Cicero blüht im "Gwäxhaus" richtig auf

Vier Musiker, ein Jazz Experience (von links): Matthias Meusel, Roger Cicero, Hervé Jeanne und Maik Schott im "Gwäxhaus" bei Fuchsmühl. Bild: Werner
Kultur
Fuchsmühl
30.03.2015
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Draußen stürmte es, drinnen blies ein Jazz-Orkan: Roger Cicero riss im "Gwäxhaus" bei Fuchsmühl 550 Fans von den Sitzen. Auch ohne "Frauen regier'n die Welt".

Hans-Joachim Schinner hatte eigentlich einen "Kulturschock" für Roger Cicero befüchtet. Von der Echo-Verleihung am Freitag in Berlin am Sonntag in das "Gwäxhaus" nach Güttern bei Fuchsmühl (Kreis Tirschenreuth) - kann das gut gehen? Der Chef der Gärtnerei Schinner durfte sich nach Ende des knapp zweistündigen Konzertes beruhigt auf sein Sofa legen. Experiment geglückt, "The Roger Cicero Jazz Experience" wurde von den Zuschauern mit Ovationen gefeiert.

Der 44-jährige Cicero ist ein Künstler mit vielen Facetten. Den Echo 2015 hat er für "Sing meinen Song - das Tauschkonzert erhalten." Ein beachtetes TV-Event unter anderem mit Xavier Naidoo und Sarah Connor. Vor sieben Jahren bekam er die Auszeichnung als "Bester Künstler Rock/Pop national". Seine Alben sind mehrfach Platin-prämiert. Mit seiner Big Band füllt er große Hallen. 2007 belegte er für Deutschland beim Eurovision Song Contest den 19. Platz. Doch die wahre Leidenschaft des Berliners gehört dem Jazz. Cicero hat Jazzgesang im niederländischen Hilversum studiert. Durch seine Pop- und Swing-Hits hat er sich die Freiheit verschafft, auch unkonventionelle Wege zu beschreiten.

Faszinierendes Ambiente

Mitten im Stiftland also der Auftakt für 16 weitere Jazz-Konzerte in diesem Jahr. Ein faszinierendes Ambiente für einen beschwingten Sonntagabend. Roger Cicero meinte zu Beginn völlig begeistert: "Als wir hörten, dass wir im ,Gwäxhaus' spielen, fanden wir den Namen ziemlich cool. Aber wir dachten, dass das nur so heißt ... Das ist auf jeden Fall der schönste Backstage-Bereich, den wir jemals hatten."

Mit seinen drei Musikern lieferte Roger Cicero herrlich verjazzte Coverversionen ab. Matthias Meusel (Schlagzeug), Hervé Jeanne (Bass) und Maik Schott (Piano) erhielten von den begeisterten Zuhörern immer wieder Zwischenapplaus für ihre exquisiten Soli.

Die Bandbreite der Songs - verblüffend! Roger Cicero wagte sich zum Beispiel an Bob Marleys "Is this love" und gestand: "Reggae ist normalerweise nicht mein Kerngebiet, aber was Bob Marley anfasst, das ist einfach großartig." Umwerfend auch das Cover von Paul Simons "50 ways to leave your lover". Nicht wiederzuerkennen im Free-Jazz-Gewand Van Morrisons "Moondance", bei dem Cicero lachend einräumte: "Für diese Version hätte uns Morrison niemals die Freigabe für eine CD gegeben."

Auch an die Beatles wagte sich Cicero mit seinem Jazz Experience. "The long and winding road" war einer der Höhepunkte. Der 44-Jährige gestand: "Für mich wäre ein solcher Abend ohne ein Stück von den Beatles nicht möglich gewesen." Gänsehaut pur bei der Zugabe "Waltzing Matilda" von Rod Stewart. Cicero sang für einen Moment allein, ohne Mikrofon, ohne technischen Schnickschnack. Eine großartige Stimme!

Eine irre Erfahrung

Und so schickte er die Zuhörer beglückt raus aus dem "Gwäxhaus", rein in die Regenschauer. Nicht ohne ein Kompliment für das aufmerksame Publikum: "Viele fragen sich bestimmt, warum wir nicht ,Frauen regier'n die Welt' spielen. Das tun wir nicht. Es ist trotzdem geil, dass ihr heute hier so mitgeht." The Jazz Experience - eine irre Erfahrung, eine musikalische Offenbarung.
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