First Responder Freudenberg
Helfen bis der Arzt kommt

Kommandant Armin Daubenmerkl (rechts) freut sich über das Engagement seines First-Responder-Teams mit (von links) Benjamin Weiß (Lintach), Alexandra Baumgärtner (Pursruck), Maximilian Knab (Lintach), Johannes Winkler (Lintach), Roland Wiesnet (Wutschdorf), Tobias Hirn (Wutschdorf), Stefan Brunner (Freudenberg), Alexander Zeitler (Ellersdorf) und Teamleiter Andreas Erras (Freudenberg). Nicht auf dem Bild die beiden weiteren Mitglieder der Gruppe, Peter Meßmann (Freudenberg) und Jürgen Batek (Lintach). Bild:
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Freudenberg
04.03.2016
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Die Zeit ist bei vielen Notfällen der entscheidende Faktor. Ob ein Mensch überlebt, hängt nicht selten von Minuten ab. Zum Beispiel beim Herzstillstand. Gerade im ländlichen Bereich sind deshalb professionelle Ersthelfer von großer Bedeutung. Sie helfen, noch bevor Rettungsdienst und Notarzt eintreffen.

Am 1. März 2006 waren sie offiziell gestartet, erst als Helfer vor Ort, jetzt sind sie First Responder. Ihre Aufgaben sind die gleichen geblieben: Sie eilen zu Notfällen in ihrer Gemeinde und überbrücken das therapiefreie Intervall. Will heißen: Sie sind professionelle Ersthelfer, deren Vorteil die Zeit ist. Denn sie sind schon da, bevor der Rettungswagen und der Notarzt eintreffen. Wie sehr die Bürger dies schätzen, wissen die Mitglieder des Freudenberger Teams nur zu gut. Die Leute seien vor allem dankbar. Das ist auch Bürgermeister Alwin Märkl, der sich über das Engagement der zwölfköpfigen Gruppe in seiner Kommune sehr freut.

Mit der Ausbildung hatten die damals angehenden Helfer vor Ort (HvO) im Oktober 2005 begonnen. Für den Dienst war es erforderlich, einen Sanitätskurs (damals 48 Stunden) zu absolvieren. Doch viele sattelten noch einiges an Ausbildung drauf, so dass im Team jetzt vom Rettungsassistenten bis zum Sanitätshelfer alles vertreten ist.

Armin Daubenmerkl erinnert sich noch gut an seinen allerersten Einsatz. Der führte ihn gleich zu einem Feuerwehr-Kollegen, der einen Schlaganfall hatte. Dies sei schon heftig gewesen, erklärt er. "Es gibt immer Einsätze, die man nicht vergisst", sagt Andreas Erras, Teamleiter der Freudenberger First Responder. Sein Stellvertreter Tobias Hirn pflichtet ihm bei. Im vergangenen Jahr gab es einen Wechsel in der Trägerschaft, vom Bayerischen Roten Kreuz (Helfer vor Ort) zur Feuerwehr Freudenberg-Wutschdorf (First Responder).

Hoffen auf Nachwuchs


Da alle aus der Gruppe gleichzeitig bei der Feuerwehr seien, mache es durchaus Sinn, dieser Hilfsorganisation angegliedert zu sein, erläuterte Daubenmerkl, der auch die Hoffnung hat, dadurch aus den eigenen Reihen weitere Mitstreiter für die Gruppe gewinnen zu können. "Das wäre toll, wenn wir aus der Jugend ein paar dazu animieren könnten."

Unisono betonen die Männer aber, dass die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst super sei. Eines stellt Andreas Erras klar: "Wir ersetzen nie den Rettungsdienst." Das Angebot der professionellen Ersthelfer sei vielmehr als Ergänzung und Unterstützung zu sehen. Wann immer die Integrierte Leitstelle (ILS) in Amberg, bei der die Notrufe auflaufen, Helfer vor Ort oder First Responder alarmiere, werde zugleich ein Rettungswagen - und falls erforderlich, auch ein Notarzt - losgeschickt. "Nur uns, das gibt es nicht", macht Daubenmerkl deutlich.

Schon über 600 Einsätze


Nicht selten werden die First Responder, wenn sie als erste zum Patienten kommen, verwechselt. Ein "Grüß Gott Herr Doktor" hat wohl jeder von ihnen schon gehört. Daubenmerkl, Erras und Hirn erzählen, dass manche Leute auch befürchten, ein Rettungswagen würde eben nicht mehr kommen. Doch auch diesbezüglich können sie Betroffene und deren Angehörige beruhigen. "Die Leute sind froh, dass es uns gibt", weiß Erras aus Erfahrung.

Rund 5500 Bereitschaftsstunden leistet das Team pro Jahr, Dienst haben die Freudenberger First Responder wochentags (von Montag bis Donnerstag) von 19 bis 6 Uhr, an den Wochenenden sind sie in einer 24-Stunden-Bereitschaft. "Das ist eine rein freiwillige Tätigkeit", betont Daubenmerkl. Denn zu einer Pflichtaufgabe zählt dieser Dienst nicht. In den vergangenen zehn Jahren leistete das Team über 600 Einsätze, allein in den vergangenen Jahren 114 beziehungsweise 103. Auch heuer waren die Freiwilligen bereits vielfach gefordert. "Im Januar und Februar hatten wir schon 20 Einsätze", erklärt Erras. Bürgermeister Alwin Märkl nickt anerkennend. "Sie sind wirklich ganz schön unterwegs", sagt er und erklärt, dass die First Responder am Jahresanfang innerhalb von sechs Tagen neun Mal ausgerückt waren.

Notfälle bei Kindern oder Reanimationen: Gerade solche Einsätze sind extrem belastend für die Freiwilligen, sagen die drei Männer. Doch eines wissen sie nur zu gut: Nichts zu machen, das ist das Schlimmste. Und manchmal hilft es den Betroffenen auch schon, wenn die First Responder da sind, einfach nur da sind in einer belastenden und mit Angst behafteten Situation.

Bei jedem siebten Bürger


Über 600 Einsätze waren es im vergangenen Jahrzehnt, rein statistisch waren die professionellen Ersthelfer somit schon bei jedem siebten Bürger in der Gemeinde Freudenberg, deren Gebiet immerhin rund 79 Quadratkilometer groß ist.

First Responder: Arbeit und AufgabenAufgabe der professionellen Ersthelfer (First Responder oder Helfer vor Ort) ist es, die Zeit nach einem Notfall bis zur medizinischen Versorgung zu verkürzen. Diese Spanne wird als therapiefreies Intervall bezeichnet. Gerade im ländlichen Raum kann es oftmals dauern, bis ein Rettungswagen oder ein Notarzt eintrifft.

Um nach Freudenberg zu fahren, braucht der Sanka aus Amberg nach Angaben der First Responder durchaus zwischen 12 und 15 Minuten. Doch je schneller qualifizierte Maßnahmen eingeleitet werden, desto günstiger ist dies für den Betroffenen - möglicherweise rettet ihm genau dies das Leben, wenn er beispielsweise einen Herzstillstand erlitten hat. "Dass wir als First Responder kommen, entbindet aber niemanden von der Ersten Hilfe", erklärt Armin Daubenmerkl, Kommandant der Feuerwehr Freudenberg-Wutschdorf. "Dazu ist jeder verpflichtet."

Die First Responder leisten laut Armin Daubenmerkl erweiterte Erste Hilfe, erkunden die Lage, fordern gegebenenfalls Spezialkräfte (zum Beispiel Bergwacht oder Feuerwehr) nach, weisen Rettungswagen ein und unterstützen den Rettungsdienst. Landet ein Hubschrauber, ist dies nicht immer am Einsatzort möglich. Dann holen die First Responder den Helikopter-Notarzt schon mal vom Landeplatz ab und fahren ihn zum Patienten, ergänzt stellvertretender Teamleiter Tobias Hirn. (san)


Unterstützer gesuchtDie First Responder, die bisher mit ihren Privatwagen ausrücken, wollen sich ein Auto anschaffen, um zu den Einsätzen zu fahren. "Das müssen wir natürlich selbst finanzieren", sagt Feuerwehr-Kommandant Armin Daubenmerkl und fügt hinzu, dass ein Fahrzeug mit Allrad-Antrieb optimal wäre. Um diesen Wunsch realisieren zu können, sei man auf Spenden und Sponsoren angewiesen, wirbt er um Unterstützung für die First Responder. Auch für Ausrüstung, Material oder Teilnahme an Schulungen werde immer Geld benötigt. (san)
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