Hasan bittet um Entschuldigung

Glauben Sie uns, Deutschland ist uns zur zweiten Heimat geworden.
Vermischtes
Fuchsmühl
01.02.2016
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Der Arbeitskreis "Integration für Flüchtlinge" betreut seit rund eineinhalb Jahren die in Fuchsmühl lebenden Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Einer von ihnen ist Hasan Jawish. In einer ergreifenden Rede bat er stellvertretend um Entschuldigung für die schrecklichen Übergriffe in Köln.

Die syrischen Fuchsmühler, wie sie oft genannt werden, haben sich in der Steinwaldgemeinde gut eingelebt. Auch Hasan Jawish. In seiner ehemaligen Heimat arbeitete er als Ingenieur, floh von dort nach Deutschland und kam nach Fuchsmühl. Inzwischen engagiert er sich ehrenamtlich bei der "Mitterteicher Tafel". Die Ereignisse in Deutschland haben ihn und auch seine Landsleute betroffen gemacht.

Hasan Jawish und einige seiner syrischen Landsleute gehörten zu den Gästen der Jahreshauptversammlung, zu der der Arbeitskreis eingeladen hatte. Wie bei solchen Sitzungen üblich, versprach die Tagesordnung einen Rückblick, später auch einen Ausblick. Hasan Jawishs wohlformulierte und in deutscher Sprache vorgetragene Rede jedoch sollte zum eigentlichen Höhepunkt des Abends werden. Hasan bat ums Wort, betroffen folgten die Gäste seinen Worten.

Öffentlich entschuldigte sich Jawish im Namen seiner Landsleute für die schrecklichen Vorkommnisse während der Silvesternacht und sorgte mit seinem Statement für Stille: "Wir, die hier in Fuchsmühl wohnenden syrischen Familien, bringen unser tiefstes Bedauern über die Übergriffe in Köln und anderen Städten zum Ausdruck." Hasan Jawish: "Wir stellen uns ganz deutlich gegen solche Handlungen. Auch in unserer Kultur sind Übergriffe, wie Diebstahl, sexuelle Belästigung oder gar Vergewaltigungen, verboten und gesellschaftlich geächtet." Das öffentliche Bild von Flüchtlingen sei durch die Übergriffe verzerrt worden, ergänzte Jawish. "Wir sind, wie auch deutsche Bürger, bemüht, die hier geltenden Gesetze und Regeln zu beachten. Wir haben auch großes Interesse, die für uns fremde Kultur Deutschlands kennenzulernen."

Aufrichtiger Dank


Weiter lobte Jawish die deutsche Regierung und sah es als eine große humanitäre Entscheidung, Flüchtlingen Schutz zu geben. Er betonte: "Glauben Sie uns, Deutschland ist uns zur zweiten Heimat geworden." Man wolle Deutsch lernen, Arbeit finden. Abschließend dankte er der Bundesregierung, Bürgermeister Wolfgang Braun, Hannelore Bienlein-Holl, dem Arbeitskreis und allen Einwohnern der Gemeinde für die erwiesene Gastfreundschaft.

"Man sollte die Vorfälle nicht verallgemeinern", kommentierte Bürgermeister Wolfgang Braun die Übergriffe in deutschen Großstädten. Aber man dürfe sie auch nicht verschweigen. Er verurteilte Medien, denen es in der Berichterstattung darum gehe, Neid und Hass seitens der "rechten Brut" zu schüren. Hannelore Bienlein-Holl, die Vorsitzende des Arbeitskreises, zeigte sich von den Wortmeldungen beider Redner sichtlich beeindruckt. Viel habe man in den zurückliegenden Monaten bewegen können, betonte die Vorsitzende, auch ein Benefizkonzert mit dem syrischen Künstler Ashraf Kateb und Iwan Urwalow aus Russland habe man organisiert, darüber hinaus gemeinsame Treffen und einiges andere mehr. Rückblickend erinnerte sie an den gemeinsamen Besuch beim Kreisjugendtag in Bärnau und dankte allen ehrenamtlichen Helfern. "Durch das gemeinsame Zupacken ist vieles entstanden. Viele sind da, wenn man sie braucht."

Glauben Sie uns, Deutschland ist uns zur zweiten Heimat geworden.Hasan Jawish

Fahrt in Tiergarten


Trotz aller Erfolge seien manche Probleme aber noch ungelöst, ergänzte Hannelore Bienlein-Holl. Der Wunsch nach einem, vor allem für die syrischen Schulkinder wichtigen Internetanschluss blieb bislang unerfüllt. Hannelore Bienlein-Holl richtete den Blick auf den Kreisjugendtag im Sommer und eine Fahrt in den Nürnberger Tiergarten am 26. Mai. Beim Kreisjugendtag wollen sich die syrischen Familien gerne einbringen. "Zur Fahrt nach Nürnberg sind die syrischen Kinder und auch die Tafelkinder recht herzlich eingeladen." Hannelore Bienlein-Holl ergänzte: "Die Fahrt ist kostenlos." Gerne könne auch ein Elternteil mitgenommen werden.
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