Anklopfen für den Specht

Zwölf Jahre lang dient dieser Baum dem Naturschutz. Revierförster Eckhard Deutschländer (rechts) erklärt den Stamm nun zur Spechtwohnung. Claudia Fuchs, Martin Wittmann und Annette Schödel (von links) begleiteten den Förster bei der Suche nach geeigneten Behausungen im Forstrevier Fuchsmühl der Stadt Augsburg. Bild: wro
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Fuchsmühl
20.05.2016
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Seit rund einem Jahr erkunden Naturschützer die Wälder nahe Fuchsmühl, halten Ausschau nach Spechtwohnungen. Auf der Suche nach Behausungen für seltene Käfer, Fledermäuse und Vögel besuchen sie Waldbesitzer. Regelmäßig klopfen sie auch an die Türen der Forsthäuser.

Einem strengen Regelwerk folgend werden knorrige Laubbäume ausgewählt, anschließend markiert und für zwölf Jahre reserviert. "Vertragsnaturschutz im Wald" nennt sich das seit rund einem Jahr bestehende Förderprogramm, mit dem Höhlen- und Biotopbäume geschützt werden sollen. Die Mitarbeiter der eingebundenen Ämter arbeiten dabei eng zusammen.

Im Forsthaus von Eckhard Deutschländer sitzen Martin Wittmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Claudia Fuchs von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Tirschenreuth und Revierleiterin und Försterin Annette Schödel zusammen. Ihr Ziel ist diesmal das Forstrevier Fuchsmühl der Stadt Augsburg im Steinwald. "Wir von der Unteren Naturschutzbehörde übernehmen die naturschutzfachliche Einschätzung vor Ort," informiert Claudia Fuchs im Gespräch mit unserer Zeitung. Für den forstfachlichen Teil seien Revierleiterin Annette Schödel und Martin Wittmann zuständig. Betreut werden unter anderem auch die Förderabwicklung und die Geoinformationsarbeit.

Fördermittel


Gemeinsam mit Revierförster Eckhard Deutschländer durchkämmen sie an diesem Tag den östlichen Teil des Steinwaldes, um geeignete Biotopbäume ausfindig zu machen. Seit 2015 flossen insgesamt 51 290 Euro an Fördermitteln, 339 Biotopbäume mit Höhlen, Horsten und speziellen Faulstellen wurden inzwischen registriert. Mit jeder Tour kommen wieder einige dazu. Im Verlauf der Wanderung entdeckt Deutschländer eine knorrige Buche. "Zum Verkauf ist sie völlig ungeeignet", beschreibt der Revierförster den eigenwillig gewachsenen Prachtburschen. Als Wohnung für Spechte und Fledermäuse aber sei er wie geschaffen. Deutschländer betrachtet den Baum, er nimmt eine Spraydose zur Hand und markiert den Baumstamm mit einer Zahl. Währenddessen nimmt Martin Wittmann die Buche in seine Bestandsliste auf. Die Baumbewohner sind längst eingezogen. Für zwölf Jahre bleibt die Buche nun unverkäuflich. Der Wald der Stadt Augsburg bei Fuchsmühl stelle eine Brücke für "Urwaldarten" zwischen dem Teichelberg mit seinem Naturwaldreservat und dem Kern des Steinwaldes her, erklärt Claudia Fuchs von der Unteren Naturschutzbehörde im weiteren Verlauf der Steinwaldexkursion. Die Mitarbeiterin am Tirschenreuther Landratsamt vergleicht das weitläufige Waldgebiet mit einer Perlenkette. Der Lebensraum seltener Tierarten, wie des Schwarzspechts oder des Sperlingskauzes, werde mit dieser Maßnahme erheblich vergrößert, betont Fuchs und sagt: "Wenn es keinen menschlichen Einfluss gäbe, würden diese Tierarten die Urwälder bewohnen." Claudia Fuchs informiert, Waldbesitzern, die den Schutz dieser Biotopbäume gewährleisten, werde eine Förderung nach dem Programm "Vertragsnaturschutz" gewährt. Nach der erfolgreichen Suche nach geeigneten Lebensräumen prüft Martin Wittmann seine Liste. Die Exkursion hat sich gelohnt. Wieder sind einige neue Spechtwohnungen hinzugekommen. Das sei gelebte, integrative Waldbewirtschaftung, kommentiert der Fuchsmühler Revierförster den gemeinsamen Ausflug in den Fuchsmühler Wald und fährt fort: "Wirtschaftlichkeit und Naturschutz werden auf ein und derselben Waldfläche vereint."

Die Suche geht weiter


Die Arbeit in den umliegenden Wäldern ist längst noch nicht abgeschlossen. Private Waldbesitzer, die Interesse an diesem Naturschutzprogramm haben, können sich beim Revierleiter der jeweiligen Forstverwaltung melden. Weitere Auskünfte gibt auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Tirschenreuth, Telefon 09631/79880. Martin Wittmann ist unter der Telefonnummer 09642/703214 zu erreichen.
Wenn es keinen menschlichen Einfluss gäbe, würden diese Tierarten die Urwälder bewohnen.Claudia Fuchs
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