Bis zu 400 Wolfsrudel in Deutschland
Der Wolf kommt näher

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass der erste Wolf auch wieder in Bayern auftaucht. Ganze 50 Kilometer Luftlinie trennten ihn vergangenes Jahr noch von der Grenze des Freistaates. Die Aufnahme entstand im Tier-Freigehege des Nationalparks Bayerischer Wald. Bild: bz
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Friedenfels
26.01.2015
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Auch wenn der Arbeitskreis den Namen Luchs trägt, so beschäftigen sich seine Experten auch mit anderen Tieren. Großvögel wie See- und Fischadler haben in Bayern wieder eine Heimat gefunden. Und der Wolf steht vor der Tür.

Standesgemäß eröffnete Manfred Wölfl vom Landesamt für Umwelt die Jahrestagung am Freitag in der Schloßschänke. Der Biologe berichtete von Luchs-Sichtungen bei Mögeldorf, Berg, Auerbach, Wiesau, Erbendorf, Selb, Hollfeld, Wildflecken und Bad Brückenau. Dass regelmäßig Luchse verschwinden und zeitverzögert deren Reviere dann von erwachsen werdenden Tieren neubesetzt werden, führte Wölfel auf illegale Nachstellungen wegen der vermeintlichen oder tatsächlichen Konkurrenzsituation zwischen menschlichen und tierischen Jägern zurück. Dabei spiele auch der hohe staatlich verordnete Jagddruck auf das Reh als Hauptbeute des Luchses eine gewichtige Rolle.

Jederzeit und überall

Mit beeindruckenden Bildern informierte Wölfl anschließend auch über den Wolf. Derzeit seien in Deutschland 36 Rudel beheimatet. "Und sie kommen Bayern näher." Rund 50 Kilometer Luftlinie waren sie im letzten Sommer noch entfernt. Jederzeit und überall könnten deshalb auch hier einzelne Tiere auftauchen. Noch nie waren Schwarzstorch, Seeadler und Fischadler so häufig in Deutschland anzutreffen wie heute, meinte anschließend Dr. Winfried Nachtigall, Geschäftsführer des Fördervereins Vogelschutzwarte Neschwitz in Sachsen. Zwischen 1963 und 1990 war der Fischadler in Deutschland komplett ausgerottet, dann gelang 1992 die Wiederansiedlung. Mittlerweile ist der Bestand stabil. Allein in der Oberpfalz gab es vergangenes Jahr 16 Paare, 12 davon brüteten und zogen 14 Jungtiere auf.

Bis zu 400 Wolfsrudel in Deutschland

Auch der Seeadler war schon fast völlig ausgestorben, heute brüten in Deutschland wieder über 600 Paare. Widerlegen konnte der Referent, dass nicht nur Fische als Nahrung dienen, sondern auch Wasservögel, kleine Säugetiere und Aas. Der Leiter der Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Dr. Klaus Richarz, zeigte anschließend den Besuchern die Gefahr von Windrädern für Vögel und Fledermäuse auf. Auseinandersetzen mussten sich dabei die Besucher mit schockierenden Fotos, die Richarz von durch Windkraftanlagen getöteten Vögeln zeigte. Auffällig war dabei, so der Leiter der Vogelschutzwarte, dass besonders häufig Rotmilane betroffen waren. Die Gefahr für Vögel und Fledermäuse an einem Rotor zu verunglücken, sei in Wäldern und an Seen besonders hoch. Kontrovers, aber sachlich und fair wurden die zuvor behandelten Themen diskutiert. Infrage stellte ein Jäger die in einer Studie festgeschriebene mögliche Ansiedlung von bis zu 400 Wolfsrudeln in Deutschland. Hier seien bereits im Vorfeld die Behörden gefordert. Bedenken gegen die weitere Ausbreitung von Fisch- und Seeadler kamen von den anwesenden Fischzüchtern der Region. "Wir sind schon stark gefordert durch den Kormoran", wurde die Forderung nach einem Ausgleich in Form einer eventuellen Patenschaft von den Naturschutzbehörden laut.

Für Luftraum nicht zuständig

Auch Amüsantes bekamen die Besucher präsentiert. So berichtete ein Jäger aus dem Vogtland über seine Bemühungen um den Schwarzstorch in seinem Revier. Auf Fotos hatte er festgehalten, wie motorisierte Gleitschirmflieger immer wieder durch die Brutgebiete geflogen waren. Als er die Beweise der Naturschutzbehörde vorlegte, erhielt er die Antwort: "Dies ist kein Vergehen auf dem Boden, sondern eine Aktion in der Luft. Und für den Luftraum sind wir nicht zuständig".
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