Werte und damit Kosten senken

Da ein Fußgängerüberweg im Bereich Kindergarten/Rathaus (Bild) nicht durchsetzbar ist, schafft die Gemeinde Friedenfels eine mobile Geschwindigkeitsmessanlage an. Sie soll helfen, das Tempo der Autofahrer auf der Staatsstraße 2121 im Ort zu drosseln. Archivbild: bsc
Lokales
Friedenfels
26.03.2015
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Der geplante Bau der neuen Kläranlage sorgte wieder einmal für leidenschaftliche Debatten im Gemeinderat. Streitpunkt sind die sogenannten Einwohnerwerte und die damit verbundene Schmutzfracht.

Oskar Schuster (Freie Wähler) beantragte gleich zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend die Absetzung dreier Tagesordnungspunkte, die mit dem Kläranlagenbau zu tun hatten. Die Mehrheit (8:5 Stimmen) wollte aber über zwei Themen beraten. Vor allem die Festlegung der Einwohnerwerte (EW) für den Neubau der Kläranlage bot reichlich Zünd- und Diskussionsstoff.

Das Ingenieurbüro Zwick hatte für die Gemeinde Friedenfels die Bemessungsgrundlagen für die neue Kläranlage anhand der tatsächlichen Abwassermenge und Prognosewerte ermittelt. Die empfohlene Ausbaugröße: Die angeschlossenen Einwohner sind mit 1231 EW kalkuliert, die Schmutzfrachten des Freibades mit 35 EW, die Brauerei mit 1475 EW zuzüglich Reserven für Produktionssteigerungen (204 EW). Vor allem der prognostizierte Einwohnerzuwachs anhand der Bauflächen mit 496 EW erhitzte die Gemüter. Im Gemeinderat herrschte Einigkeit, dass diese Werte zu hoch angesetzt seien. "Ganz streichen kann man sie jedoch auch nicht, da man für die Zukunft nicht zu pessimistisch sein sollte und sonst die Entwicklung von Friedenfels zu stark beschnitten wird", meinten Lisa Rauh und Karl Zeh (Bündnis 90/Grüne).

Weniger als die Hälfte

Der Position von Oskar Schuster, alle Prognosen zur künftigen Einwohnerentwicklung von Friedenfels zeigten nach unten, hielt Bürgermeister Gottfried Härtl entgegen, dass die Zahl der Erstwohnsitze seit langem stagniere. Zu bedenken gab das Gemeindeoberhaupt außerdem, dass die derzeitige Kläranlage 7000 EW habe und "wir mit den berechneten 3441 EW bereits unter der Hälfte liegen". Oskar Schuster und den Mitgliedern der FW-Fraktion war der Wert dennoch zu hoch. Schuster hinterfragte die Entwicklung der Brauerei und meinte: "Der Einbau von Filtern kann den derzeitigen EW-Wert weiter reduzieren." Nach umfassender Diskussion einigten sich die Räte am Mittwoch - bei den Gegenstimmen der Freien Wähler - auf eine Anpassung des EW-Werts ähnlich der Partnergemeinden Krummennaab und Reuth bei Erbendorf. Für Friedenfels ergab dies nach der Berechnung von Bürgermeister Gottfried Härtl 3145 Einwohnerwerte.

Bei der Grundschule

Um das Tempo in der Ortsdurchfahrt zu drosseln, diskutierten die Gemeinderäte über die Anschaffung eines Geschwindigkeitsanzeigesystems. Den Zuschlag (1740 Euro, inklusive Ersatzakku) erhielt einstimmig der günstigste Anbieter. Eingesetzt wird die mobile Geschwindigkeitsanzeigetafel vorrangig im Bereich der Grundschule, jedoch auch in anderen Straßen im Gemeindegebiet. Bürgermeister Gottfried Härtl verwies auf die Messungen und Zählungen von Landratsamt und Straßenbauamt, die letztlich einen vom Kindergarten und der Schule gewünschten Fußgängerüberweg oder eine Fußgängerampel in der Gemmingenstraße abgelehnt hatten. Die Begründung: zu wenig Kinder, Senioren und Autos.

150 000 Euro Stabilisierungshilfe bekam Friedenfels im vergangenen Jahr. Die Bewilligung erfolgte mit der Auflage, dass die Gemeinde bis spätestens Ende März 2015 mit dem Landratsamt das vorgelegte Haushaltskonsolidierungskonzept mit dem Ziel fortschreibt, mittelfristig wieder die Leistungsfähigkeit zu erreichen. Ausführlich zeigte Kämmerer Bernhard Schmidt deshalb am Mittwoch die einzelnen Projekte und damit einhergehenden Einsparungen auf.
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