Gegen Ungerechtigkeit aufstehen

"Tun wir nicht so, als sei alles in Ordnung. Richten wir den Blick auf die Wunden der Welt", appellierte Pfarrer Varghese Kanjamala im Gedenkgottesdienst. Bild: wg
Lokales
Fuchsmühl
20.10.2014
4
0

"Vor 120 Jahren haben die Fuchsmühler um ihr Holzrecht gekämpft, um ihre Lebensgrundlage, um ihre Menschenrechte", erinnerte Pfarrer Varghese Kanjamala in einem Festgottesdienst. Seine Bitte: "Gedenken wir heute besonders derer, die damals dafür ihr Leben gelassen haben."

Der Festgottesdienst in der Wallfahrtskirche "Maria Hilf" zum Gedenken an die Holzschlacht vor 120 Jahren war ausgezeichnet besucht. Die musikalische Umrahmung übernahm der Kirchenchor. Nachdem Weihbischof Reinhard Pappenberger kurzfristig wegen eines anderen Termins hatte absagen müssen, übernahm Pfarrer Varghese Kanjamala auch die Festpredigt.

Dabei machte der Fuchsmühler Seelsorger deutlich: Das Kreuzzeichen zeigt, dass Christsein ein Geschenk Gottes ist. Kanjamala freute sich über die vielen Gäste, die sogar aus der Partnergemeinde St. Leonhard angereist waren.

Gierig nach Macht

Ohne Gerechtigkeit könne es kein gutes Zusammenleben geben, so der Geistliche. "Doch nicht immer folgen wir der Weisung Gottes. Immer wieder sind wir lieblos, egoistisch, gierig nach Macht und Erfolg - auf Kosten anderer." Deshalb bat der Seelsorger Gott um Erbarmen. Er blickte zurück auf die traurigen Ereignisse im Herbst 1894 in der Schrammlohe, als der Streit zwischen den Holzrechtlern und Freiherrn von Zoller eskalierte. Am 29. Oktober 1894 gingen 180 Männer und Frauen in den Wald, um Holz zu schlagen. Militär schritt ein: Georg Stock und Leonhard Bauer wurden getötet. "Dabei haben sie nur um ihr Recht und ihr Rechtholz gekämpft."

Mit den Lesungen und dem Evangelium ("Ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt") zog Pfarrer Varghese Kanjamala Vergleiche, setzte die Vorgänge vor 120 Jahren in Bezug zum Alten und Neuen Testament und wollte damit zum Nachdenken anregen. Auch verwies er auf eine Erklärung von Papst Franziskus: Die Würde des Menschen gilt mehr als das Wohlbefinden eines einzelnen. Das Bemühen, Unrecht aus der Welt zu schaffen, gehöre zum alltäglichen Leben, so Kanjamala, der Menschenhandel, Ungerechtigkeit und Kriege anprangerte. "Tun wir nicht so, als sei alles in Ordnung." Man müsse den Blick auf die Wunden der Welt richten. "Das Salz der Erde, das Licht der Welt, es geht uns alle an." Auch wenn es schwer sei, sollten Christen von Freude erfüllt unermüdlich in der Verkündigung wirken. "In allen Zeiten der Geschichte gab es den bequemen Egoismus." Die Gedenkfeier rufe dazu auf, Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen, "weil jeder ein Recht auf Leben, auf ein gesünderes, gerechteres Leben hat".

Bereits vor dem Gedenkgottesdienst hatte sich ein Kirchenzug formiert, den Pfarrer Varghese Kanjamala mit allen Ministranten, den Fahnenträgern der Vereine, dem Bürgermeister und Markträten sowie Ehrengästen, darunter eine Abordnung aus der Patengemeinde St. Leonhard im Passeier, anführte. Auch zahlreiche Bürger schlossen sich an und zogen hinauf in den Wald, zum Holzschlacht-Denkmal. Dort erinnerte Bürgermeister Wolfgang Braun in einem Totengedenken an die Opfer der Holzschlacht. "Dieses traurige Geschehen hat im Oktober 1894, hier in der Schrammlohe, Fuchsmühl im Königreich Bayern zu trauriger Berühmtheit gebracht."

Unvergessen

Braun sprach von hoheitlichem Versagen und betonte: "Deshalb ist es für uns und für die zukünftigen Generationen wichtig, dass schwerwiegende Vorgänge medial und politisch aufgearbeitet werden." Für die Fuchsmühler sei es eine Pflicht, an dieses Ereignis auch in der Zukunft zu erinnern und die Vorfälle so unvergessen zu machen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9310)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.