Fördern, fordern, nicht bemuttern

"Integration bedeutet, dass die Menschen lernen, ihr Leben in Deutschland alleine zu organisieren", sagt Migrationsberaterin Karin Lukes. Sie macht Angebote, hilft gerne, fordert aber auch Engagement ein. Bild: hd
Lokales
Fuchsmühl
27.02.2015
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Sie geht auf die Menschen liebevoll zu, ermuntert, hilft. Doch sie bemuttert nicht. Karin Lukes fördert, fordert aber auch. Als Migrationsberaterin betreut sie die syrischen Flüchtlinge, die seit rund einem halben Jahr in Fuchsmühl leben.

Die in der Steinwaldgemeinde untergebrachten Kriegsflüchtlinge sind freilich nur ein Teil der Menschen, um die sie sich mit Hingabe kümmert. Karin Lukes ist für die gesamte nördliche Oberpfalz zuständig. Und so sind es aktuell rund 700 Frauen, Männer und Kinder, mit denen sie in regelmäßigem Kontakt steht.

Karin Lukes arbeitet seit 22 Jahren als Migrationsberaterin der Diakonie Weiden. Sie knüpft Kontakte und sagt: "Ich kann Hilfe leisten." Voraussetzung sei, "dass die Menschen ein Bleiberecht in Deutschland haben", erläutert Lukes. Sie setzt sich ein, dass ihr anvertraute Migranten das ihnen zustehende Geld bekommen. Auch kümmert sie sich, dass es bei den Kindern mit Schul- oder Kindergartenbesuch klappt.

Häufig traumatisiert

Spontan fällt der 60-Jährigen keine Nationalität ein, mit der sie nicht schon zu tun hatte. Auch Polen, Tschechen, Russen holen sich bei ihr Rat. Kriegsflüchtlinge, beispielsweise aus Syrien, seien häufig traumatisiert. Karin Lukes stellt die Kontakte zu den Ärzten her. Gespräche mit Banken, Versicherungen und Krankenkassen, aber auch Familienzusammenführung und Sprachkursvermittlung gehören praktisch zum Tagesgeschäft. "Das gibt es oft komplexe Sachverhalte, die bei anfangs geringen Deutschkenntnissen von den Migranten kaum zu verstehen sind." Bei all diesen Aufgaben ist eines Voraussetzung: "Ich brauche das Vertrauen der Menschen."

Sie arbeitet mit der Methode Casemanagement, gibt als Fall-Manager viel und freut sich, wenn etwas davon zurückkommt, "wenn man merkt, dass die Integration Fortschritte macht". Oft seien es die kleinen Erfolge, die beflügeln. Dabei hilft sie individuell, macht auf den jeweiligen Menschen zugeschnittene Angebote. Besonders wichtig sind dabei Sprachkurse. Und je weiter es hier vorangeht, umso mehr verlangt Karin Lukes auch von ihren "Schützlingen". Immer mehr müssen sie auf sich gestellt erledigen. "Ziel ist ja, dass alle alleine ihr Leben organisieren und in Deutschland zurechtkommen." Und dazu gehöre auch, vor allem die jungen Menschen an die Arbeitswelt heranzuführen. Die syrischen Flüchtlinge in Fuchsmühl seien auf einem guten Weg. Im Juni ende der Sprachkurs der Volkshochschule, was dann auch einen Wechsel in der Unterkunft zur Folge haben könnte. Einige Familien wüssten schon jetzt, dass sie wegziehen, nach München und Regensburg, Nürnberg oder Weiden. Auch hier hilft Karin Lukes, nutzt bei der Wohnungssuche das Netzwerk der Diakonie.

Regelmäßig Sprechstunden

Die 60-Jährige ist jeden Dienstag und bei Bedarf auch am Donnerstag in einem Büro im Fuchsmühler Rathaus anzutreffen, das ihr Bürgermeister Wolfgang Braun zur Verfügung gestellt hat. "Das ist ein Mann, der kümmert sich." Er habe viel organisiert, auch den VHS-Sprachkurs, den Angelika Kennedy leite. "Der läuft super." Karin Lukes dankt aber nicht nur dem Fuchsmühler Bürgermeister ("ein toleranter Mensch") und den Mitarbeitern im Rathaus. Viele Ehrenamtliche aus Fuchsmühl und Umgebung hätten Zeit geopfert und die Kriegsflüchtlinge beispielsweise zum Einkaufen gefahren. Angelika Würner von der Arbeiterwohlfahrt habe Krankentransportfahrten organisiert. Karin Lukes lobt: " Ich habe die Fuchsmühler als sehr offenen Menschenschlag kennengelernt."
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