Barrieren in Köpfen einreißen

Lokales
Friedenfels
13.10.2015
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Inklusion, was ist das eigentlich? "Das Glück, dazuzugehören", lautete die ebenso schlichte wie überzeugende Erklärung von Karl Haberkorn.

Der Vorsitzende der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Tirschenreuth hatte die passende Antwort zur Eröffnung der Auftaktveranstaltung "Netzwerk Inklusion Landkreis Tirschenreuth" in der Friedenfelser Steinwaldhalle (wir berichteten). Inklusion schafft Lebensqualität, gute Lebensbedingungen und Zufriedenheit, darüber waren sich die rund 150 Zuhörer einig.

"Netzwerk"-Projektleiterin Christina Ponader und ihr Team von der "Offenen Behindertenarbeit/Familienentlastender Dienst" bekamen zum offiziellen Start viel Zuspruch. Für die Schirmherrin, Sozialministerin Emilia Müller, war Ministerialdirektor Michael Höhenberger angereist. Man spüre im Umfeld bereits, dass dieses Projekt lebe, sagte der Gast aus München. "Die menschliche Qualität einer Gesellschaft zeigt sich vor allem im Umgang mit den Schwachen", nannte er die Solidarität als einen der größten Werte, die gefördert werden müssen.

Einen großen Beitrag dazu leiste auch die Staatsregierung mit dem Ziel "Bayern barrierefrei". Der Freistaat investiere kräftig in die Barrierefreiheit im öffentlichen Leben. Es sei ungemein wichtig, dass sich auch etwas in den Köpfen der Menschen ändere: "Überall, wo geplant und gebaut wird, die Barrierefreiheit muss von Anfang an bedacht werden." Dem landkreisweiten Projekt wünschte Höhbauer viel Erfolg.

Auf eine fruchtbare Zusammenarbeit in den nächsten drei Jahren freute sich Professor Dr. Reinhard Markowetz als wissenschaftlicher Berater. Der Vertreter der Ludwigs-Maximilians-Universität München informierte über die Ziele und stellte klar: "Inklusion ist ein Ansatz, der auf der Basis von Bürgerrechten argumentiert, sich gegen jede gesellschaftliche Marginalisierung wendet." Alle Menschen hätten das gleiche Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe, ungeachtet ihrer persönlichen Unterstützungsbedürfnisse. Der Professor verwies auf die Konvention der Vereinten Nationen. Diese fordern Veränderungen ein, die eine unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft ermöglichen. Dazu gehörten persönliche Mobilität, Achtung der Privatsphäre, Teilhabe am politischen, öffentlichen und kulturellen Leben mit Erholung, Freizeit und Sport. Dr. Reinhard Markowetz forderte den Abbau technischer, architektonischer und vorurteilsbedingter Barrieren. Die Öffnung aller Freizeiteinrichtungen für Menschen mit Behinderungen sei ein weiterer Meilenstein. Dazu gehörten eine solide Öffentlichkeitsarbeit, ansprechendes Marketing durch die Freizeitanbieter sowie ein besserer Service bis hin zur Vermittlung von Freizeitbegleitern.
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