Alfred Wolfsteiner stellt Buch über "Bauerngeneral" Georg Heim vor - Biografie mit bislang ...
Hilfsfonds für angeklagte Fuchsmühler Holzrechtler

Die Holzschlacht kam gelegen, um sich als Zentrumskandidat zu etablieren.
Lokales
Fuchsmühl
23.10.2014
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Eine Premiere erlebten die Besucher des Festakts zum Holzschlacht-Jubiläum. Alfred Wolfsteiner stellte seine Biografie über Georg Heim erstmals der Öffentlichkeit vor. "Dr. Georg Heim stand zu Fuchsmühl und zu den Ereignissen um die Holzschlacht in enger Beziehung."

Zur Buchvorstellung angereist war auch Verleger Friedrich Pustet, der kurz in den 18. Band "kleiner bayerischer Biografien" einführte. Mit 140 Seiten sei das Werk "Georg Heim - Bauerngeneral und Genossenschaftler" zwar nicht groß, "aber durchaus kein Leichtgewicht, sondern fundiert".

Als Wolfsteiner sich vor über 20 Jahren erstmals mit der Fuchsmühler Holzschlacht beschäftigte und 1993 seine "Chronik eines Skandals" erschien, stieß er in den Archivalien zur Holzschlacht auf den Namen Heim. "Auch mir war, wie vielen anderen, der Name Heim bis dahin kein Begriff."

In "Amberger Volkszeitung"

Heim war es, der von Wunsiedel aus, wo er als Realschullehrer beschäftigt war, als Erster die Öffentlichkeit in der "Amberger Volkszeitung" über die "Fuchsmühler Vorgänge" informierte. Viele andere Zeitungen hätten sich auf Heims Veröffentlichungen gestützt, bis sie schließlich selbst Reporter nach Fuchsmühl schickten. Heims Artikel gipfelte in dem Satz, dass einige Tausend Baumstämme kein Menschenleben aufwiegen könnten. Alfred Wolfsteiner: "Dr. Heim war es auch, der schließlich 1904/1905 durch sein Verhandlungsgeschick den Holzstreit zwischen den Fuchsmühlern und Baron von Zoller beilegen konnte."

Heim war zu der Zeit als Politiker etabliert, gehörte seit 1897 als einer der jüngsten Politiker dem Landtag an. "Die Polit-Karriere Georg Heims nahm mit den Fuchsmühler Ereignissen ihren Anfang", führte der Buchautor aus. "Die Holzschlacht kam gelegen, um sich als Zentrumskandidat zu etablieren." In der damals politisch wie wirtschaftlich unruhigen Zeit bestand für die überwiegend konservative ländliche Wählerschaft die Gefahr, dass sie bei den anstehenden Wahlen ins Lager der antiklerikalen Bauernbündler oder gar der Sozialdemokraten abwandern könnte. Dies galt es aus Sicht Dr. Heims zu verhindern, so Alfred Wolfsteiner.

Nach Raiffeisen-Vorbild

Dr. Heim hatte sich im Grenzgebiet zwischen Oberfranken und der Oberpfalz mit Beginn seiner Tätigkeit in Wunsiedel dem Genossenschaftswesen verschrieben und gründete neben der Fichtelgebirgs-Verkaufsgenossenschaft im Laufe der Zeit zahlreiche landwirtschaftliche Genossenschaften nach dem System Raiffeisen. "Große Unterstützung erhielt er von der örtlichen Geistlichkeit." Im Hinblick auf die Holzschlacht-Prozesse sammelte Heim rund 3000 Mark für einen Rechtshilfefonds. Außerdem gründete er, noch vor der Gerichtsverhandlung gegen die Fuchsmühler Holzrechtler in Weiden, einen "christlichen Bauernverein für die nördliche Oberpfalz". Die Auftaktveranstaltung fand am 3. März 1895 in Fuchsmühl statt.

Die christlichen Bauernvereine waren es, die Heim auch künftig politisch tragen sollten, berichtete Alfred Wolfsteiner. "Heim versuchte bereits bei den Wahlen von 1895 den damaligen Landtagsabgeordneten Johann Baptist Lehner zu beerben." Nachdem Lehner für die Fuchsmühler keinen Finger gerührt hätte, habe ihn der ehrgeizige "junge Wilde" Heim massiv attackiert. Georg Heim kandidierte bei den anstehenden Wahlen schließlich für den Wahlkreis Amberg, scheiterte aber. Als Lehner 1897 überraschend starb, gewann Heim in der Nachwahl dessen Mandat, sowohl für den Landtag als auch für den Reichstag. "Ab diesem Zeitpunkt sollte der streitbare Heim die bayerische Politik massiv mitbestimmen. Nicht nur als Abgeordneter und Zentrumspolitiker, sondern auch als Publizist und Genossenschaftler. Denn Heim war es, der für die Mitglieder der Christlichen Bauernvereine eine eigene Zentralgenossenschaft ins Leben rief, die ab 1900 höchst erfolgreich war."

Sozialer Aufstand

Das Buch über Georg Heim ist mit zahlreichen Bildern, zum Teil unveröffentlichten Fotografien aus Familienbesitz, ausgestattet. "Nachdem die letzte Biografie von Dr. Heim 1960 erschien, war es dringend notwendig diesen Mann, der weitgehend vergessen ist, zu seinem bevorstehenden 150. Geburtstag im April nächsten Jahres wieder dem Vergessen zu entreißen", so der Autor. Ein Kapitel hat er dabei der Holzschlacht gewidmet, um die Ereignisse dieses sozialen Aufstandes von 1894 in Fuchsmühl auch bayernweit einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen.
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