Auf Holzschlacht folgen soziale und wirtschaftliche Umbrüche - Samstag Gedenkfeier und ...
Friedlicher Protest der Bauern endet in Gemetzel

Lokales
Fuchsmühl
17.10.2014
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Die Gemeinde Fuchsmühl gedenkt am Samstag, 18. Oktober, der traurigen Ereignisse der Holzschlacht vor 120 Jahren. Die Feierlichkeiten bilden dabei den Rahmen für eine Tagung der Regionalgruppe Otnant im Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg.

"Verwalten bedeutet noch nicht regieren", hatte Conrad Graf von Preysing, Reichstagsabgeordneter und Mitglied der bayerischen Reichskammer, dem damaligen Finanzminister von Riedel im Jahr 1896 entgegnet, als dieser in einer Kammersitzung einseitig das Interesse des Fuchsmühler Gutsbesitzers Freiherr von Zoller zur Geltung bringen wollte", fasst Erich Schraml zusammen. "Das war zwei Jahre nach den Ereignissen, die man in bayerischen Regierungskreisen verharmlosend die Fuchsmühler Affäre nannte, im Volksmund aber als Fuchsmühler Holzschlacht bis heute überliefert ist", erläutert Heimatforscher Schraml, der am Samstag bei der Otnant-Tagung einen Vortrag hält. Erich Schraml: Fuchsmühl war im Jahr 1894 königlich-bayerisches Kronlehen, das seit 1820 verdienstvollen hohen Staatsbeamten oder Soldaten vom König direkt verliehen wurde. Dazu gehörte natürlich die kommerzielle Nutzung des dazugehörigen Grund und Bodens, einschließlich des Waldes. Seit dem Jahr 1842 war das Lehensgut Fuchsmühl an die Adelsfamilie von Zoller vergeben, die es, sofern männliche Nachkommen vorhanden waren, direkt an diese weitervererben konnte.

Streit vor Gericht

Schon seit Ende des 18. Jahrhunderts gab es immer wieder gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen dem jeweiligen Gutsherrn und seinen Hintersassen, informiert Schraml. "Streitpunkt waren überlieferte Holzrechte. Eigentümer dieser Holzrechte waren überwiegend Bauern; die Kleingewerbetreibenden und Taglöhner, aus denen sich ein großer Teil der Fuchsmühler Hofmarksinsassen zusammensetzte, waren davon nicht betroffen. Am 29. und 30. Oktober 1894 eskalierten schließlich diese Streitigkeiten, weil der Majoratsherr von Zoller das seit zwei Jahren ausständige Rechtholz nicht anweisen ließ."

Selbstjustiz

Die Fuchsmühler Bauern schritten zur Selbstjustiz und fingen an, im Fuchsmühler Wald Holz zu schlagen. Am 30. Oktober 1894 rückte Militär an. Die Bilanz nach "Wiederherstellung der Ordnung": zwei Tote, vier Schwerverletzte und sieben leichter Verwundete, nur auf seiten der Dorfbewohner. "Im Strafprozess wurden 140 Urteile wegen Landfriedensbruchs ausgesprochen, von denen fast alle schon im November 1895 auf dem Gnadenweg wieder erlassen wurden", berichtet Erich Schraml und betont: Die Folgen waren vielschichtig für Staat und Gesellschaft. Die scharfe Reaktion des Staates hatte in der gesamten Region Angst und Resignation ausgelöst.

Zugeständnisse

Erich Schraml ergänzt: "Der Adel in der Kammer der Reichsräte hatte die Schwächen der Regierung klar erkannt und war bestrebt, den Riss, der sich aufgetan hatte, wieder zu schließen. Noch konnte das Volk mit kleinen Zugeständnissen beruhigt werden. Der Umbruch, der schließlich im Jahr 1918 alle Schleusen öffnen sollte, warf durch diese Geschehnisse bereits seine Schatten voraus." (Hintergrund)
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