Chritina Baumer stellt neues Kabarett-Programm vor
Alles wurs(ch)t oder was?

Nicht nur sprachgewandt, sondern auch schauspielerisch hochtalentiert überzeugt Christina Baumer ihr Premierenpublikum. Bild: ubb
Kultur
Friedenfels
30.05.2016
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Was für eine schräge Welt: Während auf dem Land die Wurst auf bayerischen Tischen gefeiert wird, müssen Großstädter, die was sein wollen, heimlich ihren Gelüsten nachgehen. Vegan ist hipp, oder was?

Wie ein roter Faden zieht sich im Kabarett um die Zwillinge Chris und Tina das leidliche Thema "Essen" durchs Programm. Damit feierte die Schauspielerin Christina Baumer im kultigen Friedenfelser Brauereimuseum vor begeisterten Publikum die Premiere ihres neuen Kabaretts "Is(s)t alles wurscht?"

Nahrungsaufnahme hat längst Kultstatus, trennt ganze Gesellschaftsschichten in "gut oder böse". Was es mit Veganern, Hipster oder Coachsharing auf sich hat, erlebt das Publikum auf ebenfalls neuer Kultbühne: Für das Kabarett hat Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg einmal mehr das hauseigene Museum geöffnet. Zwischen Reinheitsgebot, verrosteter Blechwerbung und antikem Braugerät streiten sich also Chris und Tina, wer das bessere Leben führt.

Als Schauspielerin im teuren München kämpft Chris mit unerfüllbaren und völlig unsinnigen Anforderungen an eine junge Karrierefrau. Sie muss sogar heimlich Shoppen zu Aldi gehen. Auch Discounter sind ein absolutes "No-Go". Chris hat es nicht leicht in ihrem Job. Bei Castings tritt sie gegen Konkurrentinnen mit Traumvorgaben wie 1,80 Meter groß, 50 Kilogramm, superblond und rein Hochdeutsch sprechend an.

Wie soll eine Bayerin mit Oberpfälzer Dialekt und gut gebauter Oberweite das erfüllen? Durchgefallen, sagt die Jury - Frust ist vorprogrammiert. Der Traum von Schickeria zerplatzt täglich aufs Neue. Keine Karriere, kein Geld, kein Luxus: Generation "Sharing" lässt grüßen!

Chris teilt aus Spargründen alles: das Essen, den Kochtopf, die Couch, den Sex. Selbst der Regisseur wird zum "Regie-shär", einen ganzen kann sie sich nicht leisten. Christina Baumer spielt ihre Doppelrolle lebensnah, nimmt ihr Publikum mit. Unter viel Gelächter gibt es immer wieder Zwischenapplaus, jede neue Szene wird gefeiert.

Nicht ganz alleine ihr Verdienst: Mit dem Münchener Stefan Hornung hat Baumer einen großartigen Regisseur, der sie mit Sachverstand und Können in ihre Kabarettkarriere begleitet. Hornung hat am Stück ebenso intensiv wie ideenreich gefeilt. Mit "Chris & Tina" gelingen ihm zwei charakterstarke Frauenbilder, die großes Potenzial zum erfolgreichen Einstieg in die bayerische Kabarettszene haben. Monika Gruber, Lizzy Aumeier und Luise Kinseher dürfen sich also freuen: Mit Christina Baumer bekommt die eher schwach besetzte weibliche Komödiantinnen-Bühne ein vielversprechendes neues Talent.

Aber zurück zur Bühne: Tina auf dem Land hat wenig Verständnis für das verzweifelte Bemühen ihrer Zwillingsschwester, großstädtisch daherzukommen. Die bodenständige Oberpfälzerin schert sich nichts um Vegan, Karriere oder hippes Leben. Mit derbem Selbstbewusstsein und urbayerischem Menschenverstand kontert Tina den ihrer Meinung nach viel zu anstrengenden deutschen Perfektionismus. Geschwisterstreit wird zum Garant für Lachattacken.

Aber auch Seehofer, Söder oder die Pegida bekommen ihr Fett weg. Dabei halten Chris und Tina dem Publikum ungeniert den täglichen Wahnsinn des politischen Spiegels vor: Tinas arabischer Freund Achmed will einfach nicht "grapschen", dabei wartet sie nur darauf. Eine bestens gelungene Parodie auf die traurige Wirklichkeit. Nicht zu kurz kommt der Sex, die Zwillinge sind nicht zimperlich. Ist der Schockmoment erst überwunden, darf herzhaft gelacht werden.

Am Ende gibt es viel Applaus. Ab Herbst geht die Schauspielerin mit ihrem Programm "Is(s)t alles wurscht?" in München und danach in ganz Bayern auf Tournee.
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