Premiere der "Mordsfrauen von Freudenberg"
Die Tote und ihr Lotto-Jackpot

Das gesamte Ensemble der Jungen Bühne Freudenberg posierte nach der erfolgreichen Premiere fürs Gruppenfoto. Mit den "Mordsfrauen" trafen die Darsteller genau den Geschmack ihres Publikums. Bild: gio
Freizeit
Freudenberg
14.11.2016
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Die "Mordsfrauen von Freudenberg" feierten Premiere. Das neue Stück der Jungen Bühne versprach spannende Unterhaltung. Doch es ging auch ums liebe Geld. Das wurde schon zu Beginn klar, als Anna und Kathi Zweck musikalisch auf das Theater einstimmten.

Freudenberg. (gio) Im beschaulichen Ort Freudenberg gibt es viele Witwen, da durch ein tragisches Busunglück eine Großzahl der Männer ums Leben gekommen ist. Die Hinterbliebenen schaffen sich zusammen mit Harry Kraus, dem einzigen Überlebenden der Katastrophe, Bürgermeister Sepp Schweiger und Pfarrer Georg Hirzinger ihre eigene Welt. Der traumatisierte Harry, perfekt dargestellt von Kevin Altmann, leitet den Frauenchor. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt Annette Schmählich. Sie ist aber durch ihr arrogantes und selbstherrliches Auftreten, das durch Franziska Hahn höchst glaubwürdig umgesetzt wurde, bei den anderen Damen weniger beliebt.

Insgeheime Anführerin ist Agnes Blechinger, die skrupellose Bioladenbetreiberin, die von Franziska Schißlbauer mit viel Power gespielt wurde. Dann ist da Pfarrhaushälterin Liesel Baumer. Deren direkte Art brachte Lena Vogt wunderbar auf die Bühne. Immer für einen Spruch gut, meisterte Katharina Dotzler ihre Rolle als naive Erika Fuchsbeck. Jessica Schuch durfte die etwas weltfremde Alt-Hippy-Frau Esther Koballa spielen. Der ausgefallenste Part. Auch die Frau fürs Grobe, Maria Koch, ist mit Milena Donhauser grandios besetzt.

Dieser Clique passt es ganz gut ins Konzept, dass sie die unbeliebte Annette tot in ihrer Wohnung auffinden, als sie glaubten, den Lotto-Jackpot von 23,5 Millionen Euro geknackt zu haben. Das Geld ging aber auf Annettes privaten Zweitschein. Um dennoch abkassieren zu können, überreden die Frauen Annettes Schwester, Greta Griesbauer, an deren Stelle den Gewinn einzusacken. Doch Greta, verkörpert von Christina Hahn, ist so gar nicht wie die anderen Damen, lässt sich aber widerwillig darauf ein.

Hin- und hergerissen


Zuerst muss Lotterie-Beamter Edwin Steiner von der Echtheit der falschen Annette überzeugt werden. Michael Vogt, der auch für die gesamte Organisation der Jungen Bühne verantwortlich ist, begeisterte in einer kurzen, aber knackigen Rolle. Dominik Altmann spielt ausgezeichnet den moralisch hin- und hergerissenen Pfarrer Georg Hirzinger, der wie der korrupte Bürgermeister Schweiger, wunderbar glaubwürdig gespielt von Josef Schießlbauer, das Spiel der Mordsfrauen mitmacht.

Schließlich kommt der Kriminalbeamte Dietrich Hasemann ins Spiel. Darsteller Matthias Tafelmeier mischte die Gesellschaft mit seinem kräftigen und schwungvollen Auftritt ganz schön durcheinander. Er ist es auch, der den Fall schließlich aufklärt, was ihm aber bei den über Leichen gehenden Frauen von Freudenberg doch zum Verhängnis wird. Wenigstens braucht er sich, laut dem gemeinsamen Schlusslied aller Akteure frei nach Rapper Cro, keine Sorgen mehr um Geld zu machen.

Spielleiter Benno Schißlbauer hat aus der Krimikomödie von Norbert Frank ein flottes, spannendes und bis zum Ende höchst unterhaltsames Stück auf die Beine gestellt. Für den richtigen Bildwechsel sorgte Johannes Altmann. Barbara Söllner und Edeltraud Dotzler waren für perfekte Maske und Kostüme zuständig.

Kaum noch Karten


Im Nachwuchsbereich braucht man sich in Freudenberg angesichts dieser Leistung keine Sorgen zu machen. Mit den "Mordsfrauen von Freudenberg" hat sich die Junge Bühne endgültig in der regionalen Theaterlandschaft etabliert. Sogar beim Kartenvorverkauf stehen die Jungen den Alten in Nichts mehr nach, denn: Es gibt so gut wie keine Tickets mehr für die weiteren Aufführungen bis zum 19. November.
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