Besonderheit bei der Dorferneuerung in Bühl
Einigkeit stoppt Erosion

Mit der "boden:ständig"-Tafel demonstrieren die an der Dorferneuerung sowie dem Erosionsschutz und der Wasserrückhaltung in Bühl Beteiligten, welchem Zweck die ausgeschobene Mulde im Hintergrund dient. Bild: ll
Politik
Freudenberg
06.10.2016
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Die Furt im Fensterbach dient der Erschließung landwirtschaftlicher Grundstücke. Sie besteht aus einem fünf Meter breiten Pflaster, das auf Beton aufsitzt. Der Wasserstand soll hier normalerweise etwa zehn Zentimeter betragen. Die Nettobaukosten liegen bei rund 30 000 Euro - billiger als jede Brücke. Bild: ll

Die zwei Erfolgsgeheimnisse der Initiative "boden:ständig" haben auch in Bühl voll durchgeschlagen: Ihre Maßnahmen sind fast unsichtbar, aber sie wirken. Und man kann sie nur umsetzen, wenn sich alle einig sind. Daran ist es andernorts oft gescheitert.

Bühl. "Boden:ständig" steht für ein Projekt der Verwaltung für Ländliche Entwicklung. Dessen Ziel ist es, die Erosion einzudämmen, was sich auch als Dreiklang ausdrücken lässt: "Boden bewahren - Wasser zurückhalten - Gewässer beleben".

In Bühl (Gemeinde Freudenberg) war der Ausgangspunkt, dass immer wieder bei Starkregen Humus in den Ort gespült wurde. Als bei den Gesprächen zur Dorferneuerung klar wurde, dass die Bühler den Dorfplatz neu gestalten und dafür den Mühlbach wiederbeleben wollen, musste auch in Sachen Oberflächenwasser etwas geschehen. "Denn das würde über den neuen Dorfplatz laufen", erläuterte beim Ortstermin im Feuerwehrhaus Georg Guggenberger, der vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz aus das Projekt betreut.

Der "boden:ständig"-Ansatz sieht vor, dass man Landnutzer, Gemeinden und Ämter bzw. Fachstellen an einen Tisch bringt und sie - gerne auch unkonventionell - zusammenarbeiten. Vor allem die Zustimmung der Landwirte ist wichtig, da die Flächen ihnen gehören. Wird man sich einig, lässt sich alles schnell umsetzen, was für Erosionsschutz (Bremsen des Bodenabtrags), Hochwasserschutz (Wasserrückhaltung in der Landschaft) und Gewässerschutz (Verringern des Nährstoffeintrags) notwendig ist. In Bühl gelang das sehr rasch. Seit einigen Tagen wird hier schon an vier Einzelmaßnahmen gearbeitet, die Diplom-Ingenieur Rainer Rubenbauer erläuterte:

1. Leichte Aufschüttung zur Bildung einer bewirtschaftbaren Geländemulde im Feld neben dem Feuerwehrhaus. Das verzögert den Wasserablauf in den Straßengraben, von dem aus ein Notüberlauf in die nächste Wiese und zum Fischweiher dahinter führt.

2. Der Weg am Fischweiher entlang wird um 40 bis 45 Zentimeter aufgeschüttet. Das schafft ein kleines Stausystem in der Wiese, das die Fließgeschwindigkeit deutlich senkt und die Sedimentbildung dort ermöglicht.

3. Am Fensterbach wird an die Stelle einer alten Brücke eine Furt gebaut, die für moderne landwirtschaftliche Maschinen befahrbar ist.

4. Es entsteht eine Wehranlage, mit der man Wasser aus dem Fensterbach in den Mühlbach leitet. Den dafür notwendigen Grund bekam man über freiwilligen Landtausch.

Was im Bühler Fall besonders günstig ist: Die Dorferneuerung hier beginnt zwar erst im nächsten Jahr, aber die Maßnahmen kann man vorziehen. Heuer stehen dafür 120 000 Euro zur Verfügung (bei einer Zuschusshöhe von rund 68 000 Euro). Die Gesamtkosten dürften bei 378 000 Euro liegen.

Besonderes Miteinander


Dass bei solchen Fragen die Einigkeit in der Bevölkerung schwer herzustellen ist, hat Bürgermeister Alwin Märkl in anderen Ortsteilen schon erlebt. In Bühl lief das ganz anders: "Hier war das Miteinander etwas ganz Besonderes."

boden:ständigIn der Oberpfalz gibt es nur sechs "boden:ständig"-Projekte. Das älteste läuft in Hagenohe (Stadt Auerbach) seit Januar 2014. Neben Bühl (seit März 2015) ist die Nordoberpfalz noch mit Pichlberg (Kreis Neustadt/WN) und Neualbenreuth (Kreis Tirschenreuth) dabei. (ll)


Der Boden soll ständig dort bleiben, wo er dem Landwirt Ertrag und Bürgern und Gewässern keinen Schaden bringt.Erklärung des Amts für Ländliche Entwicklung
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