Treffen des Arbeitskreises Luchs
Reger Verkehr auf Grünbrücke

Vermischtes
Friedenfels
28.02.2016
11
0
 
Professor Dr. Hansjörg Küster von der Leibnitz-Universität Hannover und Biologe Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (von links) referierten bei der Tagung des Arbeitskreises Luchs. Sie und der Vorsitzende des Arbeitskreises, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (rechts), würdigten die Arbeit von Christian Kreipe (Zweiter von rechts), der die Geschäftsführung des Naturparks Fichtelgebirge in jüngere Hände gelegt hat.

Das Netzwerk ist mittlerweile dicht gewebt. Hinweisen auf Luchs und Wolf gehen viele Vertreter aus Behörden, Naturschutz, Jagd, Forst- und Landwirtschaft gerne nach. Ihnen galt ein Sonderapplaus beim Treffen des Arbeitskreises Luchs.

Die alljährliche Tagung ist inzwischen schon ein guter Brauch. So war kein freier Platz mehr zu finden im Saal der "Schlossschenke", als am Freitag die Verantwortlichen über die derzeitige Situation von "Pinselohr und Co." berichteten. Zu den Hauptreferenten zählte neben Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt für Umwelt Professor Dr. Hansjörg Küster von der Leibnitz- Universität Hannover. Sein Thema war die Geschichte von Wald und Landschaft.

Über die vielen Besucher aus allen Ecken Bayerns freute sich Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, der Vorsitzende des Naturparks Steinwald und des Arbeitskreises Luchs Nordbayern. Sein Gesicht verfinsterte sich jedoch schlagartig, als er die abscheulichen Bilder von abgetrennten Luchspfoten in einem Waldstück im Lamer Winkel im Bayerischen Wald in Erinnerung rief. "Als Jäger und Naturschützer distanziere ich mich in aller Form von diesem absolut unmöglichen Verhalten. Diese Personen bringen eine ganze Zunft ins Zwielicht und verdienen die härteste Strafe, die es bei einem derartigen Verbrechen nur geben kann", sagte von Gemmingen-Hornberg.

Mindestens 59 Luchse


Besonderen Dank sagte Manfred Wölfl anschließend seinen mittlerweile rund 170 Netzwerkern. Ein Teil davon war erschienen und bekam nach der Aufforderung des Biologen, sich kurz zu erheben, kräftigen Applaus für die größtenteils ehrenamtlich ausgeübte, wichtige Tätigkeit. Personen aus Behörden, Naturschutz, Jagd, Forst- und Landwirtschaft engagieren sich, gehen Hinweisen auf Luchs und Wolf nach und dokumentieren dies umfangreich. "Das Arbeitsgebiet der aktiven Netzwerker in Bayern erstreckt sich mittlerweile auf 7600 Quadratkilometer", sagte Manfred Wölfl. Mindestens 59 Luchse mit Grenzüberschreitung zu Tschechien und Österreich sowie 24 Jungtiere sind mittlerweile durch den Arbeitskreis nachgewiesen.

Auf eine Reise durch viele tausende Jahre entführte Dr. Hansjörg Küster, Professor für Geobotanik und Waldgeschichte, die Besucher. Bei dem einstündigen Vortrag zeigte er auf, welche Bedingungen und Umwelteinflüsse das Entstehen des Lebensraumes Wald erst ermöglichten. Dabei brachte er die ökologischen Zusammenhänge zwischen Tieren und dem Wald eindrucksvoll näher.

Wald im Wandel


Die Futtersuche durch Wildpferde, Rentier und Rotwild sowie die spätere Beweidung mit Tieren veränderte das Landschaftsbild Wald. Der Professor sprach vom Zeugnis einer jahrtausendelangen Weidekultur und zeigte Bilder einer dynamischen Entwicklung von Landschaften, Bäumen und Wäldern. "Die Menschen wurden von den Möglichkeiten, die ihnen der Wald bot, stark beeinflusst. Aber auch der Wald veränderte in der langen Geschichte sein Gesicht unter dem Einfluss des Menschen."

Von den Tieren gern angenommen wird mittlerweile die Grünbrücke über die Autobahn bei Rehau, wusste Manfred Wölfl. Jahrhundertealte Wanderwege des Wildes seien durch den Bau der Brücke wieder möglich. Dazu hatten Experten im Vorfeld erforscht, dass die A 93 im Rehauer Forst zum Beispiel die Routen von Rotwild und Luchsen vom Erzgebirge und von Tschechien ins Fichtelgebirge durchkreuzte. Seit der Fertigstellung und Dokumentation durch Fotofallen im Frühjahr 2012 überquerten bereits mehr als 3500 Rehe die Grünbrücke, berichtete der Biologe. Zahlenmäßig mit größerem Abstand folgen Hasen, Wildschweine Füchse, Rotwild, Marder und Dachs.

Dank an Christian Kreipe


Der Arbeitskreis nutzte die Zusammenkunft auch, um einem Mann der ersten Stunde zu danken. Die Verantwortlichen würdigten die Verdienste von Christian Kreipe, der dieser Tage die Geschäftsführung des Naturparks Fichtelgebirge in jüngere Hände gelegt hat. Neben dem Arbeitskreis Luchs war Kreipe stets bemüht um eine gute Zusammenarbeit mit dem Naturpark Steinwald sowie Wander- und Naturschutzverbänden. Ferner trieb er den Ausbau von Rad- und Wanderwegen, Loipen und Aussichtspunkten im Naturpark Fichtelgebirge voran, würdigte Manfred Wölfl.

Nach der Vorstellung des neuen Geschäftsleiters des Naturparks Fichtelgebirge, Ronald Ledermüller, überreichte Wölfl an Christian Kreipe ein überdimensionales Poster mit den Abbildungen seines stets geliebten "Steckenpferdes Luchs" sowie einen edlen Tropfen.
Diese Personen verdienen die härteste Strafe, die es bei einem derartigen Verbrechen nur geben kann.Eberhard von Gemmingen-Hornberg über das Abschneiden von Luchspfoten
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.