Ralf Bauer vor der Kamera
Filmkulisse Oberpfalz

Das Kernteam rund um den Kurzfilm "August 96" (von links): Jana Galinski (Produktion), Lena Weckwerth (Produktion), Vera Heldmann (Regie), Mariano Falabretti (Kamera) und ihr Hauptdarsteller Ralf Bauer. Bild: wim
Vermischtes
Friedenfels
04.08.2016
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Kameras bei den Eltern im Wohnzimmer. Der Hauptdarsteller kocht in der Drehpause Spaghetti Bolognese für das gesamte Team. Und die Tomatenspritzer auf seinem Hemd müssen heraus gewaschen werden, bevor die Klappe wieder fällt, denn ein identisches Ersatzhemd gibt es nicht.

Bayreuth/Friedenfels. (wim) So locker, bodenständig und herrlich normal können die Dreharbeiten zu einem Film sein. Nämlich dann, wenn Vera Heldmann (22) aus Friedenfels Regie führt. Und das, obwohl die Hauptrolle Ralf Bauer („Gegen den Wind“, „Traumschiff“) übernommen hat.

Die Studentin der Medienwissenschaften dreht derzeit einen Kurzfilm mit dem Titel „August 96“. Der Psychothriller befasst sich mit dem ernsten, häufig noch tabuisierten, Thema Depression. „Man hat immer die im Blick, die Depressionen haben. Aber was ist mit den Angehörigen? Wir wollten einmal die andere Seite beleuchten“, beschreibt Heldmann die Entstehung des Drehbuchs, das ihr Kommilitone Mariano Falabretti geschrieben hat. Gemeinsam mit Jana Galinski und Lena Weckwerth (Produktion) und Falabretti (Kamera) wird Heldmann den Film, der eine Laufzeit von ungefähr 15 Minuten haben wird, als Abschlussarbeit an der Uni Bayreuth einreichen.

Ralf Bauer als Hauptdarsteller


Als Hauptdarsteller konnten sie Ralf Bauer (49) engagieren. „Das ist uns wirklich eine Ehre, dass wir ihn überzeugen konnten. Die Schauspieler machen das alles freiwillig. Nur Unterkunft und Reisekosten müssen wir ihnen bezahlen.“, freut sich Heldmann. Doch wie entsteht eine solche Zusammenarbeit eigentlich? „Sie haben ganz offiziell bei mir angefragt“, erklärt Bauer. Der Kurzfilm ist sein erstes Projekt dieser Art seit fünf Jahren. „Solche Anfragen bekomme ich immer wieder, aber zugesagt hab ich schon lange nicht mehr. Dafür muss alles stimmen. Ich habe das Drehbuch gelesen und es hat mich einfach überzeugt. Die Geschichte ist in sich stimmig, die Sprechrollen sind gut und auch zeitlich hat es mir gepasst“, begründet er seine Entscheidung. Auch das Genre Psychothriller hat ihn angesprochen. In dieser Hinsicht waren sich auch Heldmann, Falabretti, Galinski und Weckwerth sofort einig: „Wir wollten alle einen Psychothriller drehen.“


Ralf Bauer spielt die Hauptrolle in Vera Heldmanns Kurzfilm.

Obwohl kaum Geld zur Verfügung steht und die junge Filmcrew auf Spenden angewiesen ist, haben die Teammitglieder große Ansprüche an sich selbst. „Wir investieren so viel Zeit, Energie und Herzblut, da wollen wir auch, dass das Ergebnis so gut wie möglich wird“, betont Heldmann: „Der Film liegt uns wirklich am Herzen. Sobald das Drehbuch steht, hat man schon Bilder im Kopf, wenn das dann verwirklicht und umgesetzt wird, das ist ein unbeschreibliches Gefühl.“

Viel Feingefühl bewiesen


Die Schauspieler hat Heldmann selbst ausgesucht. Dafür hat sie im Internet zunächst entsprechende Castingportale durchforstet: „Erst habe ich nur auf die Gesichter geachtet. Wer passt zu dem, was ich mir vorstelle? Und dann habe ich alle Demobänder angeschaut und mich entschieden.“ Neben Ralf Bauer fiel ihre Wahl auf Laura Sophia Landauer, Fee Denise Horstmann und die Kinderdarsteller Svea Derenthal und Valentina Hirschmann. „Die Cast ist mit sehr viel Feingefühl ausgewählt. Sogar bei größeren Produktionen passiert es manchmal, dass die Besetzung nicht so gut passt. Aber hier war das super“, lobt Bauer ihre Wahl. Auch die jungen Nachwuchsschauspieler konnten ihn überzeugen: „Die waren toll. Es heißt sowieso immer: Wenn Kinder oder Tiere dabei sind, hast du als Schauspieler keine Chance mehr. Die stehlen einem immer die Show.“


Elternhaus als Filmkulisse


Heldmanns Elternhaus in Friedenfels war Teil der Filmkulisse. Für die Dreharbeiten nahm sie das 20-köpfige Filmteam samt der fünf Schauspieler mit zu sich nach Hause. Mit sechs Autos reisten alle in den Landkreis Tirschenreuth, wo Wohnzimmer, Küche und Bad der Familie belagert wurden. „Wir haben einen schönen Garten. Das war der perfekte Ort, um bestimmte Sequenzen zu drehen“, erklärt Heldmann. Denn der Film ist geprägt von Kontrasten. Zum einen die Vergangenheit eines Mannes, in der er ein scheinbar perfektes Leben und eine perfekte Familie hat. Auf der anderen Seite seine Einsamkeit, nachdem er alles verloren hat. Diese Gegensätze konnten durch das ländliche Friedenfels und die kleine Wohnung in einem Hochhaus in Bayreuth, Drehort für andere Szenen, perfekt dargestellt werden.


Im Garten der Eltern von Vera Heldmann dreht das Team Außenaufnahmen.

Bauer gefielen die Dreharbeiten in der Oberpfalz: „Ich komme ursprünglich vom Dorf und die Gegend hat mich an meine Heimat erinnert. Es war sehr idyllisch.“ Ganz besonders hat es ihm das Essen angetan. „Die Mama von der Vera hat sensationell gekocht“, schwärmt er. Am liebsten wollte das Team sie für die weiteren Drehtage als Catering mit nach Bayreuth nehmen. Als das nicht klappt, stellt Bauer sich kurzerhand selbst in die kleine Küche der Studentenwohnung, gibt Tipps für Spaghetti al dente und schwingt den Kochlöffel.

Ich komme ursprünglich vom Dorf und die Gegend hat mich an meine Heimat erinnert. Es war sehr idyllisch.Ralf Bauer über Friedenfels

Ein Jahr Arbeit


Noch bis Ende des Jahres wird das junge Team mit dem 15-Minuten-Film beschäftigt sein. Gestartet hat Heldmann ihr Projekt im November 2015. Der Aufwand hat sich für sie auf alle Fälle gelohnt: „Ralf war eine wahnsinnige Bereicherung für uns. Wir haben so viel von ihm gelernt und neue Erfahrungen gesammelt.“ Und Bauer beschreibt die Dreharbeiten mit dem jungen Team als etwas Besonderes: „Jeder macht alles. Die Rollen sind noch nicht so festgezurrt. Sie probieren sich noch aus und sind alle wahnsinnig engagiert.“
Auch Heldmann ist sich noch nicht ganz sicher, welche Richtung sie in der Zukunft einschlagen will: „Ich weiß noch nicht, ob ich mit Regie oder Schnitt weitermachen will.“ Erst einmal muss jedoch der Kurzfilm fertig gestellt werden und da wartet noch jede Menge Arbeit. Unter anderem Schnitt, Farbkorrektur, Filmmusik, Sounddesign und digitale Vertonung. Mit dem fertigen Film wollen sich die Nachwuchsfilmemacher dann auch bei Festivals bewerben.

CrowdfundingWer neugierig geworden ist und den fertigen Film gerne sehen möchte, hat die Möglichkeit bis 25.08.2016 unter dem Link https://www.startnext.com/august96 20 Euro zu spenden, dafür bekommt man dann die DVD. Natürlich kann jeder beliebige Betrag gespendet werden. „Wir haben viele Kosten, die gedeckt werden müssen und freuen uns deshalb über jeden Euro“, erklärt Heldmann. Für den Dreh eines Stunts ließ sie sogar ein professionelles Team aus Berlin anreisen, das für die Sicherheit der Schauspieler sorgte. Außerdem müssen Technik, Catering, Versicherung, Kostüme und Spritkosten beglichen werden.

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