Freigelassenes Weibchen erobert sich den Steinwald
Luchsin lebt sich ein

Die Luchs-Dame im Steinwald ist mobil und ernährt sich selbst. Mit 26 Kameras wird ein sehr umfangreiches Monitoring betrieben. Bild: Landesamt für Umwelt
Vermischtes
Friedenfels
23.09.2016
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Der Steinwald ist beliebt. Nicht nur bei Touristen. Auch "Wutzerl", dem vor wenigen Wochen freigelassenem Luchs-Weibchen, gefällt die waldreiche Region. Und das wiederum gefällt den Initiatoren des Projektes.

"Das ist eine große Bereicherung für die Natur und die Tierwelt", sagt Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Luchs in Nordbayern hat der Rückkehr der scheuen Katze in den Naturpark Steinwald erst den Weg geebnet. "Es ist faszinierend zu wissen, dass es hier einen Luchs gibt."

Wie berichtet, war das etwa 14 Monate alte Weibchen Anfang August vom Bayerischen Wald in seine neue Heimat umgesiedelt worden. Zu einem Zeitpunkt, wo sich auch in der Natur der Nachwuchs neue Reviere suchen muss. Im Dezember 2015 war das Jungtier verwaist nahe einer Siedlung im Landkreis Regen aufgefunden und danach acht Monate lang im Tierpark Lohberg auf ein Leben in Freiheit vorbereitet worden. Ohne großen Menschen-Kontakt, um die natürliche Scheu zu bewahren.

Wie sich die Katze mit dem Stummelschwanz und den typischen Pinselohren ihren neuen Lebensraum erobert, das sollte auch für eine wissenschaftliche Betreuung mittels moderner Technik dokumentiert werden. Deshalb war das liebevoll "Wutzerl" genannte Tier auch mit einem Sende-Halsband ausgestattet. Erster Schreck nach 30 Stunden: Die aufgefangenen Sende-Signale kamen nur von einem Standort, deuteten auf ein Unglück oder Schlimmeres. Doch das Halsband hatte sich vermutlich an einem Ast verfangen und war dann an der Sollbruchstelle auch gebrochen.

Ein umfangreiches Fotofallen-Monitoring mit 26 Kameras sorgt nun für die notwendigen Daten. Und die ersten Ergebnisse zeigen: Die Luchsin ist mobil und ernährt sich selbst. Das hatten die Organisatoren des Projektes auch so erhofft. Leise Zweifel waren dennoch angesagt: In der Natur lehrt nämlich das Muttertier dem Nachwuchs, wie es Beute machen kann. "Wutzerl" musste es selbst lernen. Doch der natürliche Jagdinstinkt ist offensichtlich bestens ausgeprägt. Mittlerweile sind zwei Rissfunde dokumentiert. Beides Rehkitze und beides in den Wäldern der Güterverwaltung Friedenfels. "Die Luchsin erschließt sich offenbar zunehmend den Steinwald", ist sich Baron von Gemmingen-Hornberg sicher. "Die letzten beiden Erfassungen liegen etwa vier Kilometer auseinander." Auch im Gebiet der Bayerischen Staatsforsten ist die Katze schon nachgewiesen worden. Forstdirektor Gerhard Schneider vom Forstbetrieb Waldsassen unterstützt auch das Monitoring.

Aus dem Bayerischen Wald weiß man, dass Luchs-Weibchen ein Streifgebiet von etwa 8000 bis 20 000 Hektar nutzen, Männchen, sogenannte Kuder, das doppelte. Nach den bisherigen Erfahrungen verhalten sich die übrigen Wildtiere völlig normal.

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Weitere Informationen:

www.ak-luchs.de www.luchs-bayern.de

Die AkteureDie Wiederfreilassung des jungen Luchses im Steinwald war nur möglich, weil Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg mit der Güterverwaltung Friedenfels als größtem Waldbesitzer die Aktion vorangetrieben hat. In enger Abstimmung mit den Jägern vor Ort, dem Bayerischen Jagdverband, den Bayerischen Staatsforsten und den Umweltministerium.
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