Die Freiheit anderer achten

Pfarrer Siegfried Wölfel (links), Hans Stelzl (KEB, Zweiter von links), Monika Seidel (Mütterverein, Zweite von rechts) und Reiner Gärtner (Kolpingsfamilie, rechts) dankten Referent Franz Spichtinger (Mitte). Bild: bsc
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Friedenfels
11.04.2016
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"Der Islam ist eine große monotheistische Religion, der man mit Respekt begegnen muss - wie jeder anderen Religion auch." Mit diesen Worten eröffnete Franz Spichtinger einen viel beachteten Vortrag.

"Muslime glauben an Allah. Beten, Fasten, Pilgern und Armen helfen gehört zum Glaubensalltag", so der Referent, der auf Einladung der Kolpingsfamilie und des Müttervereins Friedenfels sowie der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Tirschenreuth sprach. Die Organisatoren Reiner Gärtner, Monika Seidel und Hans Stelzl freuten sich über guten Besuch im Gasthof "Goldener Engel".

Die islamischen Kulturen könnten der Menschheit viel geben, meinte Franz Spichtinger. Die Lösung der fragwürdigen Einheit zwischen Religion und Politik sei vordringlich und bedürfe wohl unkonventioneller Mittel. Der Islam habe seine innerislamischen Probleme selbst zu lösen. Die Demokratiebestrebungen müssten siegen und der Islam sich für Reformen öffnen. Von welchen Ordnungsvorstellungen aus Religion, Kultur und Tradition die Menschen im islamischen Machtbereich geleitet würden, sei derzeit schwer abzuschätzen, so Spichtinger. Auch sei von Bedeutung, ob die islamischen Eliten im 21. Jahrhundert Koexistenz bejahen oder ob sie sich in gegenseitiger Abgrenzung und Furchtsamkeit aufreiben.

Spichtinger verwies auf die große Gerechtigkeits- und Friedensliebe im Islam, aber auch auf Fehlentwicklungen, die nunmehr weltweit offenkundig seien. Im Zusammenleben der verschiedenen Religionen würden die Freiheitsrechte anderer Religionen oft genug noch missachtet. "Wenn Despoten und Terroristen aus islamischen Kulturen Christen verfolgen, vertreiben und töten", sei dies eine Schande und auch ein Aufruf an die Weltgemeinschaft. Dagegen zumindest zu protestieren, sei auch eine Erwartung an die islamische Umma.

Mauern überspringen


Islamische Länder seien die rückschrittlichsten der Welt, wenn es um die Gleichberechtigung der Geschlechter ginge, kritisierte der Referent. Der Islam suche Heimat in Europa. Im säkularen Europa könnten unterschiedliche Religionen zumindest im ethischen Bereich eine Weggemeinschaft bilden und Mauern überspringen. Patentrezepte im Umgang gebe es nicht. Hier seien allseits Dialog und Toleranz gefordert. "Unstrittige Differenzen mit islamischen Vorstellungen kann man in schwierigen Zeiten nur in konstruktivem Miteinander und in sachlicher Klarheit debattieren."

Ein Glaube, der sich aus einem seit Jahrhunderten überholten Menschen- und Gesellschaftsbild ableite, könne in der islamischen Hegemonie ungeheure geistige und kreative Ressourcen nicht nutzen, bedauerte Franz Spichtinger. Eine innovationsfeindliche Kultur, eine rapide wachsende, arme Bevölkerung, die zur Neige gehenden Erdölvorkommen und dramatische klimatische Veränderungen ergäben ein hochexplosives Gemisch, meine beispielsweise Hamed Abdel-Samad, ein deutsch-ägyptischer Denker. "Er wagt die Prognose, dass der islamischen Welt, der er selbst entstammt, unter solchen Gesichtspunkten der Untergang droht." Nicht nur wirtschaftliche und soziale Fragen würden künftig in Europa in den Auseinandersetzungen dominieren, sondern vor allem die gravierenden Unterschiede in den kulturellen und religiösen Haltungen.

Konstruktiv debattieren


"Wir stehen im 21. Jahrhundert in Europa vor Problemen mit historischen Ausmaßen und in Europa wird nur ankommen, wer sich für die Kultur des aufnehmenden Landes interessiert und für sich keinen religiösen Absolutheitsanspruch beansprucht", stellte Franz Spichtinger heraus. Differenzen mit dem Islam könne man nur im konstruktiven Miteinander, in Sachlichkeit und Klarheit diskutieren.
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