Ausstellungseröffnung im Etsdorfer Tempelmuseum
Ach, es wäre doch so einfach

Die Literatur kennt das Stilmittel des Zitats im Zitat. Das Alltagsleben auch: Gestern sind in ihrer Freizeit Menschen ins Tempelmuseum gekommen, um sich Fotoarbeiten von Lars van den Brink (Dritter von links) darüber anzuschauen, was andere Europäer in ihrer Freizeit tun. Bild: Steinbacher
Kultur
Freudenberg
22.05.2016
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Was machen die Europäer in ihrer Freizeit, fragte sich der Amsterdamer Fotokünstler Lars van den Brink. Zum Beispiel Ausstellungen eröffnen, um einmal einen neuzeitlichen Tempel zu bauen.

Ein kleines Dorf, eine ehemalige Volksschule und eine große Idee. "Wer soll es sonst machen, als wir", sagte Wilhelm Koch mit der größten Selbstverständlichkeit in die Runde und meinte Europa. Er und ein paar hartnäckige Mitstreiter arbeiten seit Jahren daran, diese kulturelle Identität nahe dem zu Freudenberg gehörenden Ort Etsdorf in einem Tempelbau des Hier und Jetzt manifest werden zu lassen. Eine Vorstufe ist das Tempelmuseum in der ehemaligen Dorfschule. Dort sind seit gestern 17 Fotoarbeiten von Lars van den Brink (Amsterdam) in einer Ausstellung zu sehen.

Sie tragen den Titel "A happy day in Europe" (Ein fröhlicher Tag in Europa) und werden bis zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober gezeigt. Der junge Holländer ist 2014 in einem Wohnmobil durch Europa gereist, um in jedem Land des Kontinents Europa (nicht identisch mit der EU) eine Woche zu verbringen. So kamen 26 Wochen zusammen und ein umfassender Bildzyklus, aus dem 17 Werke gezeigt werden.

Die Arbeiten sind nicht spektakulär, auf den ersten Blick wirken sie sogar nahezu banal. Man könnte auch normal dazu sagen, und genau diese Normalität ist das, was van den Brink fasziniert. Russen lassen Drachen steigen, Holländer kommen zu einem Bulldog-Treffen zusammen, Norweger spielen das Mittelalter nach und Österreicher ziehen mit Blasmusik um einen Alpensee. Deutsche putzen ein Schwimmbad-Becken, Polen gehen derweil baden und Finnen amüsieren sich bei einem Lagerfeuer-Fest.

Die Langsamkeit einer Wohnmobil-Reise lasse nicht nur Landschaften fließend ineinander übergehen oder sich abwechseln, betonte der Fotokünstler, sondern "auch die Leute und ihre Kulturen". "Dann ist das alles sehr logisch." Van den Brinks Aufnahmen zeigen überraschend viele Menschen. Das liegt an seiner Arbeitsweise. Es handelt sich um überlagerte Mehrfachbelichtungen aus ein und der selben Perspektive. Aber jeder Mensch, der abgebildet ist, ist genau dort gewesen, wo er im Bild zu finden ist. "Deshalb gibt es da viele kleine Geschichten."

Das andere, das politische Europa, das aus den Nachrichten, schneidet derzeit überhaupt nicht gut ab. Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger bedauerte das in einem Grußwort ausdrücklich und erklärte sich deshalb im gleichen Atemzug zu einer begeisterten Anhängerin von Wilhelm Kochs Tempel-Initiative, die sich entgegen aller Bedenken bis Widerstände nicht beirren lasse, um etwas zu schaffen, was für eine große Idee stehe.

Europa finde nun einmal nicht nur in Brüssel statt, merkte Koch dazu beiläufig an und hätte noch ganz gerne ein paar Sätze von dem EU-Abgeordneten Ismail Ertug gehört. Der hatte den Termin in Etsdorf aber offenbar verschwitzt.
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