Einst Sitz eines Edelmannes

Diese historische Aufnahme der Schlossanlage aus dem Archiv des Heimatkundlichen Arbeitskreises zeigt links das Herrenhaus, in der Mitte das Verwaltergebäude und rechts die Kapelle. Bild: privat
Lokales
Fuchsmühl
25.03.2015
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Neues Leben in ein Kleinod bringt Bernd Artinger, der das Schlosshotel Fuchsmühl aus dem "Dornröschenschlaf" holt. Die Wiedereröffnung am Freitag macht neugierig - auch auf die Geschichte des Schlosses.

Fundierte Informationen liefert Erich Schraml, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises: Das zusammenhängende heutige Ortsbild verfälscht den Blick auf den historischen Werdegang des ehemaligen kurpfälzischen Gutsbezirks und die dazugehörige Haus- und Hofgeschichte.

Die geschichtlichen Anfänge finden sich an der südlichen Gemeindegrenze zur heutigen Marktgemeinde Wiesau, weiß Erich Schraml. Hier hatte wohl schon vor dem Jahr 1000 nach Christus ein bayerischer Siedler mit dem heutigen Namen Fuchs, damals ein bayrischer "Fuass", zwei, vielleicht auch noch mehr Höfe erbaut und sich dort niedergelassen. Seinen adligen Ansitz nannte er "Vossenhofen", die Höfe des "Fuass". Es ist der heutige Fuchsmühler Ortsteil Fürstenhof. Der gegenwärtig gültige Ortsname "Fürstenhof" ist jedoch eine Namensverfälschung, die bereits Anfang des 17. Jahrhunderts zu lesen ist. Erstmals taucht im Jahr 1259 in einer Waldsassener Urkunde der Name des Ortsteils auf, ein "Ulricus de Vossenhoven" bestätigt mit anderen lokalen Adeligen einen Rechtsakt für das Kloster Waldsassen. Sicherlich war "Ulrich vom Fuchsenhuaf", wie Fürstenhof auch heute noch mundartlich heißt, kein direkter Nachfahre des Ortsgründers, so Erich Schraml.

Geschützte Senke

In etwa 500 Meter Entfernung südwestlicher Richtung liegt in einer geschützten Quellsenke das Fuchsmühler Schloss.Es wird 1363 als "Vossenmul", also "Fuchsmühle" erwähnt, die damals ein Hans Heckel in Besitz hatte. Hier zeigt sich nun, dass der Herrschaftssitz, wahrscheinlich im 13. Jahrhundert, von der weithin sichtbaren Hanglage des "Fuchsnhuaf" in die durch Wasser und Sumpf besser geschützte Senke verlegt worden ist. Weiter hat der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises recherchiert: Der heutige Schlossteich war jahrhundertelang ein Bestandteil des damals den ganzen Adelssitz umfassenden Wasserstaus, zu dem auch noch eine Wassermühle gehörte, die Namensgeberin der heutigen Ortschaft Fuchsmühl.

Nicht ganz 100 Jahre hatte die Familie Heckel Fuchsmühl und die dazugehörigen Höfe in Niederreuth und "Fuchsenhof" in Besitz. Im Jahr 1394 ging das Lehengut Fuchsmühl von den Herren von Leuchtenberg auf die kurpfälzische Linie der Wittelsbacher per Schiedsspruch über. Damit war eine mehr als 500 Jahre andauernde Zugehörigkeit zum Haus Wittelsbach als persönliches Hausgut der Kurfürsten und späteren Könige geknüpft worden.

Schon 1402 verpfändete der pfälzische Kurfürst Herzog Ruprecht der Jüngere das Gut Fuchsmühl aus Geldnot an das Kloster Waldsassen. In der Zeit der waldsassischen Verpfändung muss der Gutsbezirk ziemlich verkommen sein. Insbesondere die herrschaftliche Mühle verfiel nach und nach. Erst unter dem Lehensnehmer Hans von Trautenberg konnte sich die Herrschaft Fuchsmühl langsam wieder konsolidieren. Ab ungefähr 1520 begann der Trautenberger mit dem Neubau eines "Edelmannsitzes". Sein Sohn Christoph von Trautenberg fügte dem Schlossbau im Jahr 1570 noch eine Kapelle hinzu, die sogar mit einer Stiftungssumme abgesichert war.

Älteste evangelische Kirche

"Da diese schon zu Anfang als evangelisch-lutherischer Kirchenbau gewidmet war, gilt sie sicherlich als einer der ältesten evangelischen Kirchenbauten unseres Raumes, der von Anfang an als solcher bestanden hat", informiert Schraml. Eine Mauerumfassung ist seit dem Dreißigjährigen Krieg bekannt. Im Jahr 1654 veräußerte der letzte Trautenberger auf Fuchsmühl das Lehengut an die böhmische Adelsfamilie Daniel von Froschhammer. Die investierte sehr viel in die Schlosskapelle, die mit einer barocken Inneneinrichtung und einem Marienpatrozinium ausgestattet wurde. Ebenso initiierte sie den Bau der Fuchsmühler Wallfahrtskirche.

Aus dieser Zeit gibt es eine erste Beschreibung über die damalige Bauweise des Schlosses. "Zum ersten besteht die Befestigung zu Fuchsmühl aus einem Schloss, welches der Weiher umfasst, worin fünf Gebäude mit Stuben, Kammern, Gewölben und Getreideboden sind, bei letzterem befindet sich die Schlosskapelle ,zur Maria Erfreuung'". Das Herrenhaus dürfte zwischen 1780 und 1800 erbaut worden sein. Heute gehört ein Teil des Schlosskomplexes der Gemeinde Fuchsmühl und der andere, ein Hoteltrakt, einem privaten Besitzer.
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