Erich Schraml referiert beim Historischen Club über die Hintergründe der "Fuchsmühler Holzschlacht"
"Das Blutbad war vermeidbar"

Gut zwei Stunden begeisterte Erich Schraml mit seinem Referat rund um die Ereignisse in Fuchsmühl vor rund 120 Jahren. Schraml hatte dazu auch zahlreiche Bilder und Dokumente im Gepäck und wusste: Mit ein wenig Fingerspitzengefühl hätte das Blutbad verhindert werden können. Bild: wro
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Fuchsmühl
15.01.2016
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Marktredwitz/Fuchsmühl. Als gebürtiger Fuchsmühler befasst sich Erich Schraml gerne mit der Geschichte seines Heimatortes. Als Autor zahlreicher Publikationen trat Schraml mit seinem Fachwissen bereits mehrmals an die Öffentlichkeit. Es lag daher auf der Hand, den Oberpfälzer einmal zu einem Vortrag mit dem Thema "Holzschlacht in Fuchsmühl" nach Marktredwitz einzuladen.

Dr. Peter Seißer, der stellvertretende Vorsitzende des 1827 gegründeten "Historischen Vereins für Oberfranken" zeigte sich beeindruckt von der großen Zahl interessierter Zuhörer, die sich an einem gewöhnlichen Werktagabend Zeit genommen hatten, um von diesem spannenden Thema, das vor über 120 Jahren deutschlandweit für Aufsehen sorgte, ein wenig mehr zu erfahren.

Dass die Forstrechte zu Fuchsmühl gehören, hatten die meisten der Gäste schon einmal gehört. Woher diese Rechte aber stammen und warum sie im Laufe der Zeit auf immer mehr bäuerliche Anwesen ausgedehnt wurden, das konnte auch Schraml nicht mit Bestimmtheit sagen. Fest steht, dass es darum schon immer Streit gab. Immer wieder mussten sich die Fuchsmühler Schlossherren, angefangen von den Baronen aus dem Geschlecht der Froschheims bis zu den Zollers, mit den hiesigen Bauern herumschlagen. Zahlreiche Prozesse wurden geführt, blutige Streitigkeiten selbst in den Wirtshäusern wurden ausgetragen, wusste Schraml. Schließlich kam es zur Eskalation im Wald bei Herzogöd. Alle zehn Jahre erinnert ein Freilichtfestspiel an diese Ereignisse. Der zweite Vorsitzende der Otnant-Gesellschaft hatte viele zeitgenössische Aufnahmen und Kopien historischer Dokumente mitgebracht, zeigte diese auf der Leinwand. Regelmäßig lockerte er seinen interessanten Vortrag damit immer wieder auf, nannte Fakten und Zahlen. Schraml wusste: "Mit ein wenig Fingerspitzengefühl, nicht nur seitens der Obrigkeit, hätte das Blutbad in den letzten Oktobertagen des Jahres 1894 vermieden werden können." Ein hitziger Oberförster, ein überforderter Bezirksamtmann (heute würde man Landrat sagen) und unüberlegt herbeigerufenes Militär aus Amberg führten schließlich zur blutigen "Holzschlacht", die man seinerzeit nur "Fuchsmühler Affäre" nannte.

Erich Schraml spannte einen weiten Bogen von der Gründung Fuchsmühls bis hin zur Gegenwart. Er erinnerte auch an die weitreichenden Folgen der tragischen Ereignisse in der Waldabteilung Schrammlohe. "Die Holzrechte bestehen noch heute", gestritten werde darum aber schon lange nicht mehr, schloss der Fuchsmühler Heimatforscher.
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