spielen sich dramatische Szenen ab. «Es gab einen lauten Knall, wir wurden durch den Waggon gewirbelt, danach sah ich riesige Flammen», schildert die 16-jährige Anabel Witt, was sich auf der Bahnstrecke bei Freihung in der Oberpfalz zugetragen hat. «Leute schrien, es war Blut zu sehen.»

Einem Mann gelingt es, die Tür des Triebwagens zu öffnen. «Danach sind wir einfach alle nur noch in Panik herausgerannt.» Einige stürzen und verletzen sich dabei. «Ich wollte auch rennen, hatte aber starke Schmerzen und konnte nicht», erzählt die Schülerin.

Das ganze Ausmaß des schweren Zugunglücks wird erst sichtbar, als die Rettungskräfte eintreffen und die Unglücksstelle mit Scheinwerfern ausleuchten: Von der Zugmaschine des Sattelzugs ist kaum noch etwas übrig. Völlig zerquetscht liegt sie unter dem Triebwagen der Regionalbahn. Auch das Führerhaus des Zugs ist komplett ausgebrannt. Der 30 Jahre alte Lastwagenfahrer und der 35 Jahre alte Lokführer verlieren bei dem Zusammenstoß ihr Leben. «Wir saßen ziemlich weit vorne, von der ersten Klasse war nicht mehr viel zu sehen», so Witt.

Die meisten der knapp 40 Fahrgäste kommen mit dem Schrecken davon. 18 werden verletzt, mehrere müssen in eine Klinik gebracht werden. Als Anabel Witt im Krankenwagen liegt, hört sie den Funkspruch: «Eine Person leblos geborgen.» Da sei ihr klar geworden, dass es auch mindestens einen Toten gegeben haben muss.

Wie genau es zu dem Unfall kam, blieb auch am Freitag unklar. Polizeisprecher Albert Brück sagt, der Sattelzug sei nach ersten Erkenntnissen auf dem beschrankten Bahnübergang stehen geblieben. Als die Bahn den Laster erfasst, wird das Führerhaus vom Anhänger abgerissen und die Lok schiebt sie vor sich her. Erst nach 300 bis 400 Metern bleibt die Bahn stehen.

Wie schnell der Zug von Neukirchen nach Weiden vor dem Unglück unterwegs war, kann Brück nicht sagen. Dies müsse der Gutachter klären. «Eine erste Aussage von Bahnmitarbeitern war, dass das hier eine 140er-Strecke ist, dass der Zug also bis zu 140 Stundenkilometer schnell gefahren sein kann», sagt der Polizeisprecher.

Unglaubliches Glück hat der 25 Jahre alte Beifahrer des Transporters. Er wird nur leicht verletzt und direkt nach dem Unfall von der Polizei befragt. Von ihm erhoffen sich die Ermittler die genauesten Erkenntnisse zum Ablauf des Unglücks. Zu dem Ergebnis der Befragung wollte sich die Polizei zunächst aber nicht äußern.

In den sozialen Medien herrscht am Freitag große Betroffenheit. «Wie bereits 2001 habe ich hier einen Kollegen verloren, mit dem ich gerne Kontakt hatte und mich Erinnerungen verbinden», schreibt ein Mann aus Oberfranken auf Facebook. Ein Nürnberger Kollege des Getöteten postet: «Das hätte auch ich sein können - mein Zug, mein Bahnübergang ... Zum Glück zu der Zeit schon daheim.»

Der Lastwagen hatte einen defekten Truck der US-Streitkräfte auf dem Anhänger stehen. Das kaputte Fahrzeug sollte von Rumänien in die Oberpfalz transportiert werden. «Der Truck hatte nichts Gefährliches geladen», versicherte ein Polizeisprecher. Anfangs war die Polizei von einer Explosion ausgegangen. Doch inzwischen vermuten die Ermittler, dass durch die Wucht des Aufpralls ein Feuer entstand, das den Anschein einer Explosion erweckte.

Der Bahnübergang ist mit Lichtzeichen und Halbschranken gesichert. Erst vor kurzem sei die Anlage erfolgreich auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft worden, sagt Bahnsprecher Franz Lindemair. Voraussichtlich bis Montag bleibt die Bahnstrecke gesperrt. «Die Bergung der Fahrzeuge ist schwierig, es haben sich viele Teile verkeilt», erklärt Marco Müller vom Polizeipräsidium Oberpfalz.

Anabel Witt durfte das Krankenhaus noch in der Nacht verlassen. Sie kam mit Prellungen davon. «Ich habe aber immer noch Schmerzen.» Ihren Freunden aus dem Jugendzentrum gehe es gut. Einer befinde sich noch zur Beobachtung in einem Regensburger Krankenhaus, hat sie erfahren.