Erörterungstermin zu Sandgruben-Erweiterung
Da wackeln die Gläser im Wohnzimmerschrank

Fast jeder, der gestern im Dorf Zeit hatte, war zu dem Erörterungstermin gekommen, erzählten die Freihölser. Insgesamt waren es wohl zwischen 30 und 40 Leute. Bilder: Steinbacher (3)
Wirtschaft
Freudenberg
03.02.2016
465
0
 
Wenn die Anhaltswerte eingehalten werden, gehen wir als Behörde davon aus, dass keine Schäden an Gebäuden auftreten

Freihöls lebt seit Jahrzehnten mit einer Sandgrube westlich des Dorfes, das rund 150 Einwohner hat. Viele nahmen in der Vergangenheit hin, von Sprengungen aufgeschreckt zu werden. Nun befürchten sie, dass alles viel schlimmer wird.

Fensterbach/Paulsdorf. Mehr als das halbe Dorf hat unterschrieben, als Unterschriftenlisten kursierten. Sie richten sich als Sammeleinwendung gegen die Pläne des Sandgruben-Eigentümers, die bisherige Abbaufläche zu verdoppeln (siehe Kasten unten). Am Mittwoch bekamen die Freihölser im Landgasthaus Aschenbrenner im Nachbarort Paulsdorf (Gemeinde Freudenberg) Gelegenheit, ihre Bedenken bis hin zu Ängsten zu artikulieren.

Das bei der Regierung von Oberfranken in Bayreuth angesiedelte Bergamt Nordbayern hat als zuständige Genehmigungsbehörde einen mündlichen Erörterungstermin anberaumt. Vertreten waren neben den an dem Verfahren beteiligten eigenen Mitarbeitern der Antragsteller Heidelberger Sand und Kies samt der von ihm eingebundenen Gutachter, weitere Behörden (etwa die Regierung der Oberpfalz, das Landratsamt Schwandorf), tangierte Verbände (beispielsweise der Landesjagdverband sowie Bauernverband) und Einwohner von Freihöls, die Einwände gegen die beabsichtigte Erweiterung erhoben haben.

Für den Antragsteller versicherten Jürgen Haase und Ulrich Schnarre, dass es sich von selbst verstehe, alle Auflagen der Behörden zu erfüllen und im erklärten Interesse des Unternehmens liege, die mit dem Betrieb des Tagebaus verbundenen Beeinträchtigungen für die Menschen und Natur möglichst gering zu halten, so weit das wirtschaftlich vertretbar sei. Dass Heidelberger Sand und Kies schon aufgrund der Gesetzeslage recht gute Karten auf die Erteilung einer Genehmigung hat, wurde bald deutlich.

Rechtlich privilegiert


Denn hier geht es um einen Rohstoff, und die Rohstoffsicherung genießt eine rechtliche Privilegierung, wie der Verwaltungsrechtsexperte Prof. Dr. Bernd Dammert für den Antragsteller mehrfach darlegte. Leitplanerische Bedenken und Kollisionen (Regionalplan Oberpfalz Nord, Flächennutzungsplan von Fensterbach) waren damit bald ausgeräumt. Nicht aber die Befürchtungen der Freihölser, denen Sorgen auf den Nägeln brennen, weil die Gläser in den Schränken klirren, wenn in der Sandgrube gesprengt wird. Ein Ehepaar beklagte, dass ab und zu ("Ich spreche da von Erdbebensprengungen") Ziegel vom Dach fallen oder der Fliesenbelag im Bad Risse bekommt. Der von Heidelberger Sand und Kies für diese Fragen bestellte Gutachter Dirk Grothe geriet deshalb massiv unter Beschuss.

Er schließt für den Alltagsbetrieb derartige Schäden praktisch aus, doch die Freihölser misstrauen ihm. Sie werfen Grothe bei seinen Messungen (einmal im November 2012, seit zwei Jahren permanent mit zwei Messgeräten) handwerkliche Fehler vor, die Ergebnisse schönen würden.

Im Eigeninteresse


Das ließ die Genehmigungsbehörde nicht auf dem Gutachter sitzen. "Wenn die Anhaltswerte eingehalten werden, gehen wir als Behörde davon aus, dass keine Schäden an Gebäuden auftreten", stellte der Leiter des Bergamts Nordbayern, Christopher Dammer, fest. Ein anderer Gutachter würde methodisch ebenso vorgehen. Und Schnarre ergänzte: "Wir sind als Unternehmen schon aus Eigeninteresse bestrebt, ein Sprengsystem nach dem neuesten Stand der Technik einzusetzen." Deshalb seien in der Summe mehr, in der jeweiligen Heftigkeit aber weniger Sprengungen zu erwarten. (Im Blickpunkt)
Wenn die Anhaltswerte eingehalten werden, gehen wir als Behörde davon aus, dass keine Schäden an Gebäuden auftretenChristopher Dammer, Leiter des Bergamts Nordbayern
Wir sind als Unternehmen schon aus Eigeninteresse bestrebt, ein Sprengsystem nach dem neuesten Stand der Technik einzusetzen.Ulrich Schnarre, Heidelberger Sand und Kies


Das Projekt und seine VorgeschichteDie Heidelberger Sand und Kies GmbH, eine 100-prozentige Tochter der DAX-notierten Heidelberg Cement AG, ist Eigentümerin und Betreiberin der ausgedehnten ehemaligen Sandgrube Flierl im Frei-hölser Forst (Gemeinde Fensterbach, Landkreis Schwandorf). Der Konzern hat die Rohstoff-Lagerstätte im Zuge der Insolvenz des vorherigen Eigners übernommen.

Die Hauptabnehmer des dort gewonnenen Materials sind laut des jetzigen Betreibers in der Region angesiedelt. Es sind das Kalksandstein-Werk im benachbarten Industriegebiet Schafhof (Gemeinde Ebermannsdorf, Landkreis Amberg-Sulzbach), der Kunststein-Produzent Godelmann (Fensterbach) sowie Betonmischanlagen in der näheren Umgebung. "Wir sind kein Freund von Salamitaktiken", begründet Ulrich Schnarre von Heidelberger Sand und Kies die Erweiterungspläne und räumt ein, dass sie mit 25 Hektar "rechnerisch sehr groß" ausfallen. Diese Expansion entspricht einer Verdoppelung der bisherigen Abbaufläche. Jährlich werden in der Tagebau-Grube zwischen 150 000 bis 250 000 Tonnen Sand gewonnen, künftig bis zu 30 Meter tief.

Sollte die Erweiterung genehmigt werden, so geht das Unternehmen von einem weiteren Betrieb für die nächsten 25 Jahre aus. Heidelberger Sand und Kies verhehlt nicht, dass die Zeit drängt. Der derzeitige Genehmigungsumfang sichert die Ausbeute nur noch für wenige Monate. Deshalb wurde vorab dem Unternehmen gestattet, im Zuge eines quasi vorgezogenen Baubeginns auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche der beantragten Erweiterung Sand zu gewinnen. (zm)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.