Mit den Kindern lachen

Reiner Gärtner (rechts), Vorsitzender der Kolpingsfamilie, und Hans Stelzl (links), geschäftsführender Bildungsreferent der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Tirschenreuth, dankten Referent Bernhard Suttner (Mitte) für seine fundierten Erziehungstipps. Die Zuhörer sparten nicht mit Applaus. Bild: bsc
Lokales
Friedenfels
17.10.2014
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Wie viel Eltern braucht ein Kind? Eine Antwort auf diese Frage erwarteten nicht nur zahlreiche junge Mütter. Auch einige Opas und Omas informierten sich, um bei der Erziehung ihrer Enkel alles richtig zu machen.

Kindererziehung, Freizeit und Berufstätigkeit miteinander zu vereinbaren, ist oft nicht leicht. Der Vortrag "Wie viel Eltern braucht ein Kind?" von Kolpingsfamilie, Mütterverein und Katholischer Erwachsenenbildung im Landkreis Tirschenreuth war daher gut besucht.

Gerne beantwortete Pädagoge und Bildungsreferent Bernhard Suttner nach seinem Vortrag im Gasthof "Goldener Engel" auch Fragen der Zuhörer, die schließlich mit kräftigem Beifall für die Informationen dankten.

Präzise, aber locker schilderte Suttner eigene Erfahrungen und machte gleich zu Beginn eine Aussage, die verblüffte: "Viele Eltern haben eine panische Angst, etwas falsch zu machen. Ich sage Ihnen, Sie werden etwas falsch machen." Das sei aber überhaupt kein Problem. Die Begründung schob der Pädagoge sofort nach: "Wir alle sind Menschen. Sie und ich haben ja auch die Fehler unserer Eltern ausgehalten." Nur zwei große Fehler dürften nie passieren, meinte Suttner und prangerte Verwahrlosung und Gewalt an.

"Erziehung ist Liebe"

Als "kulturellen Fortschritt" wertete der Referent, dass das Schlagen von Kindern mittlerweile verboten ist. "Der Rest an Fehlern schädigt Ihr Kind nicht." Suttner war überzeugt, dass die meisten Eltern einen guten "Job" machen. "Zwei Dinge müssen Sie heute mit heimnehmen", fuhr Suttner fort: "Erziehung ist Liebe und Vorbild." Der Pädagoge appellierte: "Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es gern haben. Und zeigen Sie ihm auch, wie ein erwachsener Mensch sein Leben lebt." Als zweiten Punkt forderte Suttner: "Wer ein Kind erzieht, muss dreimal am Tag mit ihm lachen." Wie viel Eltern braucht nun ein Kind? Bernhard Suttner: "Ein Kind braucht ganz am Anfang vor allem eine verlässliche Vertrauensperson, aber schon bald mehrere Ältere." Eltern sollen sich und das Kind nicht abschotten, aber genau hinschauen, ob die "anderen Erwachsenen" vertrauenswürdig sind. Anhand von zwei weit voneinander aufgestellten Stühlen lieferte Suttner eine viel beachtete zweite Theorie: Eltern müssen sich immer auf einer Linie zwischen "Freiheit" und "liebevoller Nähe" bewegen. Ein krankes oder stark belastetes Kind brauche manchmal 100 Prozent Nähe der Eltern; andernfalls manchmal auch 100 Prozent Freiheit und "Elternferne".

"Kinder haben Angst vor Absturz", wusste Suttner. "Eltern dürfen kein Hallodri-Leben führen." Krisen in der Partnerschaft und Erziehungsprobleme müssten rechtzeitig und aktiv bearbeitet werden, "wenn nötig auch mit professioneller Hilfe". Auch müsse genügend Zeit für die Kommunikation mit dem Kind eingeplant werden. "Gespräche und gemeinsame Unternehmungen mit Spielen und Sport sind wichtig." Das Kind annehmen, so wie es ist, nicht ständig unzufrieden sein, hatte der Bildungsreferent als weiteren Rat parat. Annahme ist etwas anderes als Lob, fuhr Suttner fort. "Eltern sollen den Kindern klar Auskunft geben, was sie für richtig und falsch, gut und böse, wichtig und unwichtig halten."
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