Patrozinium der Aschacher Kirche St. Ägidius
313 erstmals erwähnt

Erhaben auf einer Anhöhe und umgeben von einem Friedhof steht seit über 260 Jahren die Kirche St. Ägidius in Aschach. Bild: sche
Vermischtes
Freudenberg
30.08.2016
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Aschach. Nachdem die Aschacher am vergangenen Wochenende bei ihrer weltlichen Kirwa auch die Weihe ihres Gotteshauses, also den Geburtstag ihrer ehemaligen Pfarrkirche feierten, begehen sie am Donnerstag, 1. September, deren Namenstag, das Patrozinium. Um 18 Uhr wird das Allerheiligste ausgesetzt und beginnt eine einstündige stille Anbetung, bevor um 19 Uhr zu Ehren des heiligen Ägidius, des Patrons der Kirche, Pfarrer Eduard Kroher den Festgottesdienst eröffnet.

Bekanntlich war St. Ägidius bereits Patron der erstmals 1313 urkundlich erwähnten baufälligen Vorgängerkirche, die 1749 abgerissen und durch einen Neubau in den Jahren 1749 bis 1755 ersetzt wurde. Das Altarbild zeigt Ägidius mit einer Hirschkuh, wie ihn der Maler Sebastian Holzner aus Amberg 1884 darstellt. Es fügt sich in die Hochaltar-Mensa mit ihrem in Stuckmarmor geschaffenen Tabernakelaufbau ein.

Ägidius wurde vermutlich um 640 als Sohn einer noblen Athener Familie geboren. Er verließ seine griechische Heimat und lebte jahrelang in der Diözese von Nimes als Einsiedler in einer Höhle an der Mündung der Rhone in das Mittelmeer. Der Legende nach nährte ihn durch Gottes Fügung eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Während einer Jagd des Westgottenkönigs Wamba flüchtete diese Hirschkuh zu Ägidius, der sich schützend vor das Tier stellte und so versehentlich von einem Pfeil getroffen wurde. Zur Vergebung seiner Schuld ließ der König Ägidius ein Kloster errichten. So gründete Ägidius 680 die Benediktiner-Abtei von Saint-Gilles, der er bis zu seinem Tode als Abt vorstand. Ägidius ist der einzige der 14 Nothelfer, der nicht das Martyrium erlitt, und war im Mittelalter einer der populärsten Heiligen. Er ist unter anderem Schutzpatron der stillenden Mütter und der Hirten.

Seit 1971 das neu gebaute Gotteshaus St. Josef Kirche in Raigering zur Pfarrkirche der Pfarrei Aschach-Raigering erhoben wurde, ist St. Ägidius in Aschach eine Nebenkirche. Gottesdienste finden wöchentlich an zwei Werktagen und an den Sonn- und Feiertagen statt.

Ägidius-ReliquienEinen wahren altertümlichen Schatz beherbergt die ehemalige Pfarrkirche St. Ägidius in Aschach in ihren Mauern: eine Monstranz aus dem 16. Jahrhundert, die vermutlich Reliquien des heiligen Ägidius enthält. Trotz des häufigen Religionswechsel in der Reformationszeit - auch in Aschach musste innerhalb von 80 Jahren nach dem Grundsatz "Wessen das Land, dessen die Religion" mehrmals getauscht werden - wurde dieses Kleinod in die heutige Zeit herüber gerettet. Noch im Sommer 1558 waren nach Anordnung von Kurfürst Ottheinrich die vorhandenen Kirchengüter einzuziehen. Sämtliche Kirchenkleinodien und Ornate mussten genauestens inventarisiert werden.

Die 47 Zentimeter hohe Reliquienmonstranz ist aus Messing hergestellt und versilbert. Der Sechspaßfuß ist mit Renaissance-Ornamenten versehen. Über dem zylindrischen Gehäuse befindet sich ein sechsseitiger Helm mit Gravierungen, auf den Seitenranken Figürchen von Petrus und Paulus. (sche)
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