Nur oberflächlicher ausgebildet

Beim Fachgespräch mit dabei waren (von links) MdL Tobias Reiß, MdB Albert Rupprecht, der Geschäftsführer des Sozialteams Martin Weiß, Bürgermeister Wolfgang Braun und Andreas Neugirg (Senioren-Servicehäuser). Bild: hfz
Lokales
Fuchsmühl
06.12.2015
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Die Bundesregierung scheint ernst zu machen mit der generalistischen Pflegeausbildung. Sollte es so kommen, wäre die Altenpflege als eigenständiger Beruf bald Geschichte.

Die generalistische Pflegeausbildung war Thema eines Fachgesprächs im Senioren-Servicehaus Fuchsmühl. Eingeladen zu dieser Runde hat die Sozialteam Unternehmensgruppe, die im Landkreis Tirschenreuth drei Senioreneinrichtungen mit Standorten in Neusorg, Waldershof und Fuchsmühl betreibt. MdL Tobias Reiß, MdB Albert Rupprecht und Fuchsmühls Bürgermeister Wolfgang Braun diskutierten mit Altenpflegefachkräften aus den Sozialteam Senioren-Servicehäusern der Region zum Thema einer gemeinsamen pflegefachlichen Ausbildung.

Alle Bereiche durchlaufen

Was bedeutet generalistische Pflegeausbildung? Hier sollen die großen Berufsgruppen der Krankenschwester/Krankenpfleger, Altenpfleger und Kinderkrankenschwester/-pfleger zu einer einheitlichen Ausbildung mit dem Abschluss Pflegefachmann /-fachfrau zusammengeführt werden. Hierzu brauchte es gesetzlich einen neuen Rahmen. Inhaltlich soll jeder Auszubildende alle Pflegebereiche durchlaufen und sich dann entschieden, in welchem Schwerpunktgebiet er tätig werden will.

Geschäftsführer Martin Weiß verwies darauf, dass es auch bisher schon möglich und auch gängige Praxis ist, dass zum Beispiel Krankenpfleger und Altenpfleger gemeinsam in Altenpflegeeinrichtungen tätig sind. Hintergrund der geplanten Änderung ist laut Gesetzesentwurf dass die Berufsbilder der Pflege dadurch attraktiver gemacht und gestärkt werden sollen. "Dafür ist der Weg der Generalistik der falsche Weg", zeigt der Leiter des Fachbereichs Senioren-Servicehäuser, Andreas Neugirg Neugirg, auf. Erhebungen zeigen, dass viele Auszubildende in der Altenpflege sich bewusst gegen die Ausbildung in der Krankenpflege entscheiden. Somit würde viel Potenzial an Fachkräften für die Altenpflege verloren geht.

Kontraproduktiv

Sowohl Albert Rupprecht, als auch Tobias Reiß teilten die Meinung, dass dieses Vorhaben eher kontraproduktiv sein wird. Die Diskussionsrunde war sich darüber einig, dass dieses Thema bei den politisch Verantwortlichen in Bund und Land nochmals breit gestreut werden muss. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels set es notwendig den Beruf der Altenpflege zu stärken und nicht in einem Gemisch an Professionen zu demontieren, so Geschäftsführer Weiß. Wenn angehende Pflegefachkräfte alle tangierenden Einrichtungen in der Praxis durchlaufen sollen, müssen sich alle Einrichtungen auf einen erhöhten Durchlauf von Auszubildenden einstellen, der organisiert und koordiniert werden muss. Die Kontinuität der Praxisanleitung sei nicht mehr gegeben. "Es müssen mehrmals im Jahr neue Auszubildende eingearbeitet und begleitet werden."

Die neuen Pflegefachkräfte wären also breit, aber wesentlich oberflächlicher ausgebildet als bisher." Der Bereich Altenpflege bedarf einer eigenen Fachlichkeit, die sich nicht nur auf akutpflegerische und medizinische Aspekte bezieht, sondern soziale und gerontologische, sowie gerontopsychiatrische Aspekte gleichberechtigt berücksichtigt, so Neugirg.

Angemessene Bezahlung

Rupprecht schloss sich den Argumenten an und bekräftigte, dass vor dem Hintergrund des demografischen Wandels es heute dringender denn je ist, dafür zu sorgen, dass engagierte Menschen in die Altenpflege gehen und auch bleiben. Der Schlüssel dazu liegt in den Arbeitsbedingungen und in einer angemessenen Bezahlung und nicht an veränderten Ausbildungsrahmenbedingungen.
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