Jesus, das Flüchtlingskind

Auch an den Weihnachtsfeiertagen öffnet Ruhestandsgeistlicher Siegfried Wölfel (links) die Garage des Pfarrhofs, in der eine prächtige Krippe aufgebaut ist. Seine Hoffnung: "Wenn wir das Geschenk des Glaubens auspacken, unsere Herzen öffnen und tiefer in uns hineinschauen, dann können wir vielleicht beten: Nun sei uns willkommen Jesus, auch in den Flüchtlingen." Bild: privat
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Friedenfels
24.12.2015
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Weihnachten ist das Fest der Kinder. Wenn Erwachsene das Geheimnis der Heiligen Nacht erahnen wollen, müssen sie wie Kinder werden, sagt Ruhestandsgeistlicher Siegfried Wölfel: "Vertrauend, nicht berechnend, staunend."

Gott kommt als Kind in unsere Welt. Flucht, Vertreibung, Angst und Not - das mussten auch Jesus und seine Eltern durchleiden. Abweisung, keine Aufnahme und Herberge finden - das war ihr Schicksal. Und doch zeigt Maria nicht nur ihr Kind, sondern die vielen Flüchtlingskinder, die hier bei uns keinen Platz finden. Diese Frage wird uns allen gestellt: Haben wir eine offene (Herzens-)Tür für Kinder und Jugendliche aus Syrien, Irak und Afrika und deren Eltern in unseren Gemeinden, Pfarreien und Familien?

Wir können nicht schöne Krippchen bauen für das Jesuskind, aber seinen Schwestern und Brüdern die Türe weisen und unser Herz verschließen. Die Herbergssuche ist in diesen Tagen kein Thema für Weihnachtsspiele bei Kerzenschimmer, sondern eine Aufgabe unserer Nächstenliebe! Ganz konkret: Habe ich Platz für eine Familie, wozu uns Papst Franziskus aufruft. Unsere Ängste und Vorurteile bestimmen unser Handeln - leider auch an Weihnachten. Beim Deutschunterricht in meiner Flüchtlingsklasse in Wiesau klagte in diesen Tagen ein 18-jähriger Syrer: "Mir geht es nicht gut - nun bin ich schon drei Monate und 19 Tage im Lager: Ich kann keine Schule besuchen, nicht arbeiten, nicht zu meinem Onkel ziehen, der schon 25 Jahre in Hannover lebt." Ich tröstete ihn: "Hat nicht Allah dich geführt und gerettet, als du im Schlauchboot über das Meer fuhrst, als du tagelang gelaufen bist? Hast du nicht hier auch so viele gute Menschen gefunden? Glaube und vertraue: Gott ist gut - er wird dich nicht verlassen." Im Glauben erkennen wir Christen in diesem Kind von Bethlehem Gottes Sohn, der den Weg der Liebe geht trotz aller Widerstände, trotz allen Unglaubens. Er stirbt am Kreuz, um alle zu umarmen und seine grenzenlose Liebe zu zeigen. Er eint alle Menschen zu einer Welt.
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