Sozialer Umbruch nach der Holzschlacht

In vier Referaten setzten sich die Historiker und Heimatforscher Erich Schraml, Christian Malzer und Alfred Wolfsteiner beim 20. Otnant-Gespräch in Fuchsmühl mit den Hintergründen, Ursachen und Folgen der Holzschlacht im Jahr 1894 auseinander. Im Bild von links Wolfgang Malzer, Ernst Grünbauer, Bürgermeister Wolfgang Braun, Erich Schraml, Alfred Wolfsteiner, Emma Mages, Josef Bauer, Konrad Zrenner und Christian Malzer. Bild: privat
Lokales
Fuchsmühl
25.10.2014
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120 Jahre Holzschlacht: Auch die Regionalgruppe Otnant im Historischen Verein griff das Thema auf.

(kro) Im Mittelpunkt des 20. Otnant-Gesprächs stand das Thema "Soziale, wirtschaftliche und politische Umbrüche am Ende des 19. Jahrhunderts in der nördlichen Oberpfalz". Heimatforscher Erich Schraml: Im Oktober 1894 ereignete sich eine lokalhistorische Episode, die die bayerische Geschichte nachhaltig prägen sollte. Die Fuchsmühler Holzschlacht brachte durch einen Konflikt um althergebrachte Holzrechte den königlich-bayerischen Behördenapparat an seine Grenzen und führte zum Tod zweier Menschen. Nach den Grußworten des Fuchsmühler Bürgermeisters Wolfgang Braun erläuterte Erich Schraml die Holzrechtsproblematik als ein seit dem 18. Jahrhundert mehrfach wiederkehrendes Problem. Dabei identifizierte er die über Jahrhunderte nicht exakt definierten Bezugsmengen und die immense wirtschaftliche Bedeutung der Holzrechte als Reibungsflächen, da hier alte Gewohnheitsrechte mit der neuen Gesetzgebung kollidierten.

Not durch Missernten

Christian Malzer skizzierte die wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen der Landbevölkerung am Ende des 19. Jahrhunderts. Ausgehend von den Schilderungen des Landtagsabgeordneten Wolfgang Bauernfeind erläuterte er die angespannte wirtschaftliche Lage der Bauern durch die Missernten der 1890er Jahre und eine verfehlte Schutzzollpolitik. Hinzu kam die nur zögerliche Annahme neuer landwirtschaftlicher Produktionsverfahren. Die angespannte Situation änderte sich erst als nach der Holzschlacht Politiker und Publizisten die herrschenden Zustände vehement angriffen und neue genossenschaftliche und politische Organisationsformen für die Landbevölkerung erstritten, so Malzer.

Zwei der profiliertesten Akteure dieser Zeit, dem "Bauerngeneral" und Zentrumspolitiker Georg Heim und dem SPD-Mann Adolf Müller widmeten Alfred Wolfsteiner und Erich Schraml zwei weitere Vorträge. Die Karrieren beider Politiker nahmen mit ihrer energischen Berichterstattung im Umfeld der Fuchsmühler Holzschlacht ihren Anfang und führten im Falle Heims zu einem fast 40 Jahre währenden Wirken als Land- und Reichstagsabgeordneter.
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