Regionaldekan Georg Flierl fragt: Wo hört Armut auf, wo fängt Elend an? - Aufrüttelnder Vortrag
Mit den Gläubigen im Dialog

Pfarrgemeinderatssprecherin Christa Müller (Mitte) dankte Dekan Georg Flierl (rechts) mit einem guten Tropfen für seinen Vortrag "Vergiss die Armen nicht". Links im Bild Pfarrer Joseph. Bild: wro
Lokales
Fuchsmühl
27.10.2015
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Wenn Regionaldekan Georg Flierl spricht, dann fesselt er. Sein Publikum hört zu. Denn seine Referate sind keine "Einbahnstraße". Er sucht den Dialog mit den Zuhörern. Auch bei seinem Vortrag in Fuchsmühl genoss das Publikum Flierls Art, Glaubensgrundsätze zu vermitteln.

Der Tirschenreuther Stadtpfarrer war der Einladung des Fuchsmühler Pfarrgemeinderates gerne gefolgt. Der Seelsorger suchte im Laufe des Abends immer wieder den Dialog und stieß auf ein zahlreiches dankbar zuhörendes Publikum. Spontane Fragen, auch plötzliche Zwischenrufe schien der Referent förmlich zu erwarten. Er wich ihnen nicht aus und man merkte ihm an, dass es ihm Freude bereitete, alles detailliert und auch ausführlich erklären zu dürfen. Der zeitweise muntere Dialog bildete das Salz im 90-minütigen Vortrag.

Sicher lag es auch an der Atmosphäre. Bewusst hatten die Pfarrgemeinderäte mit ihrer Sprecherin Christa Müller den kleinen Vortragssaal im Obergeschoss des Jugendheims gewählt. Doch wie so oft war dieser Raum fast schon wieder ein wenig zu klein für die vielen interessierten Zuhörer. Dem abendlichen Thema "Vergiss die Armen nicht" lag ein Zitat zugrunde, das auf die Papstwahl zurückgeht. Kaum war mit Papst Franziskus der Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt, drängte sich der emeritierte Erzbischof von Sao Paolo, Claudio Hummes, durch die Menge der Kardinäle, umarmte und küsste den neuen Papst und sagte: "Vergiss die Armen nicht!" Ein Appell, der zum Nachdenken zwingt und aktueller denn je ist.

Gleich zu Beginn des Vortrags griff Georg Flierl diese Begebenheit und das Zitat auf, um seine Zuhörer auch gleich mit einer Frage zu provozieren: "Ab wann ist man arm? - Wo hört Armut auf, wo fängt Elend an." Überrascht von der Konfrontation und auch ein wenig unsicher war die Reaktion der Zuhörer. Eine Antwort schien und scheint auch künftig schwierig.

Ins Gebet einschließen

Der Regionaldekan zeigte Verständnis dafür, dass das schnelle Reagieren auf Armut vielen schwer falle: "Auch ich nehme mich da nicht aus", gestand Flierl freimütig. "Man reagiert erst, wenn das Problem greifbar wird." Der Seelsorger bat daher - trotz Sorgen und Kritik - Politiker in das Nachtgebet mit einzuschließen. "Wir alle betreten Neuland und niemand hat ein Allheilmittel in der Armuts- und Flüchtlingsproblematik. Bitten wir um Gottes Beistand und Segen." Übrigens: Der "Wahlfuchsmühler" Georg Flierl hat die Gemeinde lange Zeit bis zum Einzug der Vinzentiner als Pfarradministrator betreut und war - nach seinen Worten - gerne wieder einmal nach Fuchsmühl gekommen.
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