Molche und Erdkröten danken

Wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen, verlassen viele Amphibien ihr Winterquartier rund um den Heinbach, um zur Fortpflanzung den Griesweiher aufzusuchen. An der Staatsstraße zwischen Friedenfels und Poppenreuth leerten Robert Mertl (rechts) und Dr. Siegfried Steinkohl vom Verein Kulturlandschaft Südlicher Steinwald abwechselnd sechs Wochen lang täglich zwei Mal die Fangeimer entlang des Schutzzaunes. Bild: bsc
Lokales
Friedenfels
07.05.2015
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Der Einsatz war gewaltig, aber er hat sich gelohnt. Wochenlang brachten Helfer über 2000 Amphibien sicher über die Straße.

Der Griesweiher an der Staatsstraße von Friedenfels nach Poppenreuth entpuppte sich zum zweiten Mal als ein bedeutsames Laichgebiet für Amphibien. Nachdem schon im vergangenen Jahr ein Schutzzaun errichtet wurde und über 2000 Tiere dadurch gerettet wurden, entschloss sich der Verein Kulturlandschaft Südlicher Steinwald (KuSS) in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Bauamt und der Straßenmeisterei Tirschenreuth zu einer Neuauflage.

Die Helfer errichteten einen 150 Meter langen Amphibienzaun gegenüber dem Griesweiher an der historischen Bergrennstrecke. "Der Erfolg war beeindruckend", zieht Robert Mertl Bilanz. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins hat das Ergebnis genau aufgelistet. Insgesamt 2082 Amphibien landeten in den Eimern, im Einzelnen 1355 Erdkröten, 201 Grasfrösche, 2 Grünfrösche, 242 Bergmolche und 282 Teichmolche. Mertl befreite gemeinsam mit Dr. Siegfried Steinkohl und Josef Schmidt von Mitte März bis Ende April die Tiere aus den in den Erdboden eingelassenen Eimern.

Die Mitglieder brachten die Tiere regelmäßig sicher über die Straße. Der Brunftinstinkt treibt die Amphibien alljährlich auf Wanderschaft Richtung Geburtsstätte. Zweimal am Tag, morgens und abends, waren die engagierten Tierfreunde vor Ort, leerten die Eimer und registrierten beim Aussetzen die einzelnen Tiere. Durch die kühle und teilweise recht trockene Witterung dauerte die Wanderungsphase der Amphibien heuer sehr lang, erklärt Robert Mertl.

Zudem bescherte der Sturm "Niklas" den Tierfreunden eine erhebliche Mehrbelastung. Neben den täglichen Kontrollen waren sie zusätzlich damit beschäftigt, den Zaun instand zu setzen, da er durch Windböen beschädigt und durch herabfallende Äste an einigen Stellen niedergedrückt war.

Angesichts der über 2000 sicher zum Laichplatz gebrachen Tiere waren diese Arbeiten jedoch leicht zu verschmerzen, sagen Robert Mertl und Dr. Siegfried Steinkohl zum Abschluss der Aktion. Besonders freuen sich die beiden Naturschützer, dass sie gegenüber dem Vorjahr das Zehnfache an Grasfröschen und auch die doppelte Menge an Molchen erwischt haben. Den Rückgang bei den Erdkröten führt Robert Mertl auf die ungünstige Witterung zurück.

Während der Aufzeichnungsperiode, wobei auch Wetterdaten und Temperaturen registriert wurden, gab es auch Tage, an denen nur ein Tier in den Eimern hockte. Schwerstarbeit mussten Robert Mertl und Dr. Siegfried Steinkohl jedoch am 12. April leisten: 389 Tiere befanden sich an diesem Sonntag bei den zwei Leerungen in den elf Eimern entlang des Schutzzaunes.

Nach dem Abbau des Schutzzaunes und einer Begehung des Laichgebietes würdigt Mertl die Unterstützung durch das Staatliche Bauamt und die Straßenmeisterei Tirschenreuth. Auch dem Naturpark Steinwald mit den Verantwortlichen Eberhard von Gemmingen-Hornberg und Ernst Tippmann an der Spitze dankt der Kulturlandschaftsverein für die Unterstützung.
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