Bewegende Dankesworte einer Asylsuchenden
"Schier unglaubliche Hilfsbereitschaft"

Maia Tabutsadze im Interview mit Andreas Hahn. Die Georgierin ist seit dem Frühjahr mit ihrer Familie in Freudenberg und nutzte den Jahresrückblick, um sich für die herzliche Aufnahme zu bedanken. Bild: gri
Vermischtes
Freudenberg
02.01.2016
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Auch er war beim Jahresrückblick dabei: Richard Lengfelder aus Raigering hielt den Freudenberger und Wutschdorfern einen humoristischen Spiegel vor. Bild: gri

Menschen, Bilder, Emotionen - unter diesem Motto stand wieder der Jahresrückblick in Freudenberg. Bei einer unterhaltsamen Show im Pfarrheim blickte das Dorf auf ein bewegtes Jahr 2015 zurück. Einige der Gäste hatten dabei Tränen in den Augen.

Der Jahresrückblick berührte das Publikum, weil er nichts aussparte. Der Heimat- und Kulturverein hatte sich die Rückblicke im Fernsehen zum Vorbild genommen, zeigte nicht nur Bilder und Videosequenzen aus dem gesellschaftlichen Leben des Dorfes, sondern bat auch Gäste auf die Bühne, die 2015 für Schlagzeilen gesorgt oder etwas besonderes erlebt haben. Andreas Hahn moderierte.

Und so sorgte die Asylbewerberin Maia Tabutsadze für Gänsehaut beim Publikum, als sie über ihre Flucht sprach und sich in bewegenden Worten für die herzliche Aufnahme in Freudenberg-Wutschdorf bedankte. Emotionen weckte auch Andreas Bodensteiner, der die etwas andere Geschichte vom Transport des Oberpfälzer Weihnachtsbaumes nach Rom erzählte. Bodensteiner saß im Lastwagen, der die Fichte mitten in der Nacht auf den Petersplatz brachte und er war dabei, als der Kran streikte, der sie frühmorgens aufstellen sollte.

Auch heiße Eisen


Nach einem Jahr im Amt hatte der Kulturverein Bürgermeister Alwin Märkl eingeladen, um eine erste Bilanz zu ziehen. Er habe seine Entscheidung nicht bereut, sagte der Rathauschef, auch wenn es manchmal schwierig sei, bei den täglich anstehenden Entscheidungen Kompromisse zu finden. Moderator Hahn sprach auch ein paar heiße Eisen an, wie etwa die Sparkassen-Schließung im Ort oder die Suche nach einer neuen Trinkwasser-Quelle. Dabei erfuhren die Zuhörer, dass die Versuchsbohrung in den Sandhölzern zwar nicht ganz optimal, aber dennoch erfolgreich verlaufen sei.

Zu einer echten Show gehören natürlich auch Musik und Unterhaltung. Das Quartett Saxomania von Stefanie Rumpler bot erstklassigen Saxofon-Jazz und für etliche Brüller sorgte später der Raigeringer Humorist Richard Lengfelder. Er berichtete vom Leben am Büchsenham, der ja täglich von all denen heimgesucht wird, die auf der Staatsstraße von Freudenberg nach Amberg fahren. Weil die Freudenberger trotz Geschwindigkeitsbegrenzung so rasen, habe er am Straßenrad direkt vor seinem Haus ein Loch ausheben lassen. Die Dauerbaustelle der Telekom ist tatsächlich bereits seit Monaten verwaist und führt mitunter zu hektischen Bremsmanövern.

Freud und Leid geteilt


Für Aufsehen sorgte 2015 auch das Projekt Junge Bühne Freudenberg. Deswegen war Initiator Michael Vogt beim Rückblick zu Gast. Er berichtete über die Vorhaben der jungen Theaterspieler und zeigte einen Sketch. Natürlich standen auch die Bilder des Jahres im Mittelpunkt. Der Kulturverein rief die freudigen Momente der vergangenen zwölf Monate genauso in Erinnerung, wie die tragischen Ereignisse. "Freud und Leid liegt halt eng beieinander", sagte Andreas Hahn. "Genau das spiegelt unser Jahresrückblick wieder." "Wenn man sich Monat für Monat noch einmal ansieht, dann merkt man erst, wie vielfältig und reich unser gesellschaftliches Leben ist." Andächtige Stille herrschte im Saal, als auf der riesigen Leinwand die Bilder all derer Dorfbewohner eingeblendet wurden, die 2015 gestorben sind.

Aus den rund 250 Fotos stellt der Verein wieder ein Heimatjahrbuch zusammen. Es steht ab dem Frühjahr - wie alle Bände aus den Vorjahren - kostenlos zur Ausleihe in der Pfarrbücherei zur Verfügung. Die Frauen-Union überreichte eine Spende in Höhe von 200 Euro für die Finanzierung der Jahrbücher. Am Ende sangen Publikum und Mitwirkende zusammen das Lied "Von guten Mächten wunderbar geborgen", bevor Pfarrer Norbert Götz des Segen für ein glückliches neues Jahr erteilte.

Bewegende Dankesworte einer AsylsuchendenMaia Tabutsadze ist mit ihrem Mann und den drei Kindern seit einem Jahr in Deutschland, seit dem Frühjahr in Freudenberg. Die Familie stammt aus Tiflis, der Hauptstadt Georgiens. Dort konnte sie nicht mehr bleiben, nachdem sowohl Eltern, als auch Kinder immer schlimmeren Anfeindungen von politischen Gegnern ausgesetzt waren. Als die Lage zu eskalieren drohte, entschieden sich die Tabutsadzes zur Flucht.

Mit zitternder Stimme sagte Maia Tabutsadze auf der Bühne, sie habe all ihren Mut zusammengenommen, um sich bei den Freudenbergern und Wutschdorfern für die herzliche Aufnahme zu danken. "Ich habe gehofft und gewusst, dass Deutschland ein Land ist, in dem Recht und Ordnung gilt", erklärte sie. "Aber ich wusste nicht, dass es in diesem Land so viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft gibt." Wie die Dorfbevölkerung seit ihrer Ankunft im Frühjahr mit ihr und der Familie umgegangen sei, sei für sie schier unglaublich.

Erst an Weihnachten hätten die Schulfreunde der Tochter extra eine Weihnachtsfeier und Geschenke organisiert. "Ich hoffe, ich kann eines Tages nach Georgien zurückkehren und all das wieder zurückgeben, was ich hier erfahren habe." (gri)
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