Fest mit den Maibaum-Dieben

Freizeit
Friedenfels
02.05.2016
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Wenn aus einem anfänglichen Ärgernis Freundschaften entstehen, dürfen sich alle Beteiligten freuen. So geschehen am Wochenende in Frauenreuth. Stichwort: Maibaumklau.

Bis Freitagabend ahnten die Frauenreuther nicht, dass es in diesem Jahr schwierig würde, das Frühlingssymbol auf dem Dorfanger aufzustellen. Erst ein Anruf der Maibaumdiebe ließ die Alarmglocken bei den Frauenreuther Sportschützen läuten. Der Maibaum, so meinten die Frauenreuther, die sich seit 53 Jahren um den beliebten Frühjahrsbrauch am Dorfanger kümmern, liege im sicher geglaubten Versteck. Doch weit gefehlt.

Brauch ist es bei den Sportschützen, den blau-weiß verzierten Baum immer am Vortag des 1. Mai aus dem Versteck zu holen und herzurichten. Ab diesem Zeitpunkt wird er auch bis zum Aufstellen am 1. Mai um 13 Uhr streng bewacht. Was die Schützen diesmal nicht wussten: Bereits in der Nacht auf Mittwoch hatten Burschen und Mädchen vom "Wetzldorfer Haisl" den Maibaum der Frauenreuther Sportschützen um 2 Uhr geklaut.

Fast nicht geschlafen


Der Baum lag zu diesem Zeitpunkt unbewacht und ungesichert, jedoch schwer zugänglich, in einer großen Scheune. Ihre blau-weiße Beute feierten die Jugendlichen nach dem Abtransport ausgelassen. "Die meisten unserer Mitglieder haben in der Nacht so gut wie nicht geschlafen", erzählt der "Chef der Maibaumklauer" vom "Wetzldorfer Haisl", Christoph Schinner. Am Freitagabend nahmen die Maibaumdiebe erstmals Kontakt mit den Frauenreuther Schützen auf. Dem alten Brauch folgend handelten dabei die Wetzldorfer die Auslöse für den Frühlingsboten aus.

Weil die Frauenreuther Sportschützen nicht auf ihren Maibaum verzichten und ihn natürlich wieder am Dorfanger aufstellen wollten, sicherte Vorsitzende Edeltraud Kaßeckert den Mädchen und Burschen aus Wetzldorf sechs Kasten Bier und eine Brotzeit zu. Auch mussten sie beim Aufstellen helfen. Als Rückgabezeitpunkt wurde der 1. Mai ausgehandelt.

Pünktlich um 13 Uhr kamen sie dann auch mit einem herausgeputzten Oldtimer-Traktor, der auf einem langen Transportgespann den 22 Meter langen Maibaum durch ganz Friedenfels zog, am Dorfanger in Frauenreuth an. Auf der blau-weißen Beute sitzend feierten die Burschen und Mädchen vom "Wetzldorfer Haisl" ausgelassen. Durch den fetzigen Sound, den ein altes Feuerwehrauto aus der Stereoanlage lieferte, das den Konvoi mit Warnblinklicht begleitete, wurde das ganze Dorf auf die Aktion aufmerksam. Viele Friedenfelser folgten der nicht alltäglichen Eskorte und verbrachten zusammen mit den Maibaumdieben einen fröhlichen Nachmittag rund um den Dorfanger.

Das Aufstellen des Maibaums mit Schwalben und Stangen kostete zwar Kraft, doch es war auch "eine fetzen Gaudi". Gezeigt haben die Mitglieder des "Wetzldorfer Haisl" auch, dass bei den Aktionen (Baum finden, Diebstahl planen, Helfer und Freunde zusammentrommeln und "Raubzug" durchführen) nichts beschädigt werden muss, sondern eine Tradition weitergeführt wird, an der nicht nur Diebe und Beklaute großen Spaß haben können.

Besuch beim Dorffest


Glücklich zeigten sich die Mitglieder des Schützenvereins Frauenreuth um Vorsitzende Edeltraud Kaßeckert. Bei der Feier bekundeten die Mädchen und Burschen vom "Wetzldorfer Haisl" Interesse am Schießsport. Edeltraud Kaßeckert lud deshalb zu den Schießsportabenden ein. Eine weitere Aufmerksamkeit dürfte den Maibaumdieben gewiss sein: Zum Frauenreuther Dorffest im Juni sicherten sie ihr Kommen zu. Dabei werden sie mit Musik ins Festzelt gespielt und Edeltraud Kaßeckert wird an die Maibaumaktion erinnern.
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Otto Zahn aus Krummennaab | 03.05.2016 | 16:41  
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