Dieter Schraml beleuchtet Hintergründe zu magisch-mythischen Sagen - Druidenopfer ...
"Schatzkästlein des Teufels"

Außergewöhnliche Erkenntnisse über Sagen und geologische Eigenarten präsentierte Dieter Schraml (rechts) in einem Vortrag, in dem auch viele Bilder zu sehen waren. Bild: roh
Vermischtes
Friedenfels
10.05.2016
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Im Steinwald, Oberpfälzer Wald und Fichtelgebirge finden sich viele Orte, die nach dem Teufel (beispielsweise Teufelsstein bei Napfberg), nach Riesen oder auch Druiden benannt sind. Es sind meist prägnante Felsgruppen mit geologischen Besonderheiten wie Schüsselbildungen, Rinnen und Höhlungen, die in Verbindung mit magisch-mythischen Sagen, Geschichten von Druidenopfern und einem mancherorts ungewöhnlichen Verhalten der Bevölkerung schon immer die Fantasie der Menschen angeregt haben.

In einem spannenden Vortrag vermittelte Dieter Schraml (Arzt, Psychotherapeut) im traditionsreichen Gasthof "Grüner Kranz" eine Deutung der rätselhaften Namen aus ganzheitlicher Sicht. Gäste aus dem ganzen Landkreis lauschten gespannt.

Auch in Wanderführern sei zu lesen, dass der Steinwald wegen seiner geologischen Eigenarten und vor allem der bizarren Felsbildungen einst "Schatzkästlein des Teufels" genannt worden sei. Die Benennung nach dem Teufel, dem Sinnbild des Bösen schlechthin, nach Gewaltsymbolen wie Riesen oder die Verbindung mit blutrünstigen Druidenopfern lasse sich nicht mit Steinformationen oder Volksfantasie erklären, betonte Schraml. Es erscheine wahrscheinlicher, dass mit dieser "Verteufelung" die vorchristlich-heidnische, als "autochthon" bezeichnete Bevölkerung davon abgehalten werden sollte, ihre vertrauten "Kultstätten" aufzusuchen. "Zwei Weltanschauungen prallten aufeinander. Die als Beweis gegen eine wie auch immer geartete kultische Vorstellung angeführte, geologisch schlüssige Theorie von der natürlichen Entstehung der Steinformen hat hier keine Bedeutung. Denn kultische Vorstellungen können sich auch auf natürliche Formen beziehen."

Durchkriechstein


Das Luftbild der Heiliggeistkirche bei Prettau im Ahrntal, einer bekannten Wallfahrtskirche in Südtirol, gab für den Referenten den Anstoß, sich mit dem Thema zu befassen. Das Bild zeigte eine, an einen großen Felsen mit einem Spalt (Durchkriechstein für Seele und Wiedergeburt) angebaute Kirche und löste bei Dieter Schraml spontan den Vergleich mit der Riesenschüssel im Steinwald aus. Hat die Schüssel im Stein möglicherweise eine vorchristliche spirituelle Bedeutung? Dazu muss man wissen: Rituelle Handlungen an Bäumen, Steinen und Quellen waren mit der Christianisierung durch die römische Kurie oder auch von Karl dem Großen strikt verboten.

Weitere Nachforschungen führten den Referenten zum für uns heutige Menschen schwer verständlichen Weltbild des "Matriarchats", einer mutterrechtlichen Gesellschaftsform. Nicht Gesetze oder Gebote prägten das Weltbild, sondern Beobachtungen der Natur und deren Umsetzung stellten die Grundlagen des Lebens dar, so der Referent. "Das ständige Werden und Vergehen in der Natur prägten so auch das Bewusstsein der Menschen." Wie im Wechsel der Jahreszeiten Fruchtbarkeit und Absterben sich Jahr für Jahr zyklisch wiederholten, galt schon damals die Seele des Menschen als unsterblich, wusste Schraml und informierte: Sie wurde nach dem Tod eines Menschen von der symbolhaft göttlichen "Mutter Erde" in die "Anderswelt" aufgenommen, dort bis zur Wiedergeburt versorgt, um erneut von einer Frau aufgenommen zu werden.

Fraglich


"Die Vielfalt, mit der von diesen Orten berichtet wird, kann als deutlicher Hinweis auf eine tiefere Bedeutung der entsprechen Namen gesehen werden. Ob es sich um Druidenopfersteine gehandelt, wie gelegentlich vermutet wird, erscheint eher fraglich." Am Kibitzstein im Steinwald hatte der Sage nach eine Hirschkuh, Symbol der Erdmutter, eine im 30-jährigen Krieg Geflohene über sieben Jahre ernährt. Druidenopfer an der Riesenschüssel hielt der Referent eher für unwahrscheinlich.
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