Mal rotzfrech, mal poetisch

Moderator Hans Günther Lauth (Mitte) stellte die neuen Autoren Johann Spörrer, Anna Elisabeth Gleißner, Dieter Wiese und Marianne Stangl (von links) vor. Bild: roh
Vermischtes
Friedenfels
19.04.2016
57
0

Ob Herbstfrauen mit Lametta im Haar, Ochs und Esel in der Schachtel oder ein Loblied auf die guten Oberpfälzer "Spoutzn": Die Bandbreite heimischer Autoren ist beachtlich. Ihnen bietet sich ein neues Forum.

Nach der grandiosen Premiere im Oktober 2015 folgte eine zweite Lesung mit hohem Unterhaltungswert. Im traditionsreichen Gasthof "Grüner Kranz" berief das Publikum nach hochwertigen Vorträgen weitere vier Poeten und Lyriker, die sich fortan "Grenzlandschreiber" nennen dürfen. Durchwegs fesselnde Texte zeichneten das Treffen aus, verbunden mit passenden musikalischen Zwischentönen: mal ganz profan, mal philosophisch.

Berufung eine Ehre


Initiator Hans G. Lauth vertritt die "Grenzlandschreiber", die Lyriker und Geschichtenverfasser in ihrer Arbeit unterstützen. Angesicht der Tatsache, dass interessierte Autoren sich nicht bewerben können, ist die Berufung eine Ehre. Eine neue Konkurrenz wird damit nicht geschaffen, betonte der Sprecher: "Wir beabsichtigen, die Szene mit mehr Gruppen bunter und vielfältiger zu gestalten."

Gastgeber Dieter Schraml freute sich über das große Interesse im proppenvollen Lokal. Auch die Autoren der ersten Lesung, Christa Vogl, Hans Hertel und Florian Mattes, waren gekommen. Nach dem ersten kreativen Abend sei die Zusammenführung mit Kollegen aus Marktredwitz, Bayreuth, Weiden und Neustadt/WN im Gange, freute sich Schraml.

Das "Neualbenreuther Zwio" begleitete den Abend. Monika Kunz und Franz Danhauser glänzten mit rotzfrechen Couplets und Eigenkompositionen, eröffnete den Reigen mit "Der alte Schäfer" und leitete zu den Lesungen über, die ironisch, witzig und nachdenklich beim Publikum ankamen.

Erzählte Bilder


Die in der Tirschenreuther Autorenszene engagierte Lehrerin Marianne Stangl schickte voraus, sie erzähle Bilder. Zum Gedicht "Wetterküche" wurde sie auf der Insel Borkum inspiriert.. In "Die Sommerzeit" beschrieb sie das ganz spezielle, leichte Lebensgefühl. "Der Sturz im Freibad" führte ins Wasser, wenn man nicht schwimmen kann. "Tagträume" und "Im Indianerreservat" folgten. Zum Thema "Schattenfrau" kamen Herbstfrauen mit Lametta im Haar und das geheimnisvolle "Nachtweibchen" ins Spiel: "Nichts wollen, nur sein." Da konnten alle mitfühlen.

Anna Elisabeth Gleißner, geboren in Wondreb, wohnt in Bechtsried. Sie ist Mitglied der "Weidener Turmschreiber" und glänzte mit Mundartlyrik. Sie beschrieb das Vogelkonzert "Vor meinem Fenster", verteufelte den "Zeck", der ganz "narrisch" auf sie war, philosophierte über die "Schneckenplouch" und den "Richter" in der Familie, weil der die Auto "richt". Mit "Unter jedem Dach ist a Ach", "D' Weiding in der Zeia" und das "Hausnigelbauermoidl", das mit dem Namen Chantal gestraft ist, legte sie Gedichte nach. Gleißner sinnierte darüber, warum es beim "Leben, bei so was Wichtigem, keine Generalprobe gibt" und vergaß nicht den Bub aus Syrien, der glaubt, ein Leben ohne Krieg gibt es nicht.

Mücken und Spiderman


Skurrile Geschichten schreibt der Tirschenreuther Dieter Wiese. Dem Publikum bot er eine außergewöhnlichen Weihnachtsgeschichte, eine ausgiebige Unterhaltung zwischen dem dummen Ochs und dem schlauen Esel. Die Krippenfiguren philosophieren in der Schachtel über ihr tristes Dasein bis zum nächsten Weihnachtsfest, und auch da stehen sie nie im Rampenlicht. Sogar der Spiderman kommt ins Spiel bei dieser mit Pointen gespickten Geschichte.

Johann Spörrer aus Pullenreuth ist sehr heimatbezogen und im Steinwald ein Begriff. Mit dem "Kirchturmblick" vermittelte er eine besondere Sicht auf Gebäude und Menschen, wies nach, dass glücklich ist, wer einen guten "Freund" hat. Die Behauptung "s'Weder is schuld", Betrachtungen über die Mückenplage und ein Plädoyer für das Oberpfälzer Leibgericht "Spoutzn" folgten.

Das Publikum dankte am Ende mit viel Beifall für das geniale "Jonglieren" mit der deutschen Sprache. "Wir würden uns freuen, wenn wir bei der dritten Lesung im Herbst 2016 weitere einfallsreiche Grenzlandschreiber bewundern dürfen", schloss Moderator Lauth.
Weitere Beiträge zu den Themen: Grenzlandschreiber (2)Hans G. Lauth (3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.