Die Kugel rollt nur noch freitags

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschloss die Schützengesellschaft "Weißenstein" Friedenfels den Verkauf des Schützenheims. Neben einer Gaststätte sind im Vereinsheim ein Schützenstand und eine im Jahr 2000 errichtete Bundeskegelbahn (Anbau rechts) untergebracht. Bild: bsc
Lokales
Friedenfels
11.09.2015
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Hinter den gemütlichen Treffen im Friedenfelser Schützenhaus steht ein Fragezeichen. Denn die "Weißenstein"-Schützen wollen ihr Vereinsheim verkaufen.

In einer außerordentlichen Versammlung ermächtigten die Mitglieder der Schützengesellschaft "Weißenstein" Friedenfels den Vorstand, die nötigen Verhandlungen zum Verkauf des Vereinsheims zu führen. Zum Schützenheim gehört eine Gaststätte mit Schützenstand und angebauter Kegelbahn, die von der Abteilung Kegeln des Vereins betrieben wird.

Die Mitgliederzahl schwindet; die Schützengesellschaft hat kaum Nachwuchs. Kernproblem sei die Leitung der Vereinsgaststätte inklusive Schankdienst, informiert Vorsitzender Meinhard Rückerl im Gespräch mit unserer Zeitung. "Es fehlt das Personal." In den vergangenen 15 Jahren standen er und Ehefrau Karin ehrenamtlich bei allen Veranstaltungen, die im Schützenhaus stattfanden, hinter dem Tresen. Doch nun zapfte Meinhard Rückerl zum letzten Mal Bier, während Ehefrau Karin die Getränke servierte. Das Ehepaar hatte seinen Rückzug schon länger angekündigt. Doch kein Mitglied der "Weißenstein"-Schützen hatte am Schankdienst Interesse.

"Einmal muss Schluss sein", sagt Meinhard Rückerl und betont, dass es seinerseits keine Verlängerung gibt. Den einst rührigen Verein belastet außerdem ein kleines Bankdarlehen, das für den Bau der neuen Kegelbahn im Jahr 2000 aufgenommen wurde. "Bis jetzt haben wir alles geschultert. Aber wir wissen nicht, wie es weitergehen soll", erklären Meinhard Rückerl und Schriftführer Bernhard Dostler.

Auch unter Wert

In der Mitgliederversammlung gab es deshalb eine rege Diskussion. Laut Rückerl sei die Schützengesellschaft bereit, das Vereinsheim auch unter Marktwert zu verkaufen. Der Vorschlag des Verkaufsleiters der Schlossbrauerei Friedenfels, Helmut Radimerski, den Schankdienst unter den Mitgliedern aufzuteilen, stieß anfangs auf wenig Gegenliebe. Letztendlich zeigte die Sparte Kegeln aber Eigeninitiative. Sie übernimmt den Schankdienst künftig an den Wettkampf- und Trainingstagen der Abteilung am Freitag. Da aber weitere Öffnungstage fehlen, bleibt es schwierig, das nötige Geld für die anfallenden Ausgaben zu erwirtschaften. Mitglieder und Vorstand waren sich einig: Es bleibt nur der Verkauf des Vereinsheims.

Ein Blick in die Protokolle erinnert an die Blütezeit der Schützengesellschaft. 2007 feierte der Verein, der zu den ältesten im Erholungsort zählt, sein 110-jähriges Bestehen. Meinhard Rückerl: "Im Jahr 1928 konnte das Fest der Fahnenweihe gefeiert werden. Als Patenverein wurde die SG Steinwaldia Frauenreuth gewonnen." Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg kam das Vereinsleben zum Erliegen, bis am 28. März 1953 im Gasthaus Besold, ehemaliges "Weißes Ross", mit 27 Mitgliedern die Wiederbelebung erfolgte. 1956 Beitritt zum Schützengau Steinwald, 1957 dann 60-Jahr-Feier, 1961 Teilnahme am Bundesschützenfest in München. Ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte folgte am 1. Dezember 1962. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde der Kauf der ehemaligen Konsumhalle diskutiert. Nach dem Erwerb ging es 1963 an den Umbau zum heutigen Schützenhaus. Auch später investierten die Schützen viel Geld in Erhalt und Ausbau des Schützenhauses. Für den ordnungsgemäßen Betrieb der Gaststätte musste 1967 ein Keller mit Kühl- und Lagerraum sowie Kühlanlage gebaut werden. 1973 wurde ein 25 Meter langer Anbau errichtet und eine gebrauchte Kegelbahneinrichtung installiert. Diese Investition brachte im Wirtschaftsbetrieb und somit in der Vereinskasse wichtige Einnahmen. Es konnten Rücklagen für die Zukunft getätigt werden. 1986 wurden fünf neue Schießstände im Saal geschaffen, das Gastzimmer neu gestaltet, eine zentrale Warmwasserheizung mit Gaskessel installiert. In dieser Zeit herrschte reger Betrieb auf den Schießständen und der Kegelbahn.

Aus der Gruppe "Freitagskegler" entstand 1983 die Sparte Kegeln im Schützenverein. Deren Aufschwung begleitete der Verein mit einer neuen modernen Zwei-Bahnen-Anlage, die im Jahr 1999 bis 2000 geschaffen wurde. Die damalige beispiellose Eigenleistung und das Engagement der Mitglieder während der Bauphase ließen die Kegelbahn der SG "Weißenstein" zu einem Schmuckstück und einer der beliebtesten Kegelbahnen in der KVOO werden.
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