Lausbub, Puck und Mausefalle

Moderator Hans Günther Lauth (sitzend) stellte die neuen Autoren vor: (von links) Cordula Winzer-Camrad, Dieter Schraml, Walter Pilsak und Sabine Seur. Bild: roh
Kultur
Friedenfels
03.11.2016
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Mal laut und mal leise, mal zart und mal eher derb - die "Grenzlandschreiber" haben alle Tonarten drauf. Kostproben gab es bei einer Autorenlesung mit Musik.

Nach der Premiere im Oktober 2015 folgte im April Nachschub. Auch die dritte Lesung im traditionsreichen Gasthof "Grüner Kranz" hatte hohen Unterhaltungswert. Das Publikum berief nach hochwertigen Vorträgen weitere vier Poeten und Lyriker, die sich fortan "Genzlandschreiber" nennen dürfen.

Neue Grenzlandschreiber


Durchwegs fesselnde Texte zeichneten die Veranstaltung aus. Die historische Gaststube war proppenvoll, worüber sich der Initiator Hans Günther Lauth besonders freute. Am großen Tisch versammelten sich bisher Christa Vogl, Irmtraud Schicker, Hans Hertel und Florian Mattes, Johann Spörrer, Anna Elisabeth Gleißner, Dieter Wiese und Marianne Stangl.

Nun kamen Cordula Winzer-Camrad, Dieter Schraml, Walter Pilsak und Sabine H. Seur dazu. Besonderer Dank galt der musikalischen Begleitung, dem "Neualbenreuther Zwio" Monika Kunz und Franz Danhauser. Mit Volksmusik-Couplets und rotzfrechen Eigenkompositionen bereicherten sie den Abend, begannen mit "Wenns letzte Bladl falld".

Gedichte und Couplets


Die aus Hohenberg angereiste Pastorin Cordula Winzer-Camrad erweiterte den Kreis. Routiniert, mit gepflegter Sprache und Betonung war sie für den besinnlichen Teil zuständig. Zwei Gedichte "Farbe orange" und "Auf tierische Weise" folgten. Die eindringliche Erzählung "Mattes und die Glocken" beschrieb die besondere Beziehung eines Jungen zu den Glocken der heimischen Kirche. In einer Kurzgeschichte begründete die Autorin überzeugend, unter welchen Voraussetzungen "Weihnachten Anfang Oktober" sein kann.

Aus ihrem Buch "Auf den nächsten Tag süchtig" legte sie die Gedichte "Schlaf" und die schwierigen Gefühle beim "Abschied" nach. Das "Zwio" leitete mit "Vier Stoinla, die woarn mei Spülzeich" zum nächsten Autor über. Der Moderator kündigte einen langjährigen Freund an, Walter Pilsak. Der erzählte erinnernde Bilder in "Mal a Lausbub sa". "'s Wetter" nötigte ihm die Schlussfolgerung ab, dass man es keinem recht machen kann.

Frauen und Handtaschen


Die "Fundgrube hinter der Taschenschnalle" war eine Thema für sich: Frauen und der Inhalt ihrer Handtasche. Geheimnisse, die Männer nie ergründen werden: Er suchte Geld und tappte in ihrer Handtasche in eine Mausefalle. Die skurrile Geschichte endete mit der Frage: "Eine Maus macht doch in deiner Handtasche nicht Selbstmord?" Schließlich rettete Pilsak den Führerschein der Mutter mit Eierlikör, den der kleine Sohn heimlich trinkt: Der hohe Wert des Kleinen verleitete die Polizei zu der Annahme, der Alkomat sei defekt.

Spirituell weit gereist


Sabine Seur las aus ihrem Buch "Wir sind eins". Man spürte die sprachliche Begabung der Autorin, die mit ihrem Mann Robin spirituell weit gereist ist. Aus ihrem Buch mit Bildern des bekannten Kunstmalers Robin Seur spielte sie unter Beteiligung der Anwesenden die "Odyssee" durch. In einer Mitmach-Geschichte gab sie den Text vor, das gedrittelte Publikum ergänzte freudig auf echt schwäbisch.

An die Klage der Erde, was die Menschen aus ihr gemacht haben, erinnerte Sabine Seur im eindringlichen Kapitel "Wut" aus ihrem intensiven Leben. In ihrem Resümee vergaß die Autorin nicht, mit lyrischer Umschreibung einen schönes Bild von der Oberpfalz nach der Landung in Friedenfels zu malen, in der sie - schon - nach fünf Jahren toleriert wurde.

Nach dem Wunsch der beiden Sänger "Wir wolln a Herz ham mit Kartoffel" kündigte der Moderator als "Tiefstapler des Jahres" Dieter Schraml an, denn der sei anfangs nicht für einen Vortrag zu gewinnen gewesen. Seine unterhaltsamen, kraftvollen Geschichten trugen sich vor 50 Jahren im Steinwald zu. Ohne Google und Handy, kaum zu glauben, welch bewegte Jugendzeit er erleben durfte. Vom "Austragsheisl" und den ersten Partys über das leichte Lebensgefühl am Badeweiher, vom Skispringen bis zum "Eisstadion" am inzwischen zugeschütteten Hammerweiher mit Strafbank spannte der Autor den Bogen. Zwiebelsäcke waren damals unersetzlich, sowohl als Tornetze und drübergezogen mit Ahornblatt als Dress.

Hochmut gegen Aberwitz


Die heißen Eishockey-Kämpfe gegen die damalige Großgemeinde Voitenthan unter dem Motto "Hochmut gegen Aberwitz" waren Schraml eine längere Erzählung wert: "Was haben wir den hohen Schnee verteufelt, der Puck blieb immer wieder stecken. Aber die Revanche auf glattem Eis gewannen wir." Viel Beifall war der Lohn für die Schilderungen.

Monika Kunz und Franz Danhauser gaben nicht nur am Ende Kostproben ihrer einfallsreichen Couplets, etwa mit "Großmutter und Bou am Schalter", die ihre Billetts nach Hosenlänge kauften: kurze, lange oder gar keine. Das Publikum dankte allen Mitwirkenden mit viel Beifall für das Jonglieren mit der deutschen Sprache. Organisator Lauth freute sich schon darauf, bei der vierten Lesung im Frühjahr weitere einfallsreiche "Grenzlandschreiber" zu begrüßen.
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