Premiere der Freudenberger Bauernbühne
Alle lieben ’s Schwalberl

Zünftig geht's her, wenn die Freudenberger Bauernbühne "s' Schwalberl" aufführt. Bilder: Wolfgang Steinbacher (4)
Freizeit
Freudenberg
03.07.2016
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Während die Traudl, 's Schwalberl (Ramona Altmann), von sanftmütiger Natur ist, steckt im Lenz (Matthias Tafelmeier) ein Draufgänger.

Elf Mal schlägt es vom Turm der Wutschdorfer Martinskirche. Die Geschichte vom Schwalberl strebt dem Höhepunkt zu. Erzählt wird sie in drei Akten vom ausgezeichneten Ensemble der Freudenberger Bauernbühne.

Von Marielouise Scharf

Ausgezeichnet ist die Truppe um ihren Spielleiter Benno Schißlbauer ja im doppelten Sinn. Einerseits spielt sie schon seit vielen Jahren in einer sehr hohen Liga. Andererseits erhielt sie 2015 für die Freilichtproduktion "'s Schwalberl" den Oscar der Amateurtheaterszene, der allerdings Larifari heißt und nur alle zwei Jahre verliehen wird.

Dieser große Erfolg habe den Theaterverein bewogen, das Schwalberl nochmals fliegen zu lassen, schreibt der Vorsitzende Norbert Altmann im Programmheft. Am Freitagabend war Premiere. Der Stechweber-Hof unterhalb der Wutschdorfer Kirche ist Ziel der Besucher. Die neue Tribüne steht. Der Hammerbach plätschert. Das alte Anwesen präsentiert sich blitzblank. An Tischen und Bänken zwischen Heumandln und Strohballen schmecken die herzhaften und süßen Schmankerl, die vor der Aufführung und zwischen den Akten angeboten werden, besonders gut. Noch scheint die Sonne - später wölbt sich der nächtliche Sommerhimmel über die Idylle. Dann flackern Kerzen, dann leuchtet das Wasser in bunten Farben und zaubert geheimnisvolle Lichtreflexe.

Stodl, Schupfn, Stall


Das Oberpfälzer Anwesen wird zum bayerisch/tirolerischen Rauchensteinerhof: Stodl, Schupfn und Schweinestall, Wagenremise, Hasenkobel, Klohäusl und Bauernhaus mit Bank davor. Im Innenhof ein großer Biertisch drumherum. Schwalben fliegen hoch übers Dach und später huscht sogar eine Fledermaus durchs Gebälk. Kirm, Kraxn und Reisigbesen. Alles echt und alles da. Einen schöneren Spielort kann man sich gar nicht vorstellen.

Hier spielt die Geschichte vom Schwalberl, so wird die sanftmütige Traudl genannt, weil sie auch immer schwarz-weiße Kleider trägt. Der alte Bauer ist verstorben. Erbe wird sein gstudierter Neffe Leonhard. Das glauben jedenfalls alle. Aber es kommt anders. Die einen verspekulieren sich, die anderen sind die glücklichen Gewinner.

Was die zwölf Schauspieler, ihr Spielleiter Benno Schißlbauer und Musikant Gerhard (Bifi) Köbler aus der Geschichte machen, ist einfach sehens- und hörenswert. Jeder Anzug passt, jedes Dirndl sitzt wie maßgeschneidert, jede Melodie wird einfühlsam gesungen, jede Haupt- und Nebenrolle ist perfekt besetzt. Unvergleichlich komisch, hantig und kantig: Barbara Söllner als Haushälterin Burgl. Ein liebenswertes, drolliges Paar geben Schwergewicht Erwin Altmann als Knecht Sepp und Petra Gietl als Rosl, die trutschige Dirn.

Ausgefuchste Schlawiner


Michael Vogt gefällt als barfüßiger, peitschenknallender und immer hungriger Geißbub Hias ganz ausgezeichnet. Versiert und flexibel schlüpft Reinhold Escherl in die Rolle des Bauern Moosbrunner, der viel weiß, aber wenig sagt. Armin Scharnagel leiht dem pfiffigen Jagdgehilfen Xaver Hornauer Statur und Stimme und bringt einen Wilderer hinter Schloss und Riegel. Das ist nämlich der forsche Lenz (Matthias Tafelmeier), der Sohn vom gwappelten Viehhändler Anton Scheibenhart (Bernhard Bamler). Beide sind zwei ausgefuchste Schlawiner, was auch auf den Bergwirt Englmaier (Klaus Dotzler) und seine eitle Tochter Kunigunde (Monika Altmann) zutrifft. Diese lebt als hoffärtige Komödiantin in der Stadt und passt laut Aussage von der Burgl "no weniger wia gar net" zum Studienrat Leonhard Stein, gespielt von Andreas Schönberger. Der pendelt von einer Liab zur andern und merkt erst ganz spät, dass ja eigentlich Traudl, 's Schwalberl, dargestellt von Ramona Altmann, seine Herzensdame ist.

Anmutig spielt und singt Altmann sich in die Gunst des Publikums. Sie stimmt im Schlussbild auch das Loblied auf die Heimat an, in das alle Akteure einstimmen. Hier beweist Regisseur Benno Schißlbauer sein sensibles Gespür für große Auftritte und prächtig arrangierte Szenen. Wohlüberlegt und überaus stimmig lenkt er seine Leute. Nichts wirkt aufgezwungen, alles fließt harmonisch und lebendig. Bühnenbild, Maske, Technik und Musik komplettieren die gelungene Aufführung.

Mag einer die Nase rümpfen über Bauerntheater. Mag einer lästern über Heimattümelei. Es geht immer darum, wie gut es gemacht ist. Die Freudenberger können's und verdienen allerhöchsten Respekt. Riesenapplaus für eine Riesenleistung!
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