Köstliche Köichla zur Kirwa

Anna Weidner (links) und Käthe Ernstberger (rechts) ging das Köichla-Backen flink von der Hand. Bild: wro
Lokales
Fuchsmühl
16.10.2015
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"Habt ihr auch eure Knie gewaschen?", scherzt Anita Weber-Tretter, bevor sich die Fuchsmühler Senioren ans Köichla-Backen machen.

Anita Weber-Tretter (soziale Betreuung) begrüßt die fleißigen Bäckerinnen, Bewohnerinnen des Senioren-Servicehauses, in der Küche. Wie sich zeigt, spielen aber gewaschene Knie beim großen Kirwaköichlbacktag keine Rolle. Die Aktion "Wir bach'n Kirwaköichler" läuft so ab, wie es viele noch von ihren Großmüttern kennen - traditionell und bodenständig.

Anna Weidner und Käthe Ernstberger hatten daheim schon mal den Teig vorbereitet, "damit's schneller geht". 132 kleine Kugeln liegen auf Backblechen bereit. Die beiden Fuchsmühlerinnen aus dem Ortsteil Güttern kennen die Rezepte und wissen auch ganz genau, wie man die Teigkugeln sorgfältig ausziehen und in heißem Fett herausbacken muss.

Goldbraun

"Das Rezept kennen viele, aber die Jüngeren wollen halt nicht mehr. Vielleicht weil es so viel Arbeit macht oder weil's so riecht. Aber Pommes riechen doch auch", erklären die erfahrenen Köichl-Bäckerinnen, während bereits die ersten Rohlinge im heißen Fett herumschwimmen und die untere Seite einen leuchtend goldbraunen Rand bekommt.

Inzwischen füllen sich auch die "Zuschauerränge". Immer mehr Heimbewohnerinnen nehmen auf den Stühlen entlang des Backofens Platz. Alle freuen sich aufs Helfen und natürlich aufs Probieren der bald fertigen, verführerisch duftenden Kirwaköichla.

Hochzeitsgabe

Eine Bewohnerin des Seniorenheims erzählt von früher, als man sogar die Küche ausräumen musste, damit der Schmierkuchen zum Kühlen ausgebreitet werden konnte. Sie kann sich auch an die Zeit erinnern, als es noch den Kammerwagen gab. Sehr oft musste man gleich zweimal Köichla backen, die leicht erhabenen, runden Hochzeitsgaben hätten sonst nicht gereicht. "Die hat man dann vom Kammerwagen runter auf die Leute geworfen". Dass es früher nur an Fasching, Kirchweih oder hohen Festtagen diese Oberpfälzer Spezialität gab, machte sie umso begehrter, berichtet eine Seniorin, die beim Formen des Schmalzgebäcks langsam wieder Übung findet.

Zwischenzeitlich hat Petra Lippert allen Seniorinnen eine kleine Teigkugel in die Hand gedrückt. Mit der Zeit klappt die Arbeit immer besser. "Schön müssen sie ja nicht sein, schmecken sollen sie", lautet die Devise. Alle helfen beim Ausziehen fleißig mit.

Die Bleche füllen sich Zug um Zug mit fertigem Gebäck. Dabei zeigt sich, dass einige Bewohner des Senioren-Servicehauses das Traditionsgebäck aus der Oberpfalz gar nicht kennen. Seniorinnen aus Rheinland-Pfalz, aus Sachsen und Niedersachsen betrachten die leckeren "Wunderwerke" mit Staunen. Als es ans Verkosten geht, klingt ein begeistertes "Ahh" oder "Ohh" durch die Backstube.

Schließlich verlangt das fröhliche Bäckerteam nach dem süßen Finale: Puderzucker. Am Nachmittag - nach dem Abkühlen - genießen alle die köstlichen Kirwaköichla zu Kaffee und Tee.
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