"Heimat" und geselliger Treff

Eine spontan gegründete Gesangsgruppe trug viel zum Gelingen der informativen wie unterhaltsamen Feier zum 180-jährigen Bestehen der Gaststätte "Grüner Kranz" bei. Bild: roh
Lokales
Friedenfels
20.03.2015
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In der langen Geschichte sind hier viele ein- und ausgegangen. Welt verändernde Entwicklungen sind beim Bier heiß diskutiert worden. Der "Grüne Kranz" ist Ort der Begegnung - früher noch mehr als heute. Erhalten blieb ein unverfälschter Gastraum aus dem 19. Jahrhundert.

(roh) Mit einer unterhaltsamen und gleichzeitig informativen Veranstaltung gedachten zahlreiche Gäste des seit 180 Jahren bestehenden "Grünen Kranzes". Anlass genug, sich auch mit der Gründungszeit zu befassen, in der sich die Ideen von Freiheit und Demokratie ausbreiteten, meinten die Besitzer Sylvia und Dieter Schraml. Stellvertretender Bürgermeister Oskar Schuster gratulierte mit einem Präsent zum Jubiläum. Da der Grüne Kranz stets als Ort der Begegnung, des Gespräches, der Toleranz gesehen wurde, so Dieter Schraml, der als Moderator wirkte, "leiten wir unsere Feier mit dem Lied ,Im Krug zum Grünen Kranze' ein". Alle waren aufgefordert mitzusingen. Unterstützung bot eine spontan gebildete Gesangs- und Instrumentalgruppe mit Hans Günther Lauth, Hildegard Lauth (Wiesau), Martin Betz, Sylvia Betz (Fuchsmühl) und Sabine Seur (Friedenfels).

Gedanken des Aufbruchs

Das gemeinsame Singen war wichtiger Bestandteil der Feier, wurde doch an mit Melodien versehene Gedanken des Aufbruchs an die Gründerzeit erinnert: "Die Gedanken sind frei", "Bürgerlied", "'s wieder März geworden", "Wenn ich einmal der Herrgott wäre" und "Auf einem Baum ein Kuckuck saß". Hans Günther Lauth ging nach großartiger Vorarbeit auf Spurensuche in der Vorgeschichte, zeigte Entwicklungen auf, den Strukturwandel im 19. Jahrhundert, die Einführung neuer Verkehrsmittel, die Industrialisierung, die damit einhergehende dramatische Verelendung der Arbeiter, die neuen politischen und sozialen Strömungen (Arbeiterbewegungen, Gewerkschaften) im damaligen "Grünen Kranz". Mit seinen detaillierten Ausführungen zur Geburtsstunde der deutschen Demokratie zog er die Aufmerksamkeit aller auf sich.

Kurzweilige und humorvolle Anekdoten - meist aus der Feder von Frieda Schroeter - aus und um den "Grünen Kranz", der aus dem Pappenbergergütl 1833 entstand, erheiterten das Publikum. Bis in die 1950er Jahre, so hatte Dieter Schraml recherchiert, habe sich das Leben im "Kranz", den viele oft ihre "Heimat" nannten, wenig verändert. Es gab den "Blauen Montag": Ab Montagmittag war die Bude voll, der Bierkonsum gigantisch. Der sogenannte "Seiltanz" gehörte zu den beliebten Einlagen. Mit teilweise körperlichem Einsatz wurde gekartet. Nicht verschwiegen werden soll, dass es in Friedenfels eine Mehrklassengesellschaft gab: Gutsherrschaft, Angestellte der Verwaltung und Arbeiter, was immer wieder zu Auseinandersetzungen führte.

Politische Kultur

Landrat Valentin Kuhbandner, Bürgermeister Erich Lindig (Mitterteich) und Gewerkschaftssekretär Hans Wagner als Symbole der politischen Kultur im "Grünen Kranz" seien ihm, so Dieter Schraml, in bleibender Erinnerung. Hans Günther Lauth lobte Sylvia und Dieter Schraml als gute Gastgeber und bedankte sich für die schöne Feier mit einem dem Anlass angemessenen Geschenk, einem grünen "Siegerkranz".
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