Frech und pointenreich

Aus sicherer Distanz kann "Ottokar" (Berthold Höcht) mit "Oma Tilli" (Angela Sperrer) ganz nett plaudern. Bild: wro
Lokales
Fuchsmühl
01.11.2015
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"Polizeiwache 007" stand auf den Plakaten. Doch die Fuchsmühler Theatertruppe schrammte bewusst haarscharf am Thema vorbei. Die Besucher hatten ihre helle Freude und erlebten einen "Käfig voller Narren".

Die frech aufspielende Theatergruppe um Regisseur Wolfgang Lang sorgte für eine tolle Premiere. Ein kurzweiliger Abend, den die Theaterfreunde aus der Region sichtlich genossen. Eine Stammzuschauerin brachte es auf den Punkt: "Ich freue mich jetzt schon auf euch, wenn ihr im Frühjahr auf der Bühne steht." Dass es in einer beschaulichen Polizeiwache mit der Nummer 007 genauso stressig zugeht wie in einem "Tatort", hatte sowieso kaum einer erwartet.

Nachdem der frühere Chef in Pension gegangen ist und die Nachfolger Huber und Wimpel ihre Augen auf Recht und Ordnung geworfen haben, sollte nichts mehr schiefgehen, wenigstens was die Büroruhe anbelangt. Was wann wo zu tragen sei, Uniform oder Kochschürze, Kochlöffel oder Dienstmütze? Die Kleiderordnung wurde stets den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Was nicht benötigt wurde, verstaubte schon mal im Waffenschrank.

Schreck am Rollator

"Ottokar Greifer", blendend gespielt von Berthold Höcht, war der schlitzohrige Pensionär schlechthin. Höcht gestaltete den pfiffig mobilen Schrecken am Rollator dermaßen überzeugend, dass die im Saal sitzende Pflegedienstleiterin des Senioren-Servicehauses vorsorglich schon mal Notizblock und Bleistift heraussuchte, um sich Namen und Adresse zu notieren.

"Polizeiwache 007" stand auf den Plakaten. Doch die Fuchsmühler Theatertruppe schrammte bewusst haarscharf am Thema vorbei. Die Besucher hatten ihre helle Freude und erlebten einen "Käfig voller Narren". Bilder: Werner Robl

Höcht hatte nicht nur einmal die Lacher auf seiner Seite und sein Publikum souverän im Griff. Genauso wie Ernst Tippmann, der als flotter Heiratsschwindler "Hasso Graf" absolut überzeugen konnte, und dem man die "Sorge" um die anvertrauten Kassen seiner hilfesuchenden Opfer vorbehaltlos abnahm.

Ein tolles "Meischen"

Zweifellos wussten auch die weiteren Ausnahmedarsteller in ihren Rollen mehr als zu überzeugen. Da wären die "Kochkünstler" Manfred Beer und Alexander Derwart zu nennen. Sie nahmen sich alle Zeit der Welt, ihre Rollen genüsslichst auszukosten. Ebenso wie Andrea Hecht: Ihr Part als "Käthe Meise" - "Meischen" genannt - schien der bewährten Darstellerin förmlich auf den Leib geschrieben. Hechts Spielfreude, Mimik und Gestik - einfach grandios.

Ebenso auch "Palmine Soft". Dem Namen keine Ehre machend und alles andere als soft räumte eine souverän agierende Sabine Eger augenblitzend und bratpfannenbewaffnet mit sämtlichen Männervorurteilen erbarmungslos auf. Lange schon den "Anfängerschuhen" entwachsen, war es ihr auch vorbehalten "schlagkräftige" Argumente beizusteuern. Positiv aufgefallen sind auch die beiden Jungstars: Thomas Beer ("Armin Klug") und die geschickt agierende Christina Hößl als "Molly Storch". Die Glücksfälle der LSG spielten mit den älteren "Theater-Hasen" absolut auf Augenhöhe. Und dafür gab es auch reichlich Schlussapplaus.

Die heimlichen Hauptrollen hatten "Oma Tilli" (Angela Sperrer) und Johanna Thoma als "schwarz" putzende "Erna Krawuttke" übernommen. Spielleiter Wolfgang Lang hatte nicht nur ein gutes Händchen bei der "Mannschaftsaufstellung", sein Bleistift gab dem Stück auch eine unverhoffte Wendung und lieferte zusätzliche Pointen. Die "Pausenfüller", die "Pechlattenfixner Dorfmusikanten", verstanden es heiter "an der Uhr zu drehen". Nicht vergessen werden darf Souffleuse Margitta Sandner, die mit dem textsicheren Ensemble kaum Mühe hatte.
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