Jung und Alt in einem Boot

Mit bunten Kostümen begeisterten die "Temptations" vom Turnerbund Jahn aus Wiesau ihr Publikum. Die Regenwolken hatten zu diesem Zeitpunkt Fuchsmühl bereits erreicht. Bilder: wro (4) (Foto: Werner Robl)
Vermischtes
Fuchsmühl
19.06.2016
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Heimlicher Mittelpunkt des Nachmittags war das Symbol des Holzschiffchens: "Wir sitzen alle in einem Boot". (Foto: Werner Robl)

Viel zu entdecken gab es beim Jugend- und Familientag des Landkreises. Schade nur, dass das Wetter dem Fest ein vorschnelles Ende bereitete. Doch das extra gebaute Symbolschiff trotzte selbst dem Regen.

"Es ist nicht leicht, bei solch einer Wetterlage Schirmherr zu sein", scherzte Wolfgang Lippert bei der Eröffnung des 17. Kreisjugend- und Familientages. Mit Bürgermeister Wolfgang Braun hatte er die Schirmherrenschaft übernommen. Noch aber war von dem später hereinbrechenden Mix aus Wolken und Regen nichts zu spüren. Beschwingt eröffneten die "Juwies" unter der musikalischen Leitung von Josef Polata den Nachmittag.

Mit Polizei und Feuerwehr


Nach dem Startschuss durch die Schirmherren erläuterte zweite Bürgermeisterin Andrea Hecht den Programmablauf. Rund um den Rathausplatz feierte man fröhlich. Aus dem früheren Kreisjugendtag war zum ersten Mal ganz offiziell ein Familientag geworden. Viele tüchtige Helfer hatten sich gut vorbereitet, um an den Verkaufs- und Aktionsständen für Abwechslung zu sorgen.

Rund um dem Rathausplatz war ein bunter Vergnügungspark aufgebaut. Die Feuerwehr holte ihre Autos aus der Garage, das Rote Kreuz trug "Verletzte" spazieren. Freundliche Polizisten zeigten ihr Motorrad, wer wollte, durfte sich in den Streifenwagen setzen. Summendes Bienenvolk stellten die Imker vor, nebenbei verkauften sie Honiglimonade. Förster Eckhard Deutschländer erklärte das System Wald, bei der Punkterallye konnte man ein Fahrrad gewinnen. Fühlen, schmecken, mitmachen und sich den ganzen Tag über die Angebote freuen war am Samstag ein Kinderspiel. Hungrig oder durstig blieb dabei niemand. Da gab es Baguette, Döner, Käse, Brezen und Bratwürste, im Feuerwehrhaus Eis und in der Mehrzweckhalle Kaffee und Kuchen.

Winterlinde gepflanzt


Die Liste der Anbieter war lang, der Spaßfaktor hoch. Schillernde Riesenseifenblasen schwebten über den Platz, Stelzenläufer bahnten sich ihren Weg durch das Getümmel und nach und nach bekam auch das von den Fuchsmühler Ministranten im Vorfeld gebaute Holzschiff einen bunten Anstrich. Weithin leuchtete das Segel. "Wir sitzen alle in einem Boot" war darauf zu lesen. Mit vereinten Kräften starteten die Ehrengäste dann eine kleine Pflanzaktion. Anfangs störrisch weigerte sich die Winterlinde, ihren frisch angestammten Platz einzunehmen. Doch schließlich war auch das Standortproblem im großen Blumentopf schnell gelöst. In wenigen Tag zieht das Bäumchen in den Garten des Kinderhauses Sankt Marien um.

Das Programm versprach noch viele Bühnenhöhepunkte, doch von Südwesten verdunkelte sich langsam der Himmel. Die Hüpfburg hatte man vorsorglich sowieso schon gleich in der Halle aufgebaut. Auch die Mienen der Veranstalter verdüsterten sich. Die Vorführung des Schäferhundevereins wurde abgesagt. Als nächster Programmpunkt war das Kindermusical "Aladdin" geplant, doch die Freilichtbühne war schon nassgeregnet. So entschloss man sich für einen Umzug ins Rathausfoyer. Dass der Auftritt dennoch ein Erfolg wurde, lag am bunten Kinderstück und den Darstellern. Die Zuschauer fühlten sich in eine Wüsten- und Oasenlandschaft versetzt. Trotz der Widrigkeiten wie der Enge im Foyer überraschten die Kreismusikschüler mit einer glänzenden Nacherzählung des bekannten Märchens und bekamen viel Applaus.

Inzwischen war auch die Sonne nach Fuchsmühl zurückgekehrt, doch die meisten Besucher hatten schon den Weg nach Hause angetreten. Nur eine Handvoll war übrig, um sich die Zeit für den letzten Teil des Nachmittags, die ökumenische Andacht, zu nehmen. Und so endete der leider verregnete, aber perfekt organisierte Kreisjugend- und Familientag in Fuchsmühl. "Wir sitzen alle in einem Boot" war das Sinnbild eines Nachmittags, von dem schließlich nur noch ein kleines Holzschiffchen übriggeblieben war. Pfarrer Joseph und die evangelische Dekanatsjugendreferentin Doris Kick aus Weiden gestalteten den Abschluss. Das Schiff stand abseits, aber dennoch sichtbar im Mittelpunkt des Geschehens.

Rettungsanker annehmen


"Wenn ich mir das Schiffchen so anschaue, fällt mir die "Titanic" ein", erinnerte Pfarrer Joseph an die erste und zugleich letzte Fahrt des als unsinkbar geltenden Ozeanriesen und verglich sie mit dem Leben mancher Menschen. "Viele leben wie eine ,Titanic', selbstherrlich ignorieren sie Warnungen, vertrauen auf ihre Gesundheit und setzen ihre Hoffnung auf das Kapital einer Lebensversicherung."

Leider hätten auch sie kaum Rettungsboote, ähnlich wie die "Titanic" viel zu wenig Signalraketen an Bord. "Gefährliche Eisberge aber lauern überall." Pfarrer Joseph empfahl, die Warnungen ernst und Gottes Angebot, Rettungsanker zu sein, anzunehmen. Zum letzten Mal zeigte der Geistliche auf die mahnende Aufschrift am kleinen Holzschiff: "Wir sitzen alle in einem Boot."

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/bildergalerien

Viele leben wie eine "Titanic". Gefährliche Eisberge aber lauern überall.Pfarrer Joseph
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