Moore "killen" Treibhaus-Gase

Ein Mosaik aus offenen Feuchtflächen und lichtem Moor-Fichtenwald entsteht derzeit im Steinwald. Die Renaturierung kommt nicht nur seltenen Tier- und Pflanzenarten zugute, sondern hilft auch dem Klimaschutz. Bild: stg
Lokales
Friedenfels
05.06.2015
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Sie sind kleine Wunderwerke der Natur, die Moore. Sie sorgen für Artenvielfalt und sie fördern den Klimaschutz und den Wasserrückhalt. Der Spitzerberg im Steinwald ist ein Beispiel dafür. Und das lässt sich die Staatsregierung etwas kosten.

Die Renaturierung von Mooren hat sich die Bayerische Staatsregierung auf die Fahne geschrieben. Bis 2020 sollen bayernweit 50 Moore wiedervernässt werden, ein Projekt stellte Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) am Mittwochnachmittag am Spitzerberg zwischen Friedenfels und Waldershof vor.

"Intakte Moore sind riesige Kohlenstoff-Speicher", sagte die Ministerin beim Ortstermin. Projektpartner sind die TU München, der Landesbund für Vogelschutz (LBV) sowie die Auffangstation für Reptilien. Finanziell unterstützt wird das Projekt "Effizienzkontrolle von Moorrenaturierung in Bezug auf den Klimawandel" von Scharfs Ministerium. Einen symbolischen Scheck über 200 000 Euro überreichte die Ministerin Professor Johannes Kollmann, Renaturierungsökologe der TU München/Freising-Weihenstephan.

Freude über das Projekt herrschte auch bei Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, dem Besitzer der etwa drei bis vier Hektar großen Fläche. "Jeder Grundbesitzer hat Flächen, auf denen er nicht wirtschaftlich arbeiten kann", so der Chef der Friedenfelser Güterverwaltung. Früher seien solche Flächen meist still und trocken gelegt worden, umso größer sei jetzt die Freude darüber, diese dem Naturschutz zur Verfügung zu stellen.

Die Ministerin rührte kräftig die Trommel für den bayerischen Weg im Klimaschutz, wofür man 2015 und 2016 insgesamt rund 170 Millionen Euro ausgebe. "Bis 2050 wollen wir den Treibhausgas-Ausstoß pro Kopf und Jahr in Bayern um mehr als 70 Prozent verringern, auf unter zwei Tonnen", sagte Scharf. Die Moorrenaturierung spiele eine wichtige Rolle auf dem Weg zu diesem Ziel. "Weltweit speichern Moore doppelt so viel Kohlenstoff wie Wälder und lagern es dauerhaft ein. So wirken sie dem Treibhaus-Effekt entgegen", erläuterte die Ministerin. Bei entwässerten Mooren dagegen funktioniere der Speicher nicht mehr. Rund fünf Millionen Tonnen Treibhausgase würden dadurch allein in Bayern jedes Jahr freigesetzt. Rund 16 Millionen Euro Landesmittel sind von 2008 bis 2014 bereits in Moorrenaturierung investiert worden, auch 2015 und 2016 würden jeweils drei Millionen Euro bereitstehen.

Neben dem Klimaschutz geht es bei dem Projekt aber auch um die Artenvielfalt, etwa die Kreuzotter sowie moortypische Libellen. "Doch auch seltene Vogelarten wie Auerhuhn, Schwarzstorch und Sperlingskauz werden gefördert, insbesondere durch die Strukturierung und Auflichtung des Waldes", so Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV. Die Renaturierung der Moorflächen sei somit ein wegweisendes Projekt für die Kombination von Klima-, Hochwasser- und Artenschutz.

Professor Johannes Kollmann hob hervor, dass die Renaturierung artenarme Fichtenforste in struktur- und artenreiche Feuchtgebiete umwandle. "Schon nach wenigen Jahren beobachtet man eine Wiederansiedlung von Torfmoosen und die Regeneration von Resten der typischen Moorvegetation", sagte Kollmann. Der Wissenschaftler umriss auch kurz den Projektplan: Zunächst wird der dichte Fichtenwald aufgelichtet, um den Wald optimal zu strukturieren und den Wasserverbrauch zu reduzieren.

Anschließend werden die Entwässerungsgräben geschlossen, um Wasser in der Fläche zurückzuhalten und das Moorwachstum zu initiieren. "Langfristig soll sich ein Mosaik aus offenen Feuchtflächen und aus lichtem Moorfichtenwald entwickeln", beschrieb Kollmann. Die kleinen Gewässer mit bis zu 20 Quadratmetern Größe, die unregelmäßig eingestreut sind, entstehen durch die Materialentnahme zur Grabenverfüllung. In den Jahren 2015 und 2016 werden etwa 30 Studenten und Wissenschaftler mit dem Projekt im Steinwald betraut sein, verschiedene wissenschaftliche Abhandlungen - unter anderem auch eine Doktorarbeit - sollen dabei entstehen.
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