Unterwegs im Freudenberger Land
Ein Kriminaler auf Marterlspuren

Behütet von mächtigen Linden steht dieser Bildstock am Ortsrand von Hötzelsdorf. In der oberen Bildnische kniet St. Wendelin bei seiner Herde, unten Maria mit dem Jesuskind. Die sehr gut gestalteten Keramikreliefs sind Arbeiten des verstorbenen Amberger Kunsterziehers Gerd Fischer.
Kultur
Freudenberg
17.06.2016
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Altar der Gelöbniskapelle in Baumgarten, die 1920/1921 zum Dank für die glückliche Heimkehr des Bauerns Jakob Walter aus dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde.
 
Langgezogene, bewaldete Bergrücken, offenes Wiesen- und Ackerland und als Zugabe die Weiher bei Traglhof: Das ist eine Landschaft, die zum Verweilen und Innehalten einlädt. Bilder: Moser (4)

Ein kleines Hinweisschild in Hötzelsdorf war es, das den Anstoß gab, sich in Freudenberg nach dem Marterlweg zu erkundigen. Dass es dann gleich sechs davon gibt, war eine Überraschung. Einen davon haben wir uns ausgesucht, die Nummer zwei.

Von Günter Moser

Man kann diesen Wanderweg nicht beschreiben, ohne einige Sätze über Emmeram Daucher einzuflechten. Er war gebürtiger Freudenberger, ging zur Polizei und war schließlich Chef der Nürnberger Mordkommission. Sein Ruf war, wie Kripoleute heute noch erzählen, in ganz Deutschland legendär. Seine Aufklärungsquote war sensationell gut und sein bekanntester Fall der des Mittagsmörders. Der hatte sieben Menschen ermordet und der Kriminalist Daucher konnte ihm dies in Verhören nachweisen.

Nach seiner Pensionierung lebte Emmeram Daucher wieder in Freudenberg, hatte er doch den Kontakt nie abreißen lassen. Bald machte er sich daran, die religiösen Flurdenkmäler seiner Heimatgemeinde - im Volksmund Marterl genannt - zu erforschen, zu katalogisieren und, wenn notwendig, zu renovieren. Angeregt hatte dies 1992 Ferdinand Schwarz. Die Arbeiten waren drei Jahre später abgeschlossen und die Dokumentation mündete 1995 in einem Buch. In diesem Werk, das schon lange vergriffen ist, sind auch die sechs Wanderwege mit Kartenausschnitten abgedruckt.

Wir parken in Wutschdorf am Kirchplatz und müssen zunächst einen knappen Kilometer Pflaster treten. Besser jetzt, dachten wir uns, als zum Schluss, wenn man schon müde ist. Von der Hauptstraße biegen wir rechts in die Forsthausstraße ein, welche in die Badstraße mündet. Ihr folgen wir bis kurz vors Schwimmbad. Hier zweigt links ein Feldweg ab, dem wir nun folgen.

Zuvor lohnt ein Blick auf den Bildstock von 1894 auf der gegenüberliegenden Straßenseite, der auf einen Unfall mit einem Fuhrwerk zurückgeht. Nun kurz durch einen schattigen Hohlweg, nach der großen Weide mit einer kleinen Hüll geradeaus weiter bergan. An einer Feldscheune dem rechten Weg folgen. In der Wegbiegung links eine steinerne Bildsäule mit dem Hl. Georg als Drachentöter. Gemächlich steigt der Feldweg an und man erreicht durch offene Feldflur nach gut 30 Minuten Hötzelsdorf.

Inmitten einer Lindengruppe steht ein gemauerter Bildstock mit zwei Keramikreliefs, die der 2008 verstorbene Kunsterzieher Gerd Fischer aus Amberg gefertigt hat. Ihm verdanken wir noch eine Reihe weiterer, sehr gelungener Arbeiten auf dem Marterlweg. Geradeaus über die Straße, dem Feldweg weiter folgen, dann sanft den Hügel hinan. Leuchtende Ehrenpreis- und Steinbrechpolster am Feldrain begleiten uns nach Baumgarten, wo uns am Ortsanfang ein Bildstock mit der Darstellung Maria mit dem Jesuskind erwartet. Jetzt der Teerstraße links folgen. Die kleine Dorfkapelle rechts der Straße ist eine Gelöbniskapelle, die 1920/21 von dem Bauern Jakob Walter nach der glücklichen Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde.

Bevor wir halblinks in den Waldweg nach Traglhof einbiegen, empfehlen wir einen kurzen Abstecher am Waldrand entlang, hinauf in Richtung Digitalfunkmast, wo der Wasserbehälter steht. Die Aussicht von hier oben kann man gar nicht genug rühmen. Während eine leichte Brise über die wogenden, nun schon gelben Getreidefelder streicht, sehen wir am Horizont nichts als Wald.

Jetzt wird augenscheinlich, dass die Oberpfalz mit über 40 Prozent Waldanteil der waldreichste Regierungsbezirk in Bayern ist. Von den Windrädern bei Witzlricht geht der Blick über Hirmer- und Johannisberg ins Naabtal und zu den Regentalbergen und nach Westen zum bewegten Horizont der Kuppenalb, wo man sich an den Standorten der Windräder orientieren kann. Auf dem Weg zurück zur Abzweigung nach Traglhof ist die Amberger Mariahilfbergkirche als dominante Landmarke nicht zu übersehen, im Nordwesten leuchten die hellen Flecken der Sandgruben von Atzmannsricht auf.

Etwa einen Kilometer wandern wir nun in Richtung Traglhof. Zuerst durch Wald, dann mit prächtigen Ausblicken hinüber zu den westlichsten Ausläufern des Naabgebirges, aus dem der Spitzhelm der Kirche auf dem Johannisberg hervorlugt. Wir müssen nicht ganz bis zur Kreisstraße vorlaufen, sondern können direkt hinunter nach Traglhof gehen und dann links vor zur Straße. Unter einer Baumgruppe hier das Gedächtniskreuz für Johann Birner, der nicht mehr aus dem Ersten Weltkrieg zurück kam.

Jetzt wenige Meter auf der Straße nach Freudenberg und dann links hinunter ins Lohbachtal. (Auf der Karte als Hammerbach eingetragen). Von hier ab führt uns die Blaupunkt-Markierung weiter. Es ist erstaunlich, wie so ein kleines Bächlein die vielen Teiche speist, die idyllisch im Talgrund eingebettet sind. Außer dem Froschgequake und dem Rauschen des Waldes ist hier nichts zu hören. Über Wiesensteige und Feldwege geht es weiter mit immer wieder wechselnden Perspektiven hinauf zum Johannisberg.

Ins Tal links unten hat man jetzt eine neue Weiherkette hineingebaggert, die erst einwachsen muss, um zu den lieblichen Bildern der letzten Wegstrecke passt. An einem großen landwirtschaftlichen Betrieb vorbei, erreichen wir bald darauf Wutschdorf, den Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Tipps zur RouteAnfahrt

Von Weiden aus nach Kohlberg und Schnaittenbach, dann hinauf nach Hainstetten und weiter nach Freudenberg/Wutschdorf, etwa 30 Kilometer.

Strecke

Der Rundwanderweg ist gut sieben Kilometer lang. Das erste Wegstück von Wutschdorf zum Bad, dann weiter nach Hötzelsdorf, Baumgarten und Traglhof ist nicht markiert. Von hier weiter mit Blaupunkt. Dauer etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.

Sehenswertes

Pfarrkirche St. Martin in Wutschdorf: Das Patrozinium spricht für ein hohes Alter der Kirche. Sehenswert die beiden Grabplatten aus Rotmarmor. Sie zeigen das Wappen des Hans von Freudenberg mit einer Helmzier aus Büffelhörnern.

Wer sich noch nicht müde gelaufen hat, dem sei noch der Weg hinauf zur Kirche auf dem Johannisberg empfohlen. Am Sonntag, 26. Juni, findet das Johannisbergfest statt. Gottesdienst unter freiem Himmel, vorne Weihrauchduft, hinten schon Bratwurstduft. Empfehlenswert!

Einkehr

Landgasthof Dotzler Freudenberg, www.landgasthof-dotzler.de

Schmie-Alm Freudenberg, www.schmie-alm.de
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