Junger Syrer möchte Ausbildung in Fuchsmühler Handwerksbetrieb beginnen - Vergebliche ...
Saed nutzt Praktikum als Sprungbrett

Mit Armin (links) und Patrick Bauer (rechts) versteht sich Saed Akhras sehr gut. Gerne erklären sie dem künftigen Auszubildenden, welche Ersatzteile in welchen Regalen liegen. Bild: wro
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Fuchsmühl
11.02.2016
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Können Flüchtlinge helfen, den Fachkräftemangel zu bewältigen? Armin Bauer sagt da ein entschiedenes "Ja". Seit ein paar Tagen ergänzt ein junger Syrer das Team. Seit vielen Jahren betreibt Bauer einen Meisterbetrieb für Heizung und Sanitär. Sein Reich ist die neue Werkstatt, am kleinen "Industriepark" der Gemeinde.

In seinem Büro hängt seine "Freizeitleidenschaft", ein rotes Schild mit der Aufschrift 1. FC Nürnberg, daneben ein leicht vergilbter Spruch: "Ein Meister ist, der was ersann. Ein Geselle ist, der was kann. Ein Lehrling ist ein jedermann." Bauer ist stolz auf dieses gerahmte Leitwort. "Es hing früher in der Werkstatt meines Lehrherrn." Jetzt hat es bei ihm einen Ehrenplatz gefunden.

Bauers rechte Hand ist sein junger Geselle Patrick, zugleich der Juniorchef des Hauses. "Seine Ausbildung machte er jedoch nicht im elterlichen Betrieb", betont der Vater. Patrick nickt und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass dies eine vernünftige Entscheidung war. Lange Zeit hatte sich der Handwerksmeister um einen Auszubildenden bemüht, wenigstens um einen Praktikanten. "Leider vergeblich", bedauert Bauer. Vor wenigen Tagen aber erreichte den Fuchsmühler ein Anruf aus Selb. "Die Teamleiterin des Arbeitgeber Service Selb-Marktredwitz fragte, ob er nicht eine Praktikantenstelle frei hätte. Und auf Bauers "Ja" erzählte sie von Saed Akhras, einem jungen syrischen Flüchtling, der eben so eine sucht. Bauer überlegte nicht lange und blieb bei seinem "Ja". Der Rest ging dann völlig unbürokratisch über den Schreibtisch.

Seit ein paar Tagen ist der 1991 in Idleb bei Aleppo geborene Saed Akhras wieder ein glücklicher junger Mann. Seine anfängliche Zurückhaltung ist einer Freundschaft zu den beiden Fuchsmühlern gewichen. Saed versteht sich mit Patrick prächtig, die beiden fanden schnell Kontakt zueinander. "Arbeit ist gut", freut sich Saed und lacht: "Armin und Patrick ist very good!" Freilich gibt es noch einige Barrieren zu überwinden. Saed spricht nur gebrochen Deutsch, für eine kleine Unterhaltung jedoch reicht's allemal.

Mit den beiden Männern versteht sich der junge Syrer außergewöhnlich gut. "Saed ist technisch sehr begabt." Er floh über die Türkei nach Deutschland und lebt seit rund einem halben Jahr in Lorenzreuth. Mit seinen Eltern hält er telefonisch Kontakt, von ihnen hat er erfahren, dass sein Elternhaus inzwischen völlig zerstört sei.

Armin Bauer ist zuversichtlich. "Saed hat mir versprochen, ganz schnell Deutsch zu lernen. In zwei bis drei Monaten hole ich ihn dann wieder zu mir nach Fuchsmühl, wir arbeiten nochmal miteinander. Und wenn nichts dazwischen kommt, wird er ab September unser neuer Auszubildender. Vielleicht sogar einmal unser Geselle", freut sich Armin Bauer. "Meine Auszubildenden haben immer mit sehr guten Noten abgeschlossen. Das wird sich bei Saed nicht ändern."
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