Sprachrohr für das Wir-Gefühl

Die Mitarbeiter am Band 23 (stehend von links): Erich Schraml, Harald Primitz, Wolfgang Schödel, Eckhard Bodner, Markus Reger, Rainer Schmidt, Robert Schön, Adalbert Busl, Johann Spörrer, Norbert Reger, Monika Kleinhempel, (sitzend von links) Michael Neubauer, Hans Grünwald, Christa Vogl, Rudolf Arndt. Bild: wro
Lokales
Fuchsmühl
01.12.2015
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Von der Plünderung des Pullenreuther Pfarrhofs vor fast 400 Jahren bis zum aktuellen Widerstand der Bevölkerung gegen die geplante Stromtrasse spannt sich der zeitliche Bogen. Auch thematisch ist der neue Heimatband der "Steinwaldia" eine Fundgrube.

Norbert Reger, der Vorsitzende der Gesellschaft "Steinwaldia" Pullenreuth, hatte gleich zweimal Anlass zur Freude. Zum einen, dass der neue 23. Band der Reihe "Wir am Steinwald" druckfrisch in seinen Händen lag, zum anderen, dass das Interesse an dieser Präsentation groß war. Kaum ein Platz im Gasthof "Weissenstein" war frei.

Das sei schon ungewöhnlich, wie Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl in seinen Grußworten feststellte. Der Regensburger zollte der "Steinwaldia" seinen Respekt und nannte das neue Werk "einen spannungsreichen Bogen von der Geschichte zur Gegenwart." Er zeigte sich erfreut, dass auch einem brisanten Thema wie der "Monstertrasse" Platz geschenkt wurde.

Lob für "Leuchtturm"

17 Autoren hatten wieder fleißig daran mitgearbeitet. Die meisten waren nach Fuchsmühl gekommen, um ihre interessanten Beiträge persönlich vorzustellen. Unter den Gästen befanden sich auch die beiden Heimatpfleger Robert Schön und Maria-Magdalena Stöckert. Diese nannte die "Steinwaldia" ein "Leuchtturm-Unternehmen". In ihren Grußworten zeigte sich die Kreisheimatpflegerin skeptisch neuer Archivierungsmethoden gegenüber.

"Früher war es wichtig, dass etwas aufgehoben wurde. Heute steht das ,wie' im Vordergrund." Man stehe bei der Archivarbeit an einem gefährlichen Punkt, nannte sie das Stichwort Digitalisierung. Stöckert weiter: "Dabei ist es stets nötig und auch wichtig, das vorhandene Datenmaterial technisch auf dem aktuellen Stand halten." Ob da die etwas kleineren Archive mithalten können, bezweifelte die Herzogöderin. Stöckert kritisierte auch die Entwicklung des gesprochenen Wortes: "Leider ist die Kunst der Sprache auf einem absteigenden Ast, da brauche ich mir nur die kleinen Kästchen anschauen", spielte sie auf die modernen Mobiltelefone an. Von den "Wischdingern" wenig überzeugt empfahl sie das neue Buch der "Steinwaldia" für den weihnachtlichen Wunschzettel.

Naturparkgeschäftsführer Ernst Tippmann nahm die Gelegenheit wahr, Danke zu sagen. Er lobte die neue Ausgabe: "Das Buch verspricht wieder interessant zu sein." Verleger Eckhard Bodner bezeichnete es als ein Sprachrohr für das "Ich- und Wir-Gefühl der Steinwälder". Dem schloss sich Bürgermeister Wolfgang Braun an und freute sich über den Beitrag aus Fuchsmühl von Erich Schraml zur Geschichte der Holzrechte, Teil zwei.

Abwechslungsreich spannt der 23. Band einen Bogen vom 30-jährigen Krieg bis hinein in die Gegenwart. Lustiges und Besinnliches wechseln sich auf rund 200 Seiten ab. Neben den Holzrechten geht es um "Die Plünderung des Pfarrhofs in Pullenreuth 1632", "Eremiten - Klausner - Einsiedler", einen Heiligen Abend im Jahr 1947, "Die Sage vom gestohlenen Stadbuch".

Nazi-Opfer und Raunächte

Ein Kapitel ist "Heinrich Weinschenk - ein Opfer der Gewaltherrschaft der Nazis" gewidmet. Weitere Themen sind Erbendorfs Beziehungen zu Böhmen gestern und heute, die Wiesauer Waldseen und die Glasschleif. Außerdem geht es um "Storchennest und Baumpflege", "Kultur am Weißenstein", "Gedanken über alte Sitten und Bräuche rund um den Steinwald", "Grenzstaaverrucker", "Die Raunächte" und "Naturnahe Waldwirtschaft im Steinwald".

Wie der Band im Laufe des Jahres entsteht, erzählte Schriftleiter Markus Reger humorvoll. Untermalt wurde die Veranstaltung vom Zitherclub Erbendorf unter der Leitung von Heidi Panzer. Gedichte aus dem neuen Buch und Heiteres von Theo Schaumberger sorgten für einen kurzweiligen Abend.
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