Hubert Treml
Märchenprinz spricht Mundart

Abwechslungs- und gestenreich entführte Hubert Treml sein Fuchsmühler Publikum hinein in die Märchenzeit, als noch Könige die Welt und Hexen die düsteren Wälder regierten. Bild: wro
Kultur
Fuchsmühl
20.09.2016
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Wo ist ein Prinz am besten aufgehoben? Genau, im Schloss. Mit einem abendfüllenden Sammelsurium unter dem etwas eigenwilligen Titel "I spinn" begeisterte Hubert Treml als Märchenerzähler sein Publikum im wieder erstandenen Schlosshotel.

Mit Humor, Kontakt zum hautnah sitzenden Publikum und der wohltuenden Präsenz einer fast wieder salonfähig gewordenen Mundart lässt sich ein zauberhaftes Abendprogramm leicht gestalten. Bei dem am Freitag von Hubert Treml dargebotenen Wort- und Liederallerlei aus der Grimmschen Hexen-, Königs- und Prinzessinnenwelt waren die Stunden rasch verflogen. Dass die Märchen ein wenig anders waren, als aus den Büchern bekannt, lag auf der Hand. Der Oberpfälzer hatte da so seine eigenen Versionen.

Mit seiner Gitarre und viel Witz sorgte der Regensburger für einen ungewöhnlichen Märchenabend. Seine originell formulierten Abenteuer erinnerten an längst vergangene Zeiten, in denen man aus Stroh noch Gold spinnen konnte, Hexen von Kindern entzaubert wurden oder kunstvoll gefertigte Haargeflechte als stabile Kletterhilfe dienten. Der poetisch-heitere Nonsens auf Oberpfälzisch begeisterte nicht nur Märchenliebhaber, sondern auch diejenigen, die Hubert Treml einfach nur live erleben oder das wiedererwachte Schlossanwesen näher kennenlernen wollten.

Auch wenn Hubert Treml zum Auftakt seiner Burgen- und Schlössertour ein wenig nervös wirkte, eroberte er die Herzen des Publikums schnell. Er wusste: Ein treues Publikum verzeiht auch einen klitzekleinen Fehler wie eine vergessene Textzeile. So etwas könne auch einem erfahrenen Entertainer passieren, lächelte er und ließ sich angesichts des Hängers - an den Saiten der Gitarre zupfend - nicht aus der Fassung bringen. Gedankenverloren durchsuchte er seinen Requisitenkoffer und entdeckte darin den vorsorglich mitgebrachten Text. Man meinte fast, als hätte sich der alleine agierende Gastgeber vorgenommen, die umfangreiche Gebrüder-Grimm-Sammlung an einem einzigen Abend zu erzählen. Pausenlos - immer auch das Märchenwissen seines Publikums strapazierend - erzählte er, wirkte in Gestik und Mimik wie aufgezogen. Zu bunten Requisiten verwandelten sich glänzende Tücher. Als leichte Kulisse dienend begleiteten sie Treml hinüber zur Pause.

"Ich wollte mir das einfach mal anschauen", verriet eine auswärtige Besucherin, die schon viel vom Mundart-Märchenprinz gehört hatte. Tremls bescheidene Aufforderung "Tut's halt so, als ob es euch gefallen würde" war gar nicht nötig. Die Besucher klatschten, lachten und sangen mit, soweit es die Textkenntnisse halt erlaubten. Zum Schluss forderte man noch eine Zugabe ein. Mit lustigen Vierzeilern bedankte sich Treml fürs Kommen und verabschiedete sich mit einem standesgemäßen "Servus".

Das Programm "I spinn" kam in der zauberhaften Umgebung des herrschaftlichen Anwesens gut an. Bis zum Frühjahr führt die Gastspielreise Hubert Treml noch in viele bekannte Orte der Oberpfalz, "Genaugenommen geht's durch die ganze Welt", wies der Künstler in seiner leicht übertreibenden Art auf den Tourneeplan hin. "Wenigstens auf die Bühnen der hiesigen Burgen- und Schlösserwelt." Wer den speziellen Märchenabend verpasst hat, kann Hubert Treml an zehn weiteren Stationen der Oberpfalz erleben, unter anderem am 3. März 2017 in der Burg Falkenberg.
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