Schussfahrt und Après-Ski ade

Die landwirtschaftliche Nutzung des Skihangs erforderte jedes Jahr die Beseitigung der fahrbaren Skihütte vom Skigelände sowie den Auf- und Abbau des Skilifts. Franz und Andreas Schultes (von links) waren hier ein eingespieltes Team. Bild: bsc
Lokales
Friedenfels
03.09.2015
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Auch wenn sich der Sommer langsam verabschiedet, ans Skifahren denkt derzeit kaum einer. Außer in Friedenfels. Doch hier bestimmt Wehmut die Gedanken. Denn Lift und Skianlage in der "Hosch'n" sind nun Geschichte. Der Rückbau läuft.

Aus und vorbei! Die Sparte Ski im Turn- und Sportverein demontiert derzeit die Anlage. Nach fast vier Jahrzehnten gibt es künftig keinen Liftbetrieb mehr auf dem Friedenfelser Hausberg "Hosch'n". Eine Fortsetzung war nicht möglich. Die nötigen Investitionen wären nicht zu stemmen gewesen.

Die Gründung der Sparte Ski im TSV erfolgte bereits Anfang der 50er Jahre. Schon in den ersten Wintern setzte die Sparte unter Leitung von Karl Mitlmeier markante Schwerpunkte in der Vereinsarbeit. Zahlreiche Meisterschaften und Skijugendtage des Unterbezirks Steinwald/Stiftland fanden damals auf dem Schusterberg statt. Zu diesem Zeitpunkt wagte keiner davon zu träumen, dass die Sparte Ski zur Jahrtausendwende zu den mitgliederstärksten Abteilungen im sieben Sparten umfassenden Hauptverein gehören würde.

Die Erfolge setzten sich in den folgenden Jahren fort. Am Schusterberg wurden neue Abfahrten geschaffen. Zu den legendären Pisten zählten damals die Südabfahrt mit Start an der Kriegergedächtniskapelle, vorbei am Anwesen Fenzl und Henze mit Überquerung der heutigen Steinwaldstraße. Das Ziel lag am Bach bei der Metzgerei Georg Kraus. Auch die Westabfahrt vom Schusterberg quer durch den Wald am Friedenfelser Wasser-Hochbehälter vorbei mit Überquerung der Steinwaldstraße beim Anwesen Etterer und Café "Mühlbachtal" haben noch viele in Erinnerung.

Gefürchtet

Schwere Unfälle und Zusammenstöße mit Bäumen waren keine Seltenheit. Walter Konhäuser erzählt: "Ich bin damals so schwer gestürzt, dass mich meine Freunde nach Hause tragen mussten." Beliebt, aber gefürchtet waren die vom TSV organisierten Abfahrten durch den Steinwald. Von Pfaben nach Napfberg gab es einen Hohlweg, der bei Rennen und Meisterschaften mit Stroh und Heu in den Kurven abgesichert werden musste. Bei einer Unterbezirksmeisterschaft reisten zahlreiche Rennläufer aus Oberfranken nach Besichtigung der Rennstrecke wieder ab und gingen wegen der Gefahr eines schweren Sturzes nicht an den Start.

Enormer Auftrieb

1978 übernahmen Anton Dietrich, Franz Völkl und Bernhard Schultes die Leitung der Sparte. Ein neuer Boom setzte ein, als sie im Winter 1978/79 einen Rucksacklift anschafften. Für die Skibegeisterten waren damit das Skiab- und -anschnallen und das mühsame Hochsteigen der "Hosch'n" vorbei. Der mobile Lift bescherte der Sparte Ski einen enormen Zulauf und dem TSV Friedenfels viele neue Mitglieder, denn den Lift durften nur TSV-Mitglieder benutzen.

In den 80er Jahren registrierte die Sparte Ski über 160 Mitglieder und wurde damit die größte Breitensportabteilung im TSV. Es gab Skiausflüge zum Arber und Busfahrten in benachbarte Skigebiete. Auch baute man wieder eine gute Rennmannschaft auf - mit häufig mehr als 15 TSV-Mitgliedern am Start. Hoch im Kurs, und das nicht nur bei den Skifahrern, standen stets die von der Sparte Ski veranstalteten Après-Ski-Partys im Zielraum. Doch dann kamen die schneearmen Winter 2011/12, 2013/14 und 2014/15. Das Skivergnügen am Schusterberg musste pausieren. Der Weiterbetrieb scheitert jetzt vor allem an den enormen erforderlichen Investitionen. Hinzu kommt der demografische Wandel: immer weniger Kinder. Nach mehreren Besprechungen stand deshalb das Aus fest. Ein Teil des Inventars der Ski-Abteilung ist bereits verkauft. Eine Firma aus Lettland erwarb Pistenraupe und Skilift.

Die fahrbare Skihütte fand ebenfalls einen neuen Besitzer. Die Schutzhütte für Gerätschaften und Skilift wird demnächst durch die Sparte Ski zurückgebaut. Erhalten bleiben soll das "Starthäuschen". Nach Absprache mit der Gemeinde, auf deren Grund es errichtet wurde, wird es in Zukunft an die langjährige Erfolgsgeschichte der Sparte Ski im TSV erinnern.
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