Auf dem Schleichweg des Kaisers

Geschichte zum Anfassen mitten in der Altstraße. Uli Piehler (oben Mitte) mit der AOVE-Wandergruppe. Bilder: gri (2)
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Freudenberg
15.08.2016
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Ob Kaiser Ludwig der Bayer wirklich hier vorbeigeritten ist? Wer weiß das schon. Jedenfalls gehört die Altstraße, die sich beim Hussengraben zum Johannisberg hinaufzieht, zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Straßentrassen im östlichen Landkreis.

(gri) Uli Piehler, Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins Freudenberg, führte am Samstag rund 30 Interessierte auf den "Schleichweg des Kaisers". Ludwig der Bayer hielt im 14. Jahrhundert des öfteren in Amberg Hof. Er war ein großer Förderer der Stadt. Von Amberg aus ritt er auch nach Nabburg.

Auf der Burg Trausnitz hatte er seinen Widersacher, Friedrich den Schönen, in Ketten legen lassen. Etliche Altstraßen, die von Amberg nach Nabburg führen, ziehen sich über Krumbach nach Lintach und weiter auf den Johannisberg. Die zweistündige Wanderung führte von der Hammermühle Richtung Berghof an die Stelle, wo die Altstraße aus dem Wald tritt. Teilweise gräbt sich der Hohlweg den Hang entlang heute noch bis zu drei Meter tief in den Boden. Auf halber Höhe des Johannisberges sind auch die typischen Wegebündel zu sehen. Mehrere Hohlwege verlaufen dabei parallel. Sie dienten als Ausweichmöglichkeiten oder neue Trassen, wenn die ausgefahrenen Wege zu tief geworden waren. Oben am Berg kamen die Teilnehmer am Keltenringwall vorbei, der aus der Zeit zwischen 1500 und 3000 vor Christus stammt. Sehr schön erhalten sind die Reste des Zangentores auf der Südseite des Walls. "Der Johannisberg birgt eine Menge spannender Geschichten", sagte Piehler. "Seit Jahrtausenden ist dieser Berg Rückzugsort, Heiligtum, Verkehrsdrehscheibe und Wirtschaftsgut." Ein paar hundert Meter weiter entdeckten die Wanderer einige ausgeprägte Kohlenmeilerplatten im Wald.

An diesen Stellen produzierten die Köhler Jahrhunderte lang Holzkohlen, die zur Eisenverhüttung gebraucht wurden. Viele Wälder, auch der Johannisberg, waren im Mittelalter wegen der Köhlerei abgeholzt. Die Kohlen wurden nach Amberg verkauft oder im Freudenberger Eisenhammer, der Hammermühle, verbraucht. Dort unten, am Hammerbach, schmolzen Bergleute einst Erz und gossen daraus Eisenteile. Die Führung war von der AOVE als Teil des Begleitprogramms zur bayerisch-böhmischen Landesausstellung Kaiser Karl IV. organisiert worden.

Der Johannisberg birgt eine Menge spannender Geschichten. Seit Jahrtausenden ist er Rückzugsort, Heiligtum, Verkehrsdrehscheibe und Wirtschaftsgut.Uli Piehler
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