Nackte im Bad des Pfarrers

Ein "hartes Kissen" hat den Erfinder (Martin Bischof) nach einer sehenswerten Kissenschlacht mit seiner lieben Dorothee (Renate Rögner, am Boden), für die er große Sympathien hegt, niedergestreckt. Die Grazien (von rechts Adelheid Horn, Petra Würth und Gabi Lang) eilen zu Hilfe. Bild: roh
Lokales
Friedenfels
27.04.2015
79
0

Immer wieder brandete Applaus auf - sehr zur Freude der Friedenfelser Laienspieler. Sie begeisterten am Samstagabend mit "Tante Tillys Testament".

Es war eine äußerst gelungene Premiere, die 26. seit Bestehen der Laienspielgruppe Friedenfels. "Tante Tillys Testament" sorgte für einen köstlichen Theaterabend in der nahezu ausverkauften Steinwaldhalle. Autor Jupp Holstein gab eine Steilvorlage für eine Parodie auf gierige Erben. Zu erleben ist, was falsche und richtige Erben anrichten können und wie beruhigend Alkohol wirkt - und das alles in Verbindung mit Pfarrhof und Geistlichkeit. Bis sich der richtige Erbe outet, ist es ein beschwerlicher Weg, den die Freundinnen in der Wohngemeinschaft auf der Bühne gehen.

Im Arbeitszimmer des Pfarrers, das liebevoll von den Laienspielern mit passenden Antiquitäten dekoriert ist, spielen sich Diskurs und herrliche Streitereien ab. Die drei Grazien Adelheid Brauer, die Erbin (Adelheid Horn), Freundin Bianca Kiefer (Petra Würth) und Cleopatra Schäfer (Gabi Lang) setzten sich in Szene und erfahren, dass eine lukrative Erbschaft in Aussicht steht. Dass Alkohol in diesem Theater eine Rolle spielen wird, ahnt man mit dem Vorwurf der Köchin (Jutta Schlicht), Cleopatra bevorzuge nicht den Weihrauch- sondern den Schnapsgeruch.

Aufweck-Maschine

In den Disput um die Erbschaft, immerhin zwei Millionen Euro, mischt sich der von sich total überzeugte Erfinder Daniel (Martin Bischof). Er bringt Dorothee zum Anbandeln seine Schlaf-Aufweck-Maschine nahe. Dann bekommt Thomas Schlosser als Otto Mops seinen großen Auftritt: Einen mannsgroßen Plüschbären kuschelnd, stellt er sich dumm. Dümmer geht es eigentlich nicht. Thomas Schlosser überzeugt wie immer in einer tragenden Rolle, setzt als vertrottelter Alter komödiantische Glanzlichter. Er allein ist schon das Eintrittsgeld wert. Als Blödel kann er sich alles erlauben, so seine Überzeugung, sogar den Pfarrer küssen. Ein Aufschrei geht durchs Publikum.

Pikant: Eine Nackerte im Bad des Pfarrers, Petra Würth. Das bringt viel Wirbel ins Pfarrhaus und der Herr Hochwürden, sehr gediegen gespielt von Jürgen Schultes, hat alle Mühe, die Wogen zu glätten, weil die Haushälterin das "Schlimmste" befürchtet. Jutta Schlicht verkörpert sie, wobei sie wunderbar dem Idealbild einer Pfarrköchin widerspricht. Mit Otto packt sie später die letzte Gelegenheit beim Schopf, um geküsst zu werden, "weil der Verkehr seit Jahren an mir vorbeirauscht."

"Schnapssucherin"

Cleopatra (Gabi Lang) lässt dem Publikum die Liebe zum Alkohol als "Schnapssucherin" voll auskosten. Überall sind die Flaschen versteckt, wobei der Pfarrer, der in erster Linie an seine neue Glocke denkt, in Verdacht gerät. Versehentlich hat sie deshalb auch die "Mordwaffe" (Kissen ) präpariert. Was im dritten Akt des an Höhepunkten reichen Lustspiel passiert, wer am Ende der Vererber ist und wer viel Geld bekommt, das ist bei den weiteren Aufführungen zu sehen. Gelegenheit dazu ist am Samstag, 2. Mai, um 14.30 Uhr und 20 Uhr.

Die begeisterten Zuschauer honorierten die schauspielerischen Leistungen bei der Premiere mit langanhaltendem Beifall. Spielleiter Karl Wittmann und Souffleuse Sandra Wittmann gaben nach der Verbeugung vor dem Vorhang die Komplimente zurück: "Wir werden euch als super Premierenpublikum in Erinnerung behalten."
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.