Sie stehen im Schatten der Nationalparks. Aus diesem wollen die 18 bayerischen Naturparks aber hervortreten. Sie wünschen sich von der Politik mehr Aufmerksamkeit. Vor allem aber solle sich der Staat stärker als bisher an Personalkosten beteiligen.
Neidischer Blick nach oben

Die Burgruine Weißenstein bei Waldershof (Kreis Tirschenreuth) steht im Naturpark Steinwald. Die Landschaft der nördlichen Oberpfalz gilt als schützenswert. Der Freistaat stellt dafür aber kaum Geld bereit. Archivbild: upl
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Fuchsmühl
08.10.2014
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"Da kommen Sie nicht weit." Ernst Tippmann, Geschäftsführer des Naturparks, könnte mit dieser Aussage die Größe des von ihm verwalteten Naturparks Steinwald (Kreis Tirschenreuth) meinen. Der Park ist mit 246 Quadratkilometern der kleinste in Bayern. Er bezieht sich allerdings auf die finanzielle Ausstattung. Und die ist eher mickrig. "Wir bekommen die Mindestpauschale von 10 000 Euro im Jahr", sagt er. Tippmann teilt die Auffassung seiner Kollegen. Die Träger der 18 bayerischen Naturparke fühlen sich von der Politik vernachlässigt, teilten sie vor ihrer Jahrestagung heute in München mit.

Aufmerksamkeit erregen

"Wir würden uns freuen, wenn man uns etwas mehr Aufmerksamkeit schenken würde", sagte der Geschäftsführer des Naturparkverbandes Bayern, Christoph Würflein. Das Land solle sich mehr als bisher an den Personalkosten beteiligen, verlangte er. Tippmann führt die Geschäfte des Naturparks ehrenamtlich. Beruflich arbeitet er in der Verwaltung der Gemeinde Fuchsmühl - ebenfalls als Geschäftsführer. Der Bürgermeister gebe ihm die Möglichkeit, während der üblichen Arbeitszeit auch Dinge für den Naturpark zu erledigen. Behördenkontakte, Anrufe - all das sei ja nach Feierabend kaum möglich. Tippmann ist sich bewusst, dass für Beschäftigte in der Privatwirtschaft diese Kombination aus Beruf und Ehrenamt kaum möglich ist.

Aber es geht nicht anders: "Einen hauptamtlichen Geschäftsführer können wir uns nicht leisten." Die Mitgliedskommunen des Naturparks Hirschwald (Kreis Amberg-Sulzbach) leisten sich dennoch eine hauptamtliche Geschäftsführerin, Isabel Lautenschlager. Aber auch der Naturpark im Süden Ambergs bekommt entsprechend seiner 280 Quadratkilometer Fläche nur 10 000 Euro. "Das ist sehr wenig", konstatiert Lautenschlager. Um sich dennoch die Vollzeitstelle leisten zu können, auf der Lautenschlager sitzt, schießen die Kommunen Geld zu.

Andere sind großzügiger

Auch der Verbandsvorsitzende und Eichstätter Landrat Anton Knapp (CSU) warb für mehr Personal in den Geschäftsstellen der von den Kommunen getragenen Naturparke. Das Personal werde gebraucht, um Projekte zu entwickeln und Zuschüsse an Land zu ziehen. "Inklusive der Geschäftsführung oder Leitung sollte zur Bewältigung der Aufgaben Personal im Stundenumfang von mindestens vier Vollzeitstellen in Management und Verwaltung vorhanden sein", sagte Knapp. Nach seinen Worten erhält jede der 18 Naturpark-Geschäftsstellen pro Jahr lediglich bis zu 20 000 Euro vom Staat.

Andere Bundesländer förderten die Naturparke finanziell deutlich stärker, stellte Knapp fest. Und auch die zwei Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgaden seien wesentlich besser ausgestattet. "Um mehr als eine Zehnerpotenz höher", weiß Lautenschlager. So viel muss es gar nicht sein, ein Teil davon würde schon reichen, sind sich Tippmann und Lautenschlager einig.
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